Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 12 (15.6.1930)
- Article
- Öffentliche Sitzung des Vorstandes und der Gemeindevertretung
- Date
- 1930-06-15
- Page
- Seite 192 (sequence 1)
- Language
- German
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192 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Über die öffentliche Sitzung des Vorstandes und der Gemeindevertretung der Kultusgemeinde München am 11. Juni folgt Bericht in der nächsten Nummer. Über den Verlauf der Reichsdelegiertentagung der jüdischen Jugendverbände in München, besonders über die Aufführungen und Vorträge, folgt ausführlicher Bericht. stus bayerischen Semeinden Bayreuth. Vortragszyklus über die letzten fünfzig Jahre deutscher Dichtung. In sechs Vorträgen gab in den letzten Wochen Dr. Willy Meyer (Nürnberg) einen Überblick über die Haupttendenzen der deutschen Dichtung in der Vergangenheit und verglich damit die Haupiströmungen in der gegenwärtigen Literatur. Der Vortragszyklus erfreute sich des lebhaften und sich steigernden Interesses der zahlreichen Zuhörerschaft. Nach Beendigung der Vorträge schlossen sich die meisten Zuhörer zu einem neuen vierstündigen Vortragskurse des Redners über Psychoanalyse zusammen. Die Berufung des Herrn Dr. Meyer kann für ähnliche Veranstaltungen allen Gemeinden auf das wärmste empfohlen werden. Justizrat Klein (Bayreuth) Von den Fachschulen Das Republikanische Studenlenkarlell an den Münchener Hochschulen hat seine Arbeit auf neuer, erweiterter Grundlage ausgenommen. Der Anfang war überraschend gut; eine große Anzahl Kommilitonen hatte sich am Montag, dem 2. Juni abends 8 Uhr, im Restaurant „Grünes Eck" zusammengefunden, und mit einer einzigen Ausnahme traten alle dem Kartell bei. Die Veranstaltung wurde eingeleitet durch ein Referat über „Student und Staat", das canck. phil. Ed. Nähr hielt. Herr Nähr beleuchtete das Verhältnis der Studentenschaft der Nachkriegszeit zur deutschen Republik, ging dann weiter auf die Gründe ein, die dieses Verhältnis so wenig ersprießlich gemacht haben und schloß mit der Aufforderung an die akademische Jugend, daß sie sich nicht der Phrase verschreiben solle,' nicht unmächtig nach einem großen Führer, dem Diktator, rufe, sondern daß sie selbst Hand ans Werk lege und ihre in der Verfassung verbürgten Rechte und Pflichten auf dem Boden dieser Verfassung ausübe. Die darauffolgende Aussprache zeigte den ernsten Willen aller Kommilitonen, im Sinne dieser Mahnung zu arbeiten, damit der Student den Weg zur deutschen Republik finde. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren: dipl. rer. pol. Friedrich Joh. Fischer, cand. phil. Adolf Rubinstein, stuck, iur. Rich. Kitzinger, cand. iur. Hugo Woesch. Zum Schlüsse brachte Buchhändler Steinicke die Grüße der republikanisch gesinnten Altherrenschaft und schloß mit dem Wunsche, die Jugend möge sich nicht abschließen, sondern gemeinsam mit dem Alter an einem Wiederaufbau arbeiten. Die gutverlaufene Versammlung soll den Auftakt zu einer regen Tätigkeit des Republikanischen Studentenkartells geben. Die in den Pfingsttagen in Magdeburg stattfindende Tagung des Deutschen Republikanischen Studentenbundes, dem das Republikanische Studentenkartell angeschlossen ist, wird die nötigen Unterlagen dazu schaffen. F. F. Vereine Jüdischer Gesangverein e.V., München. Unser diesjähriges Sommerfest mit Tanz findet, wie bereits mitgeteilt, am Sonntag, dem 15. Juni 1930, in Harlaching, Restaurant Neumeyer, statt. Trambahnhaltestelle Harlaching. Gesangliche, deklamatorische und tänzerische Vorführungen werden zur Unterhaltung beitragen. Unsere aktiven und passiven Mitglieder sowie Freunde unseres Vereins sind herzlichst dazu eingeladen. — Der Beginn des Festes wurde, mit Rücksicht auf das Bar-Kochbafest, das nachmittags stattfindet, auf 6 Uhr festgesetzt. Am Donnerstag, dem 19. Juni 1930 (Fronleichnam), findet unser alljährlicher Vereinsausflug nach dem Steinsee statt. Sonntagskarte ab Ostbahnhof nach Kirchseon. Abfahrt 7.40 Uhr München-Ost. Treffpunkt 7.15 Uhr beim Haupteingang. Badezeug mitbringen. Auch zu dieser Zusammenkunft laden wir alle Mitglieder und Freunde des Vereins höflichst ein. (Rucksackverpflegung.) A. H. vückerschau Vorfahren und Rachfahren. Eine genealogische Studie von Hans Majer-Leonhard. Als Manuskript gedruckt für die