Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 13 (1.7.1930)
- Article
- Stefan Zweigs "Jeremias"
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 187 (sequence 2)
- Language
- German
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210 Bayerische Israelitische Gememdezeitung Nr. 13 Es ist ein religiöses Epos; seine Quelle ist die Bibel. Es wirkt schon bei der Lektüre erschütternd ob des Verhängnisses einer göttlichen Sendung, die nur ein großes starkes Herz tragen kann. Ein Meister der deutschen Sprache hat hier ihre klanglichen und rhythmischen Mittel zu stärkster Wirkung gebracht und sich seinen persönlichen Anteil an dem Geschick und der Art dieses Volkes von Jerusalem vom Herzen geschrieben. Es ist also kein Wunder, daß Stefan Zweigs „Jeremias" kaum auf den deutschen Bühnen gehört wird, die wahrlich keinen Überfluß an wertvollen zeitgenössischen Stücken haben. Somit hörte der Dichter am 8. Juni 1930 zum erstenmal sein Werk und konnte sich daran freuen und an dem Beifall, den ein vollbesetztes Haus ihm und den Mitwirkenden zollte. Denn es war eine ausgezeichnete Aufführung, und das ist viel gesagt, wenn man bedenkt, daß alle Mitwirkenden „Liebhaber" und keine Berufsschauspieler waren. Eine geschlossene, durchaus erlebte und erlebnisfähige Figur, dieser Jeremias; die Mutter des Jeremias vielleicht etwas zu ekstatisch und weniger mütterlich, aber durchaus wahrhaft und ergreifend; der König und fein Feldherr weniger glücklich, mehr gemacht und „sprechtonlich" behindert. Dagegen Baruch und die Wachposten vorzügliche Darbietungen! Es hat immer einen eigenen Reiz, ein Laienspiel zu erleben, in dem Menschen den Aufwand ihrer ganzen Kraft einsetzen und keine Routine Bewunderung oder Versttmmung erregt. Wenn man noch überlegt, wie leicht die Tücke des Objekts auch eine gute Vorbereitung in Frage stellen kann, so muß man das störungsfreie Zusammenspiel, die ausdauernde und bis ins einzelne gehende Durcharbeitung bewundern, welche hier die künstlerische Arbeitsgemeinschaft des Düsseldorfer Jugendvereins geleistet hat. Sie war im Sprechchor am besten erkennbar. Seine stimmliche Beweglichkeit im Ton und in der Stärke, am Vormittag bei der Wiedergabe der Schöpfungsgeschichte noch etwas zu dünn für den anspruchsvollen Saal der Tonhalle, konnte im letzten Akt des „Jeremias" den ganzen Reiz disziplinierter Massenwirkung entwickeln. Diese Schulung und die aufgelockerte Beweglichkeit der Szene gaben dem Schluß Höhepunkt und nachwirkenden Ausklang. Hier haben junge Menschen gezeigt, wie durch Selbstzucht und Unterordnung unter einen Führer eine Gemeinschaftsleistung von Rang entstehen kann. Adolf Schaalmann. Aus der Gemeinde München Sitzung der Gemelndeverkrekung und des Vorstandes am 11. 2uni 1930 Die Sitzung, in der im wesentlichen über den Zuschuß der Gemeinde für das projektierte Bethaus der o st - jüdischen Synagogen vereine und die Münchener Tagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine verhandelt wurde, wurde von Rechtsanwalt Dr. Wilmersdorffer geleitet. Zu Beginn der Sitzung spricht Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer dem Mitglied der Gemeindevertretung, Herrn Dr. Marschütz, zu dem Ableben seiner Gattin das Beileid der gemeindlichen Kollegien aus und gibt sodann der Trauer über den Verlust Ausdruck, den die Gemeinde durch den tödlichen Unfall der Gemeindesekretärin Fräulein Helene Naß erlitten hat. Er rühmt die Dahingeschiedene als einen klugen, verständigen Menschen von außerordentlicher Bescheidenheit und Zurückhaltung, im Dienste beweglich und interessiert. Ihre Nachdichtung der Schöpfungsgeschichte in der Gemeindezeitung im vorigen Jahre sei noch in aller Erinnerung. Zunächst wurde das Gesuch der vereinigten Bethausvereine Linath Hazedek und Agudath Achim um Beihilfe zum Umbau ihrer Synagoge Reichenbachstraße 27 behandelt. Die Verein haben Bürgschaft für ein hypothekarisch zu sicherndes Darlehen von 100 000 RM. und die Gewährung eines Zuschusses von 30 000 RM. erbeten, um ihr von dem Architekten Meyerstein, hier, gefertigtes Projekt eines Synagogenumbaues ausführen zu können. Uber das Gesuch wurde von J.-R. Dr. Straus Bericht erstattet, der nach den Erklärungen der Herren K.-R. Dr. Wassermann und J.-R. Dr. Feuchtwanger seiner Freude Ausdruck gibt, daß der Anttag einmütige Billigung finde. R.-A. Dr. Werner erklärt, daß auch er für feine Person dem Projekt zustimmen könne. Es sei hier der billigste Weg gefunden, um auch dem von ihm anerkannten Bedürfnis der oftjüdischen Vereine Rechnung Ul tragen. Wenn er sich in einem früheren Zeitpunkt den vorgelegten Anttägen widersetzt habe, so nur deshalb, weil diese Projekte für die Gemeinde materiell nicht tragbar gewesen seien. Er lege Wert daraus, daß dies ausdrücklich festgestellt werde. Punkt 2 der Tagesordnung: Bürgschaftsübernahme für ein vom Verein Israelitische Jugendhilfe München aufzunehmendes Darlehen (6000 RM.) wird ebenfalls nach den Aufklärungen von Dr. Straus über die Sicherheit des Darlehens einstimmig genehmigt. Dr. Neumeyer lädt sodann die Mitglieder der Kollegien zu den Veranstaltungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden am 29. und 30. Juni in München herzlich ein. In der Aussprache über die Tagung der Delegiertenversammlung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine berichtet zunächst Dr. Neumeyer über die Freitagabendfeier und den Sabbatfestgottesdienst, die unter großer Beteiligung eindrucksvoll und würdig verlaufen seien, wie auch der gesellige Abend vom 7. Juni. Beim Festakt am Sonntag wären 350 Delegierte und 600 Gäste anwesend gewesen. Der Sprechchor der Düsseldorfer Ortsgruppe (Vortrag der Schöpfungsgeschichte nach der Übersetzung von Buber mit Orgelbegleitung) müsse als eine künstlerische Leistung gewertet werden.- Mit besonvis Wäscherei der Münchener Hausfrau Inhaber: Landwehrstraße 57/59 Georg Höcker Telephon 596858 bürgt iür schonende Behandlung Pfundwäsche ab 20 Pfd. 30 Pfennig (glatte Stücke gemangelt) Mietwäsche 28 Pfennig Verwendung nur besten Materials Kostenlose Zustellung nach allen Stadtteilen Feine Herren-Stärkwäsche Filialen: Baaderstr. 13, T. 25 7 02, Gabelsbergerstr.103, T. 596 491, Hermstr. 48, Ohlmüllerstr. 13,Cammerloher-Fürstenrieder Str. (Kiosk), Boschetsriederstr .79 Regenmäntel Ulster und Paletots Eigene Herstellung. Nur hochwertige Qualitäten Vollkommen in Schnitt und Verarbeitung Hauptpreislag et 148.- 165.- 190.- SAKKO-ANZÜGE ab RM. 270.- In unserer bekannt exquisiten Ausführung LOTZ &LEUSMANN München Perusastraße