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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-06-01 · 11 (1.6.1930) · p. Seite 158

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
11 (1.6.1930)
Article
Paula Ollendorff 70 Jahre
Date
1930-06-01
Page
Seite 158 (sequence 1)
Language
German
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178 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 Aus dem Reiche Paula Ollendorff 70 Jahre. Am Sonntag, dem 18. Mai 1930, vollendete Frau Paula Ollendorff in Breslau, die auch in München und Bayern hochgeschätzte Führerin der jüdischen Frauenbewegung und der jüdischen sozialen Fürsorge, ihr 70. Lebensjahr. Sie wurde in Kostenblut (Schlesien) geboren und wirkte in ihrer Jugend als Lehrerin an höheren Lehranstalten in Breslau, Budapest und London. 1887 verheiratete sie sich mit Justizrat Isidor Ollendorff, der 1911 verstarb. Frau Ollendorff gehört zu den Gründern des Breslauer Israelitischen Mädchenheims, des Kleinkinderheims, des Jüdischen Frauenbundes in Breslau und des Flinsberger Kinderlandheims. Nach Einführung des Frauenwahlrechts in der Breslauer Gemeinde wurde sie auf der Liste des liberalen Judentums in die Repräsentanz gewählt urrd kurze Zeit darauf in den Vorstand der Gemeinde berufen, dem sie noch heute als einziges weibliches Mitglied angehört. Seit der Begründung des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland gehört sie dessen Hauptvorstand an. An der Begründung des Weltverbandes jüdischer Frauen hat sie lebhaften Anteil genommen. Sie steht an der Spitze des Wohlfahrtsamtes der Breslauer Jüdischen Gemeinde. Im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden ist sie ein führendes Mitglied des Wohlfahrtsausschusses. Sie ist auch in der allgemeinen interkonfessionellen Arbeit führend tätig, so in der Volkshochschule, in der Gefährdetenfürsorge, in der Gefangenenfürsorge, in der Fürsorge für die Insassen der Heil- und Pflegeanstalten, in kommunalen und politischen Angelegenheiten innerhalb der demokratischen Partei, die sie ein Jahrzehnt hindurch als Stadtverordnete vertrat. Vereine DemJfraelikifchen Frauenverein von 1830 sind zu feinem 100jährigen Jubiläum zahlreiche Beweise von Sympathie entgegengebracht worden. Wir danken allen Körperschaften, voran der Israelitischen Kultusgemeinde, sowie allen Einzelpersonen, die den Verein durch Glückwünsche erfreut und in seiner Arbeit durch Spenden unterstützt haben, auch auf diesem Wege, aufs Herzlichste und bitten, ihm dieses Wohlwollen weiterhin erhalten zu wollen. Von allen jüdischen Frauen Münchens, die dem Verein noch nicht angehören, hoffen wir, daß sie sich ihm anschließen und seine Bestrebungen fördern. Veitrittsmeldungen nehmen die Unterzeichneten Vorstandsmitglieder entgegen. Jenny Baerwald, 1. Vorsitzende, Gutta Oppenheimer, 2. Vorsitzende, Cornelie Fraenkel, Schriftführerin, Rosa Marx, Kassierin. Bertha Block, Bella Finkelscherer, Lina Frei, Emma Heilbronner, Rosa Hofmann, Lucie Mayer, Emma Selinger. Jüdischer Jugendverein München Liebe Freunde! Nur wenige Wochen trennen uns noch von dem großen Ereignis unserer Delegiertentagung. In der Stille, von Euch unbemerkt, haben sich die Vorbereitungsarbeiten vollzogen, die einen erfolgreichen, glaften Ablauf der Tagungsarbeit gewährleisten sollen. Unermüdlich haben die Mitglieder des engeren Ausschusses an diesem mühevollen Werke geschafft. Und nun ergeht der Ruf an Euch! Was Ihr sollt?