Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 14 (15.7.1930)
- Article
- Gemeindlicher Religionsunterricht
- Date
- 1930-07-15
- Page
- Seite 224 (sequence 2)
- Language
- German
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224 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 14 gemeinschaft erzielt wird. Auch diese Ausführungen wurden mit Beifall ausgenommen. Da die Zeit inzwischen weit vorgeschritten war, wurde von der vorgesehenen Aussprache Abstand genommen. Dr. Klugmann. Ausstellung jüdischer kultgeräle und Einrichtungen für Synagoge und Haus Die „Ausstellung jüdischer Kultgeräte und Einrichtungen für Synagoge und Haus" hat in weiten Kreisen unserer Stadt Beachtung und Interesse gefunden. Der Besuch war bis in die letzen Tage außerordentlich rege. Auf vielfachen Wunsch haben sich daher die Veranstalter entschlossen, die Ausstellung bis einschließlich 20. Juli zu verlängern. Der Eintritt ist unentgeltlich und jedermann gestattet. Die Ausstellung, die sich in den Räumen der Gesellschaft Concordia, Prannerstraße 4, befindet, ist werktags von 10 bis 13 Uhr und 16 bis 20 Uhr und Samstags und Sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. [ Frau Markha Wilmersdoerffer gestorben | Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Herr Rechtsanwalt Dr. Ernst Wilmersdoerffer, wurde durch den Tod seiner Gattin Martha in tiefe Trauer versetzt. Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer widmete der Verstorbenen in der Sitzung vom 23. Juni einen Nachruf. Frau Martha Wilmersdoerffer hat den sozialen und sozialpädagogischen Aufgaben der Gemeinde besonderes Interesse und Verständnis entgegengebracht. Um ihren Verlust trauert eine Reihe ihr befreundeter und nahestehender Mitglieder aus unserer Gemeinde. _ | Herr Jakob Hirschinger gestorben | Wie wir soeben erfahren, ist Herr Jakob Hirschinger, der lange Jahre im Wohlfahrtsamt der Gemeinde tätig war. am 13. Juli verstorben. Wir werden den Verschiedenen in unserer nächsten Nummer würdigen. plus dem Verbände Gelegentlich der Münchener Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden wurde der „Bayerische Landesverein für jüdische Museen und kunsipflege" gegründet, dessen Mitglieder sich aus allen Landesteilen zusammensetzen. Nähere Mitteilungen über den Verein und seine künftige Tätigkeit werden folgen. Nach Schluß der Tagung trat die Historische Kommission unter dem Vorsitz Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal, Nürnberg, zusammen und besprach ihre nächsten Arbeitsziele. Die Sichtung und wissenschaftliche Erschließung der in den Landgemeinden ruhenden Archivalien soll in Angriff genommen werden. Als nächste Publikation der Historischen Kommission soll eine Arbeit des Herrn Dr. Rafael Straus, „Der Niedergang der Judengemeinde Regensburg im ausgehenden Mittelalter", in Kürze veröffentlicht werden. Um den Zusammenhang mit der weiteren Öffentlichkeit aufrecht zu erhalten, wurde der Schriftleiter der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung", Herr Dr. Ludwig Feuchtwange r, in die Kommission hinzugewählt. 5lus den bayerischen Semeinden Kultusgemeinde Speyer. — Fesigotlesdienst aus Anlaß der Räumung der Pfalz am 1. Juli 1930 Die Wiege des deutschen Judentums stand am Rhein und in der Pfalz, wo die Juden an den Anfängen der deutschen Kultur beteiligt waren. Rhein-Juden und Pfalz-Juden, aus ihrem Vaterland vertrieben, waren die Vorfahren der Osftuden, die sich in späteren Jahrhunderten wieder an den Rhein zurückwandten. Die altehrwürdigen Judengemeinden in Speyer, Worms und Mainz bestanden schon im ersten Jahrtausend nach Christus. Die Juden in der Pfalz waren nach dem Anerkenntnis der bayerischen Staatsregierung während der 11jährigen Besatzung ein