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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-06-15 · 12 (15.6.1930) · p. Seite 185

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
12 (15.6.1930)
Article
Inhalt
Date
1930-06-15
Page
Seite 185 (sequence 1)
Language
German
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\r a s Nachrichtenblattöer Israelitischen Kultusgemeinöen in München/Augsburg/Hamberg unü öes ÄerbanöeS Hagerischer Israelitischer Gemeinden erscheint am T. unö 15. jeden Monats. — Verlag: V. Heller/ München/ Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Reichsmark 4-So für öos plinganserstraße 64/ Zernruf 75664 unö 75665/ Postscheck München 5967• Aahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Zelle 40 Reichspfenaig Bchristleitung: Sr. Luöwig Zeuchlwanger, München/ Grillparzerstraste 38 Zamittemmzelgen, Stellengesuche unü ähnliche Angebote 15 Relchspfenul» VI. Jahrgang München, 75. Zum 1930 Nr.JL Inhalt: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Tagung 1930 — Konflikt der Kulturstile — „ Die Herrschaft der Minderwertigen" — Über die jüdische Familie — Ein Münchner Frauenbuch — Mischehen und Ehescheidungen — Das Liebermann-Buch — „Ein neuer Begriff von Religion" — Aus der Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden —■ Von den Hochschulen — Vereine — Bücherschau — Lehrerzeitung — Amtlicher Anzeiger — Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Einladung zur Versammlung des Rats und der Tagung 1930 — Perfonalia Verband ßayerifd)er Israelitischer Gemeinöen Tagung 1930 Am 29. und 30. Juni werden die Verbandskörperschaften im Alten Rathaussaale in München zusammentreten, um den Haushaltplan zu beraten und zu wichtigen Vorlagen Stellung zu nehmen. Zehn Jahre ernster Arbeit liegen hinter uns. Der Verband hat in dieser Zeit nicht nur die Kräfte des bayerischen Judentums zusammengefaßt und zur Abwendung der Not im Lande, wo sie sich fand, nutzbar gemacht, er hat darüber hinaus auf kulturellem und sozialem Gebiete richtunggebende Arbeit geleistet. Als sichtbaren Ausdruck dieses Kulturwillens veranstaltet der Verband im Verein mit der Israelitischen Kultusgemeinde München während der Tagung eine Ausstellung jüdischen Kunstgutes, die dartun soll, daß der Verband neben der Sorge für Gegenwart und Zukunft sich auch die Pflege der Erforschung der Vergangenheit zur Aufgabe gesetzt hat. Die Zeugnisse künftlerisch und kulturell bedeutungsvollen Schaffens weisen die innige Verbundenheit der bayerischen Juden mit ihrem Vaterlande auf und geben die tröstliche Gewißheit, daß über die Wirrnisse der Zeit hinweg der deutsche Jude in der deutschen Heimat bodenständig ist und bleiben wird. Sie mahnen aber auch zur Treue zu dem angestammten Glauben und zu hingebungsvoller Arbeit für das Gedeihen des Judentums. Dieser Arbeit will auch die diesjährige Tagung gerecht werden. Steht sie auch unter dem wirtschaftlichen Druck dieser für uns so schweren Zeit und werden demzufolge auch die Verhandlungen im Geiste äußerster Sparsamkeit geführt werden müssen, so wird sie doch mit Erfolg versuchen auf dem bisher beschrittenen Wege fortzuschreiten. Wohl wird der Verband infolge der stark geminderten Steuerkraft der jüdischen Bevölkerung in Bayern seine Zuschüsse für die leistungsschwachen Gemeinden einschränken müssen und bei seinen Bewilligungen für kulturelle und soziale Aufgaben mehr als bisher zurückhalten. Dennoch wird er durch den Opferwillen der bayerischen Iudenheit in der Lage sein, die Gemeinden zu erhalten und die Einrichtungen im Lande und im Reich tatkräftig zu fördern. Ein Teil der Beratungen wird im Anschluß an den Etat die Mittel und Wege suchen, um dieser Zeit wirtschaftlicher Not Rechnung zu tragen. Es ist in diesem Zusammenhänge besonders hervorzuheben, daß es trotz der engen wirtschaftlichen Lage möglich geworden ist, das Landesheim des Verbandes für alte, sieche Personen beiderlei Geschlechts in Würzburg unter Dach zu bringen und überdies die Mittel bereit zu stellen, um den feit Jahrzehnten notwendigen, von der Staatsregierung verlangten und bei der bevorstehenden Umgestaltung der Lehrerbildung nicht zu entbehrenden Neubau der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg in diesem Jahre zu verwirklichen. Den wesentlichsten Raum in den Verhandlungen wird aber die Vorlage einnehmen, die auf die Schaffung einer Rabbinatsbezirksordnung abzielt. Der Verband will mit dieser Vorlage sein gesetzgeberisches Werk vorläufig zum Abschluß bringen. Die Rabbinatsbezirksordnung, wie sie der Tagung vorliegt, bezweckt, in die verworrenen, seit mehr als 100 Jahren eine Regelung verlangenden Verhältnisse der Rabbinatsbezirke Ordnung zu bringen und hierbei die Selbstverwaltung der Bezirke zu sichern. . In sorgfältiger Wahrung der ihm anvertrauten Interessen wird der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden auch diese schwere Zeiten bestehen und das alte jüdische Erbe ungeschmälert in die Zukunft tragen.

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