Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 13 (1.7.1930)
- Article
- Münchner Tagung des Verbandes der jüdischen Jugendverein Deutschlands
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 209 treten war und der Vorsitzende Dr. Hahn, der Geschäftsführer Fritz Schwarzschild aus beruflichen Gründen eine Wiederwahl ablehnten. Per Akklamation wurden die leitenden Ämter folgendermaßen besetzt: Münchner Lohreinerwerkslätten FÜR KUNSTGEWERBE E. G. M. B. H. Erster Vorsitzender Rechtsanwalt Herbert Felsenthal (Düsseldorf), zweiter Vorsitzender Erich Altmann (Hamborn), dritter Vorsitzender Referendar Erwin Seegall (Stettin), Redakteur der Verbandszeitschrift Rabbiner Dr. Alfred Philipp (Elberfeld), Schatzmeister Alfred Bonnin (Bielefeld), Dezernent für soziale Nothilfe Waldemar Straus (Berlin). Der Delegiertentag wählte dann den Verbandsbeirat, dem führende Persönlichkeiten des deutschen Judentums angehören. Die Tagung, der Vertreter der staatlichen und gemeindlichen Behörden teilweise beiwohnten, bedeutet in ihrem Ergebnis eine Bestätigung der Verbandsidee. (I. T.-A.) II. Fast will es schwer fallen, ruhig urteilende Worte zu finden über diese Tagung, die so aufrührend und zum Teil auch radikalisierend wirkte. Radikalisierend insofern, als alle Strömungen im Verband rücksichtslos und radikal, d. h. zu den Wurzeln gehend, zur Sprache gebracht und mit unerbittlicher Offenheit ungeschminkt und unverfälscht vertreten und einer Klärung entgegengebracht worden sind. Selbst die ab und zu fühlbare Disziplinlosigkeit, das Sichhinreißenlafsen zu unsachlichen, persönlichen Ausführungen wurde durch dies ehrliche, echt jugendliche Ringen nach Wahrheit und Klarheit weit aufgewogen. Trotz allem und wegen allem: unsere jüdische Jugend hat den Mut, verrottetes Altes niederzureißen und — was noch höher steht — sie hat den Mut und fühlt in sich die Berufung, besseres Neues aufzubauen. Und allein schon um dieser Erkenntnis willen wäre die Tagung ein Erfolg gewesen. Trotz aller — sachlichen und unsachlichen —> Gegensätze prägte sich die Notwendigkeit und innere Berechtigung des Verbandes allen Tagungsteilnehmern schärfer denn je ein: die Not der Zeit und die Not der inneren Lebensgestaltung, die uns alle gemeinsam umdroht und die es gemeinsam zu überwinden gilt, kittet und kettet an den Verband und läßt ihn trotz aller Unkenrufe nicht nur nicht als berechtigungslosen Verein, sondern als innere Schickfalsgemeinschaft, als Gemeinschaft schlechthin erscheinen. Und wenn diese Überzeugung, von den Hunderten von Delegierten zu den Tausenden von Verbandsangehörigen getragen, weiterwirkt und weiterwerkt, so braucht uns um die fernere Gestaltung und weitere Existenz des Verbandes nicht bange zu sein! Noch andere Gründe machen derlei Tagungen so wertvoll: Sieht und spricht man doch Leute, die man vor Jahren auf gleichen Tagungen kennen gelernt und mit denen man inzwischen die Fühlung verloren hatte, wieder, knüpft neue Fäden, schöpft neue Anregungen, die daheim im eigenen Bunde fruchtbar ausgewertet werden können und wird immer von neuem vertraut mit dem Gedanken, daß sich alle, der eine dem andern, etwas zu sagen haben und sich zu helfen vermögen. „Jugend hilft der Jugend," das Motto der Tagung — mag es auch äußerlich in den Diskussionen nicht zur Geltung gekommen sein —, tief innerlich hat es doch und nicht am wenigsten gewirkt! Wesentlich zum Erfolg trugen auch die mancherlei Veranstaltungen bei, welche die Tagung umrahmten, wie die nette Freitagabendfeier, deren glänzende Verköstigung wohltuend von der in „einigen" Beziehungen unzureichenden Verpflegung der übrigen Tage abstach, und die Sprechchoraufführung der Düsseldorfer. Ein unvergeßliches Ereignis war allen die fabelhafte „Jeremias"- Aufführung der künstlerischen Arbeitsgemeinschaft des J.J.V. Düsseldorf, von der viele eine „materielle" Erinnerung in Gestalt eines Autogramms des anwesenden Dichters Stefan Zweig Mitnahmen. Unnötig zu erwähnen ist, daß Martin Bubers Rede und Schlußwort das Erlebnis der Tagung überhaupt waren. Rolf Kleemann (Nürnberg). M Stefan Zweigs „Jeremias", Ausführung durch die künstlerische Arbeitsgemeinschaft des jüdischen Jugendvereins Düsseldorf am 8. Juni 1930 in der Tonhalle zu München Es ist kein Wunder, daß Stefan Zweigs „Jeremias" kaum auf den deutschen.Bühnen gehört wird. Dieses dramatische Gedicht hat wenig Dramatisches, obwohl manches geschieht; es ist ein Epos, das Epos des leidenden Helden und der leidenden Menschen um ihn herum. Gediegenste Einzelmöbel, Ausstattung kompletter Wohnungen u. Villen MÜNCHEN, LUOWIGSTRASSE 26 .Af o dellJiaus (Shiaeme /chult^j s.^ue. 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