Muster der Treue und Anhänglichkeit an das Deutschtum. Der Festgottesdienst der israelitischen Kultusgemeinde Speyer am 1. Juli 1930 wurde von Gesängen und Psalm-Rezitationen eingerahmt. Die Festpredigt hielt Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher. Die Ansprache lautete: Andächtige Festgemeinde! Mit ganz besonders innigen Dankge¬ Brennsioffe aller Reviere in erster Güte Aufträge für Augsburg an Frau Dr. L e h r b u r g e r, Augsburg, Kaiserstrafee 431/2 Bayer. Kollidl^Kontor b. H. Annastrabe Ö217 Augsburg Fernruf 847, 867 CAFE WINTERGARTEN Inhaber: Franz Schnabl Nachmittags Konzert. Äbends ununterbrochen Tanz 2 Kapellen. Mäßige Preise. Kein Eintritt Kein Weinzwang fühlen nahen wir heute unserem Gotte, betreten wir diese heilige, der Gottesanbetung geweihte Stätte. „Diesen Tag hat uns der Ewige gewährt, wir wollen jubeln und uns freuen an ihm!" Viele bange und schwere Jahre liegen hinter uns. Aber jetzt ist aller Druck von uns gewichen. Die Pfalz ist wieder frei. Wir Deutsche am schönen deutschen Rhein sind wieder ein freies Volk. Es hat sich an uns erfüllt, das Gotteswort, das an Pharao ergangen war: „Laß' frei mein Volk." Es hat sich an uns bestätigt: „Auch uns hat der Ewige herausgeführt aus der Knechtschaft zur Freiheit, aus dem Kummer zur Freude; aus der Trauer zum Festtag, aus der Dunkelheit zu hellstem Lichte." Aber nicht ganz ungetrübt ist unsere Freude, noch immer hat die Stunde der Befreiung für viele Deutsche noch nicht geschlagen. Wir denken da ganz besonders an die Deutschen an der Saar, deren wir uns in innigstem Mitgefühl in dieser festlichen Stunde erinnern. Und ferner: Auf Millionen deutscher Menschen, oft Familienväter, die Arbeit suchen, und nicht finden können, lastet ungeheuere Not und Sorge, hervorgerufen durch eine Wirtschaftskrise größten Ausmaßes, wie sie unser Vaterland noch nicht erlebt hat. Und endlich gerade jetzt, da der äußere Druck von unserem Vaterland gewichen, ist es innerlich im Geiste in seinen sittlichen Entscheidungen sehr unfrei geworden. Glaubenshaß hat heute mehr, denn je breiteste Schichten des deutschen Volkes ergriffen. Wie kann nun wohl unser deutsches Volk auch die innere Freiheit, die Freiheit im Geiste und in der Seele, wiedergewinnen? Über diese Frage nachzudenken, entspricht gewiß dem Sinn und der Bedeutung dieser festlichen Stunde. Jenes Gotteswort, das sich an unserem deutschen Volke so wunderbar bestätigt hat, spricht bezeichnender Weise nicht nur von Befreiung, sondern auch vom Dienen. „Laß frei mein Volk, damit es mir diene." Und warum wohl das letztere? Weil der Dienst, den wir Gott widmen, erst zur rechten Freiheit, zur inneren Freiheit, zur Freiheit des Geistes und der Seele führt. Denn in den Dienst Gottes sich stellen heißt doch vor allem, den Gottesglauben auch durch die Tat bewähren, sich nicht aufhalten in den Niederungen ungehemmter Leidenschaften und Triebe, sondern hinan steigen zu den Höhen einer edlen Menschlichkeit, kundtun, daß das Göttliche in uns wirksam ist, in jeder Stunde unseres Daseins. Halten wir nicht nach solchem Tun, das allein des Menschen als eines im Ebenbilde geschaffenen Wesens würdig wäre, so oft vergeblich Ausschau? Müssen wir uns nicht immer wieder davon überzeugen, daß das Ungeistige und Ungöttlichste, nämlich Glaubenshaß, triumphiert in der deutschen Welt? Wir haben wohl heute große Erfolge zu verzeichnen auf allen Gebieten der Wissenschaft und Technik und zwar der Technik, nicht nur im eigentlichsten Sinne, sondern auch der Technik des Lebens, also der äußeren Gestaltung unseres Daseins, wir haben aber vielleicht gerade darum, weil unsere Blicke ausschließlich aus die äußere Formung des Lebens gerichtet waren, vergessen, unser Fortsetzung auf Seite 225