Genealogische Gesellschaft, Frankfurt a. M., 1929. Der Verfasser sagt im Vorwort: „Diese Blätter sollen Interesse für die großen Gesichtspunkte der Familiensorschung wecken", und aus diesem Lehrzweck erklärt es sich, daß zwei recht ungleichartige Genealogien nebeneinander gestellt werden: diejenige der Gattin des Verfassers, Clara, geb. Ruetz, deren Stammbaum bis auf Karl den Großen zurückgeht, und die Deszendenz des 1812 in Frankfurt verstorbenen Kuchenbäckers Salomon Benedikt Goldschmidt. Allein die letztere soll uns hier interessieren. Diese Deszendenz mit weit über 200 Namen — dabei ist die Liste nicht einmal vollständig — ist in vielem hochinteressant. Es wird kaum einen deutschen Juden geben, der nicht Bekannte in dieser Liste träfe. Sie spiegelt im ganzen die Besonderheiten des Ablaufs der jüdischen Geschichte seit der Emanzipation deutlich wieder. Leopold Goldschmidt, der Enkel des Salomon Benedikt, hat ein kurzes Geleitwort geschrieben, in dem er mitteilt, wie noch sein Vater — es muß um 1770 gewesen sein — als jüdischer Lehrling bei einem christlichen Pastetenbäcker nur gegen die Verpflichtung ausgenommen werden konnte, morgens von 4—6 Uhr Dienst zu leisten, weil der Meister sonst Unliebsamkeiten mit den christlichen Nachbarn zu befürchten hatte. Aber die Kinder und Enkel dieses Leopold Godschmidt und seiner Aszendenten haben sich verschwägert mit den Fürsten Sayn- Wittgenstein, Henckell-Donnersmarck, Grafen Pappenheim, Spreti, Montgelas und Münster, einem Earl of Desart, Earl of Granard, Fitzgerald, und anderen mehr. Es fehlt auch nicht die Verschwägerung mit dem jungen jüdischen Adel der Rothschild, Hirsch, Schay, Königswarter, Erera, Gans und wie sie alle heißen. Dementsprechend ist die Deszendenz über aller Herren Länder zerstreut und sogar in Columbien nachzuweisen und viele ihrer Angehörigen — großenteils Nichtjuden — sind im Krieg unter deutschen, österreichischen, englischen und französischen Fahnen gefallen. Dieser Aufstieg der Familie — wenn man es so nennen will — von der Kuchenbäckerei zu den Fürstenhöfen hat als nächste Ursache, daran ist kein Zweifel, das Geld, das Benedikt Hayum Goldschmidt, der Sohn des Salomon Benedikt und Vater des Begleittextschreibers Leopold, in der Campagne von 1792 verdiente, nicht als selbständiger Heereslieferant, sondern im Dienst des christlichen Hauses Pfeifer. Noch 1812 durfte dieser Stammvater vieler hochadeliger Herren nur nach vielen Schwierigkeiten den Eisenhandel in Frankfurt a. M. betreiben. Aber wenn das Geld den Anfang ermöglichte, so verdankte es selbst doch seinem Ursprung der Tüchtigkeit, und diese Tüchtigkeit hat sich auch bei vielen Nachfahren gezeigt. Eine Fülle angesehener Kaufleute und Gelehrter findet man in der unmittelbaren Nachkommenschaft des Salomon Benedikt Goldschmidt, und eine mittelbare Beziehung durch Verschwägerung mit vielen anderen tüchtigen Männern. Da findet man die Marburgs, Kaullas, Sichels und Hamburgers; an Gelehrten unter den direkten Nachkommen u. a. Richard Moritz Mayer, Max Friedländer, Victor Goldschmidt, Richard Goldschmidt, und an anderen hervorragenden Personen u. a. Bertha Pappenheim und Elsa Ochs. Unter den Angeheirateten sind u. a. bemerkenswert Professor Fritz Wichert und der durch seinen Prozeß bekanntgewordene ehemalige thüringische Staatsbankpräsident Walter Loeb. Man sieht schon aus diesen Andeutungen, wie wichtig dieser Stammbaum für die Zeitgeschichtssorschung ist. Er könnte ockier viel nützlicher sein, wenn er technisch vollkommener wäre, und hätte eine größere Vollkommenheilt um so eher erreichen können, als er für die ältere Zeit die Stammbäume benutzen konnte, die R. M. Mayer, D. A. Worms und St. Mayer mit W. Pappenheim schon vor Jahrzehnten aufgestellt haben. Die Beisetzung der Geburts- und Todesjahre wäre in der Mehrzahl der Fälle gewiß leicht möglich und an sich kaum mehr als eine Selbstverständlichkeit gewesen. Die Fülle gleichlautender Vornamen verursacht besonders für die ältere Zeit dem Benützer unnötige Sucharbeit und mitunter Zweifelsfälle: beides wäre durch ein zureichendes Register vermieden oder doch vermindert worden. Das beigegebene Register hat wenig Wert, denn ■HW Hlpenkurhof Park-Hotel: Modern / Behaglich / Bequem / Kaffee / Restaurant / Bierklause / 5-Uhr-Tee / Tanzabende Fernruf 99 und 109