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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-06-01 · 11 (1.6.1930) · p. Seite 159

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
11 (1.6.1930)
Article
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums [Rezension]
Date
1930-06-01
Page
Seite 159 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 179 der Angriffe und Versuchungen der neuen Lehre zu erklären sind. Unter den zahlreichen Besprechungen, welche dies Heft enthält, wenden sich insbesondere diejenigen zur Statistik der Juden an einen weiteren Leserkreis. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von RM. 10.— an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgezählt sind. Weinberg Max, Ewige Weisheit. Spruchpoesie des Talmud und der rabbinifchen Literatur nebst Fabeln, Parabeln und Sagen. 5. Auflage. Berlin, Otto Hendel. Viele haben Freude an feingeschliffenen Sprüchen und lassen sich in einem gut geprägten Aphorismus gern den Extrakt von lebensbetrachtender Erfahrung darbieten. Wahrscheinlich denken aber nur wenige daran, daß die erste Aphorismen-Sammlung der Welt eigentlich in der Bibel steht, in den Sprüchen Salomonis. Die Spruchweisheit, dieser so bezeichnende Bestandteil der biblischen Literatur, ist hier zu einer literarischen Gattung geworden, die an vielen Stellen außerordentlich modern anmutet, modern nicht nur dem Inhalt nach, weil ja Menschen und menschliche Verhältnisse im Grunde sich gleich bleiben, sondern auch, weil die Form der biblischen Poesie, der Parallelismus, unserer Neigung, Antithesen zu bilden, entgegenkommt. Dabei verfallen diese Sprüche nie ins Geistreicheln, wie manche moderne Aphorismen, die nur deswegen lichtvoll erscheinen, weil sie blenden. In der biblischen Spruchweisheit überwiegt niemals die Form, sondern spricht abgeklärte Lebenserfahrung. Sie sind — und nicht umsonst gehören sie zur sogenannten „Chochmah-Literatur" — weise, in dem schlichtesten Sinne des Wortes, und scheinen manchmal geradezu einfältig. Aber ist es nicht das Kennzeichen der Wahrheit, daß sie, wie Nietzsche sagt, „das Höchste an Geist mit der Miene der Einfalt zu sagen pflegt"? Ähnliches gilt auch von den Sprüchen aus Talmud und Midrasch. Hier ist die Kürze und Knappheit der Sprache meist besonders weit geführt; entsprechend der Knappheit und Prägnanz der Talmudischen Ausdrucksweise überhaupt. Nun ist die biblische Spruchweisheit jedermann in der Bibel leicht zugänglich. In den Sprüchen Salomos haben wir eine vollständige Sammlung und aus anderen Büchern der Hl. Schrift kann man unschwer eine große Reihe excerpieren, auch die Sprüche des Jesus Sirach in den Apokryphen seien hier nicht vergessen. Zur talmudischen Spruchweisheit erhält man schwerer Zutritt. Man kennt meist nur die in den Gebetbüchern abgedruckten „Sprüche der Väter" und — ohne seine Herkunft zu ahnen — manches einzelne feine Wort aus den Evangelien, das sich wörtlich oder sehr ähnlich im Talmud findet. So ist es denn als besonderes Verdienst zu bezeichnen, daß der vor kurzem verstorbene Max Weinberg in einer Sammlung „Ewige Weisheit" eine schöne Auswahl talmudischer Sprüche zusammengestellt hat, die bereits in 5. Auflage vorliegt. Einige hundert solcher Sprüche geben ein reiches Bild uralten Volksgutes. Nach Motiven geordnet bilden sie eine Art Abriß talmudischer Ethik und Lebensweisheit. Die talmudische Prosa ist in der Übersetzung durchwegs in poetische Form umgegossen, zum Teil in meisterhafter Sprachbeherrschung, die vielfach, auch im Inhalt, an Mirza Schaffy erinnert. An manchen Stellen kann man sich allerdings des Gedankens nicht erwehren, daß nicht die poetische Form die Alleinherrschaft hätte behaupten sollen, und daß eine kernig wirkende Prosa dem Ernst der Gedanken angemessener gewesen wäre. Daß den Sprüchen eine Anzahl sinnverwandter Parabeln und Legenden, gleichfalls in poetischer Übertragung, beigegeben ist, werden die Leser, deren wir dem Büchlein recht viele wünschen, als willkommene Bereicherung betrachten. L. Baerwald. SefcttMsnachrichlen Im Anzeigenteil der heutigen Ausgabe unseres Blattes findet sich ein Hinweis auf die 8Obigen Gold-hypokhekenpfandbriefe der Bayerischen Handelsbank-Dodenkredilanstalt München. Sie sind bekanntlich zur Anlegung von Mündel- und Stiftungsgeld sowie zum Lombarverkehr der Reichsbank zugelassen, sind langjährig unkündbar und unverlosbar und bieten eine durchaus sichere, wertbeständige Kapitalsanlage, gewährleisten auch eine wertbeständige, auf lange hinaus festgelegte hohe Verzinsung. Die Goldpfandbriefe der Bayerischen Handelsbank-Bodenkreditanstalt können bei allen Bankstellen zum jeweiligen Börsenkurse bezogen werden. 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