-Daß Ihr selber Interesse an der Tagung und den auf ihr zu behandelnden Fragen habt, ist selbstverständlich, wie es auch eine selbstverständliche Pflicht ist, daß Ihr an allen Veranstaltungen teilnehmen werdet. Aber darüber hinaus müßt Ihr irr Euerem Freundes- und Bekanntenkreise tätige Propaganda treiben. Nach dem Grundsätze: „Stets daran denken, oft davon sprechen!" müßt Ihr es allen einhämmern: „Die Delegiertentagung 1930 ist das große Jüdische Erlebnis Münchens!" Dafür bürgen uns die Namen der Redner, voran Martin Buber, das erwarten wir von allen sonstigen Darbietungen, vor allem von Stefan Zweig und seinem „Jeremias". Und noch eines: Unsere Aufrufe betr. „Ouartierbeschaffung" sind fast erfolglos geblieben. Nun ist es an Euch, uns zu helfen. Schafft uns in Euerem Freundeskreise die Unterkunftsmöglichkeiten, deren wir bedürfen. Geht mit einer Liste von Haus zu Haus! Macht es den Leuten leicht, sie sagen nicht nein! Tut Eure Pflicht! Die Hoffnungen unserer Führer sind auf uns gerichtet! Sorgen wir alle dafür, daß sie nicht enttäuscht werden! Der Vorstand des Jüdischen Jugendvereins: gez. Dr. Siegfried Kessler, 1. Vorsitzender. Jüdischer Turn- und Sportverein Bar-Kochba Der Staffellauf Grünwald-München am 1. Juni Am Sonntag, vormittag 10,20 Uhr findet der große Staffellauf Grünwald-München statt, an dem sich der Münchener Bar-Kochba mit 2 Herren-, 1 Jugend- und 1 Schülermannschaft beteiligt. Der Lauf findet auf der Strecke des Vorjahres, die eine erhöhte Werbewirkung sichert, statt und führt von Grünwald über Harlaching— Candidplatz—Wittelsbacherstraße—Widenmeyerstraße durch den englischen Garten—Prinzregentenstraße zum Friedensdenkmal. Den Abschluß des Staffellaufes bildet der große Propagandalauf, der durch die Prinzregentenstraße zum Friedensdenkmal führt. Der Bar-Kochba wird in seiner Klasse gegen 16 sehr gute Vereinsmannschaften des Gaues schwer zu kämpfen haben. Die Laufmannschaften des Bar-Kochba treffen sich Sonntag vormittag halb 9 Uhr im Lessingsaal, Herzog-Rudols-Straße, der von der Gemeinde in liebenswürdigerweise als Treffpunkt und Umkleideraum zur Verfügung gestellt wurde. Die Jungmannschaften werden dann von ihren Obleuten in die Jahnturnhalle, dem Treffpunkt der gesamten am Staffellauf teilnehmenden Münchener Jugend begleitet. Die Leitung des Bar-Kochba erwartet von ihren Aktiven, daß sie sich pünktlich im vorgeschriebenen Dreß im Lessingsaal einfinden. Die Sportkleidung besteht aus weißem, ärmellosen Trikot mit Mogen- Dovid auf der Brust, weißer Hose mit hellblauen Bändern umrandet. Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe München Am Mittwoch, dem 4. Juni 1930, findet der kameradschaftliche Abend in der Gasfftätte Schwarz, Schlosserstraße 2, statt. Jüdisches Jugendheim München: . Vorträge von Dr. Ernst Simon Vorübergehend weilt Herr Dr. Ernst Simon in Europa. Die jüdische Jugend Münchens hat ihn in herzlicher Freude über seine Anwesenheit um Vorträge gebeten. Der Einladung folgend wird Dr. Ernst Simon in öffentlichem Vortrage am Mittwoch, dem 4. Juni, abends 8 Uhr, über Franz Rosenzweig, und am Donnerstag, dem 5. Juni, abends 8 Uhr, über traditionelles Judentum und Erziehungsfragen sprechen. Beide Vorträge finden im Kunstgewerbesaal, Pfandhausstraße 7, statt. Zur Deckung der Unkosten werden von Jugendlichen 30 Rpf. für den Einzelvortrag, 50 Rpf. für beide Vorträge, und von den Erwachsenen 50 Rpf. für jeden Vortrag an der Abendkasse erhoben. lZücberschau Das Aprilheft der Monaksschrifk für Geschichte und Wissenschaft des Judentums wird eingeleitet durch eine Übersicht des Herrn Rabbiner Dr. Kober in Köln über Neuerscheinungen zur Geschichte der Juden in Deutschland. In knapper Form, aber mit sicherer Kennzeichnung läßt der bekannte Fachgelehrte zahlreiche Bücher vorüberziehen, von denen ein erheblicher Teil auch das Interesse des Laien beanspruchen darf. Sehr wertvoll sind die — gleichfalls durchaus gemeinverständlich gehaltenen — Ausführungen Aptowitzers zur Geschichte des Gebetbuchs. Er zeigt insbesondere, daß der Gegensatz zwischen Juden und Judenchristen schon unmittelbar nach dem Auftreten der neuen Lehre schärfer war, als man gemeinhin annimmt, und daß wichtige Anordnungen im Gottesdienst aus der Abwehr Htnü ' Park-Holei: Kurpension Bellmann: Modern / Behaglich / Bequem / Kaffee / Restaurant / Bierklause / 5-Uhr-Tee / Tanzabende Fernruf 99 und 109 Streng rituell unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu, München, bietet Ihnen bei mäßigen Preisen das Beste an Unterkunft und Verpflegung. Fernruf 316 105507

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