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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1930-06-15 · 6 (15.6.1930) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1930
Issue
6 (15.6.1930)
Article
Die geschichtliche Entwicklung des Synagogengesanges seit Anfang des 19. Jahrhunderts
Date
1930-06-15
Page
Seite 13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 13 Gotte") niedergelegt. In ihnen zeigt Kirschner, getreu den Vorbildern der Heroen, das Wesen und Ziel des Synagogengesanges. Wie er selbst im Vorwort zum vierten Band betont, ist er bei allen seinen Schöpfungen darauf bedacht gewesen, „traditionelles, musikalisches Erbgut älteren und jüngeren Gepräges in weitgehender Weise zu verwenden", dies vornehmlich bei dem aschkenasischen, süddeutschen Chafonns. Mit wahrhaft pietätvoller Sorgfalt ist der Meister seiner sich gestellten Aufgabe gerecht geworden. Zeugen schon alle Kompositionen Kürschners für Sabbat und Festtage von einem zu hoher Kultur gewordenen, künstlerischen Schaffen, so stellt der Schlußband mit den Gesängen für die „Jomim noroim", die erhabenen Feiertage, die Krone seines Werkes dar. In diesen hat der Komponist das Veste und Tiefste an Empfindungsgehalt seiner Seele offenbart. Es reiht sich darin eine strahlende Perle edler Kunst an die andere zu kostbarem Geschmeide. Wir müssen uns, wie bei den Schöpfungen der früheren Meister, versagen, auf die eine oder andere im besonderen hinzuweisen. Unsere historische Darstellung des Synagogengesanges, wie er sich im letzten Jahrhundert entwickelt hat, führte uns in die Neuzeit hinein. Ein Rückblick auf die gewaltigen Leistungen der vom Geiste unserer heiligen Religion und von wahrer Kunst beseelten Männer darf uns mit Stolz und Bewunderung erfüllen. Ein geordneter Gesang und damit ein geregelter Gottesdienst haben immer mehr festen Fuß gefaßt und der Stand, in dessen Händen er liegt, der Kantorenstand, rastet nicht. Die Verbände und Vereine, in denen seine Vertreter zusammengeschlossen sind, betrachten es als eine ihrer vornehmsten Aufgaben, durch geeignete Maßnahmen einen Nachwuchs heranzubilden, der den hohen beruflichen Anforderungen in jeder Beziehung gewachsen und vor allem bestrebt ist, das uns zuteil gewordene reiche Erbe treu in Ehren zu halten. Der tüchtige Musiker und feinfühligste Sänger, der geübte Hebräer und gebildete Mann sollen zu dem heiligen Amte des Chafan gut genug fein. Aber auch eine intensivere Teilnahme der Gemeinden am Synagogengesang müßte erzielt werden. Dann braucht uns um seine Zukunft nicht bange zu sein; denn vielen Krisen im Laufe der Zeiten zum Trotz ist er zu ungeahnter Vollendung erblüht. Hoffen wir, daß ein gütiges Geschick den Synagogengesang auch fernerhin geleiten wird, zum Heile unseres Gottesdienstes und damit zum Segen unseres teuren Judentums! flm €nöe der Philosophie Ein kritisches Wort an die Zeit und ihre Philosophen Von Dr. Ludwig Freund (Verlag Ernst Reinhardt, München) Um es gleich zu sagen: Das Buch bedeutet eine Tat. Es ist dem jungen Verfasser mit diesem Erstlingswerk vollauf gelungen, auch dem gebildeten Laien in klaren verständlichen Worten zu sagen, was Philosophie ist, in welchem Verhältnis sie zur Wissenschaft steht und was der Gegenstand ihrer Forschung ist. Für den Pädagogen aber ist dieses Buch eine besonders willkommene Gabe. Gerade die Kapitel über „Definition" und „Methode", von denen der Verfasser in seiner Einleitung sagt, daß der Nichtpbilosoph sie überspringen kann, geben ihm (der vom Studium der Psychologie her mit der fachtechnischen Materie vertraut ist) tiefe Einblicke in das zu behandelnde Gebiet. Hier zeigt sich der tiefgründige Forscher und Wissenschaftler, der nicht mit leeren Schlagworten arbeitet, sondern in streng methodischkritischer, gründlich schürfender Weise sein Lehrgebäude aufrichtet. Dr. Ludwig Freund, ein hochbegabter Schüler des Universitätsprofessors Dr. Hans Driesch, ausgestattet mit dem wissenschafUichen Rüstzeug der alten und modernen Philosophie, zieht in diesem Werke das Fazit von Kant bis zur Neuzeit. Über den engen Rahmen der gestellten Aufgabe hinaus schreibt Dr. Freund über „Glauben" und „Glauben und Mystik". Es wäre nur zu wünschen, daß gerade die reifere gebildete Jugend unseres Volkes und nicht zuletzt die jüdische, die oft schnell fertig ist mit dem Wort, wenn es sich um das „Glauben", um das Gebiet der Religion handelt, daraus lernen würde, daß wirkliches Wissen und wahre Bildung den ersten und letzten Dingen des Lebens gegenüber mit Hochachtung, Vornehmheit und Bescheidenheit gegenübertritt. Treffend schreibt deshalb der Verfasser aus Seite 164: „Diese kritische Voreingenommenheit dem eigenen Glauben gegenüber zeigt nur, daß auf Grund der Herrschaft eines üppigen Rationalismus — der versteckt immer noch regiert, obgleich er öffentlich tausendmal verbannt wurde — die Unschuld des Glaubens verloren gegangen ist. In dem Augenblicke, wo eine Religion kritisch gerechtfertigt wird, hat man ihr Fremdes aufgezwungen. Man kann Gottes Nähe nicht mit dem Verstand ermitteln." „Soviel steht jedenfalls fest: Die Philosophie kann das nicht geben, was die Religion zu geben vermag. Eine geistige Befriedigung und Einigung der Masse kann nicht erfolgen Für den Inhalt der „Mitteilungen" durch Philosophie, die wegen ihrer kritischen Einstellung nie etwas Abgeschlossenes und Fertiges schafft, sondern nur durch Religion, die der Diskussion enthoben ist" (S. 172). „Der problematische Charakter der Wissenschaft läßt Möglichkeit und Raum für den reinen Glauben." Dr. Ludwig Freund hat mit diesem Buche aber noch in anderer Hinsicht auf sprachtechnifchem Gebiete eine glänzende Leistung vollbracht. Er hat den Beweis gegeben, daß der Wortschatz der deutschen Sprache — von fachtechnischen Ausdrücken abgesehen — reich genug ist, um wissenschaftliche Abhandlungen und Probleme einem gebildeten, interessierten Publikum in klarer, verständlicher Art darzubieten und zum Verständnis zu bringen. Dieses Werk, mit leidenschaftlicher Begeisterung geschrieben, liest sich besonders in den letzten Kapiteln wie ein spannender Roman, sein Stil ist klar und edel, die Sprache von prophetischer Gewalt, die Diktion von hinreißender Kraft. Und wenn der Verfasser in der Schluhbetrachtung bittet, man möchte sein Werk zweimal lesen, so sei gesagt, nicht nur lesen sondern studieren, wiederholt studieren soll man dieses interessante Buch. Es ist ein Werk, das wissenschaftliche Bereicherung, klare Erkenntnis und reichen Genuß am Schönen bietet. Dem Autor selbst aber sei zuzurufen: Wir erwarten noch mehr! Leopold Weil (Hof a. d. S.). Vezirkskonferenz Fürth. Die nächste Konferenz findet am Sonntag, dem> 22. Juni, statt. Personal!« Am 4. Juni verschied unerwartet unser Kollege Adolf Mayer, Niederhochstadt. — (Wir kommen auf das Leben und Wirken dieses Kollegen noch zurück.) Kollege Strauß, St. Ingbert, wurde zum stellvertretenden Berufsschuldirektor ernannt. Das Ehrenmitglied unserer Verwaltung, Kollege Leopold Gutmann in Öttingen, wurde zum Oberlehrer befördert. Lehrer Oppenheimer in Laudenbach feierte am 20. Mai sein 25. Oris^ubiläum und gleichzeitig die silberne Hochzeit unter außerordentlicher und ehrenvoller Anteilnahme von Behörden und gesamter Ortsbevölkerung. Kollege David Kisiinger beging am 13. Juni seinen 70. Geburtstag. Vereinsmitkeilungen Neuaufnahmen: Dem Vereine sind neu beigetreten die Kollegen Mahlermann (Ermershaufen), Linz (Vurgpreppach), Adler (Königshofen i. Grabfeld) und Seminarlehrer Bamberger (Würzburg). Jubiläumsfonds: Wir bitten wiederholt, die gezeichneten Spenden unserem Vereinskassier umgehend einzusenden. Jubiläums Versammlung: Zum Chorgesang haben sich bisher nur sehr wenige Kollegen gemeldet. Wir ersuchen dringend die musikalischen Vereinsmitglieder sich Hellmann zur Verfügung zu stellen. (Adresse: Würzburg, Ludwigstraße 31.) Mitgliederversammlung 1930: Die Mitgliederversammlung wird in Verbindung mit der Jubelfeier am 25. August in Würzburg stattfinden. Etwaige Anträge müssen satzungsgemäß spätestens vier Wochen vorher bei der Vereinsleitung eingereicht werden. München, den 10. Juni 1930. M. Rosenfeld. M. Adler. Aus Ostpreußen: Unser Kollege, das Vorstandsmitglied des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine in Deutschland, Peritz in Königsberg wurde zum Vorsteher der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde gewählt. Die Berichte über den Fortbildungskurs in Mannheim und über die Pfälzer Lehrertagung mußten wir für die nächste Nummer zurückstellen. Einzahlungen im Mai 1930 Von: Fränkel, Erlangen 25.—; Schwarzenberger, Bödigheim 10.—; Marx, Nürnberg 38.—; Hirsch, Nürnberg 45.—; Rosenberger, Hammelburg 20.—; Strauß, Frankfurt 20.—; Frank, Straubing 50.—; Wurzmann, Schlüchtern 10.—; Geßner, Rostock 25.—; Heippert, Kitzingen 25.—; Haymann, Rodalben 15.—; Blumenthal, Neustadt 25.—; Edelstein, Sugenheim 20.—; Gutmann, Fürth 20.—; Goenninger, Zirndorf 20.—; Köstrich, Uehlfeld 20.—•; Strauß, Windsheim 25.—; Kisiinger, Urfpringen 7.50; Lehmann, Eschau 10.—; Hellmann, Würzburg 25.—. Durch: Fränkel, Erlangen 25.—; Rosenfeld, München 770.—; Rosenfeld, München 440.—; Hellmann, Würzburg 90.—. Postscheckkonto: Nürnberg 6479. Würz5 urg, I. Juni 1930. M. Hellmann, verantwortlich: Max Adler, München.

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