Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 11 (1.6.1930)
- Article
- Tagung des Rats und des Verfassungsausschusses
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 156 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 rischen Juden darstelle. Daß der Verband, der in enger Fühlung mit den gesetzestreuen Kreisen steht, ein Vorgehen von dieser Seite jemals unterbunden habe, muß entschieden zurückgewiesen werden. Im Gegenteil hat bei persönlichen Vorstellungen, die von der Leitung des Bundes gesetzestreuer Gemeinden bei den beteiligten Ministerien und führenden Abgeordneten erhoben wurden, auf ausdrücklichen Wunsch des Bundes ein Wertster des Verbandes mitgewirkt. Auch die Frage der religiösen Zulässigkeit der Betäubung vor dem Schächtschnitt wurde vom Verband stets nur im engsten Benehmen mit den Vertretern der gesetzestreuen Richtung behandelt. Rat und Rabbinerkonferenz bedauern lebhaft, daß in der für die bayerischen Juden so überaus ernsten Angelegenheit, die ein einheitliches Zusammenstehen aller jüdischen Kreise in besonderem Maße erfordert, der Versuch gemacht wird, Mißtrauen und Zwietracht in ihre Reihen zu tragen. Die weltlichen und religiösen Instanzen des bayerischen Judentums werden auch künftig in vertrauensvoller Zusammenarbeit für das Wohl unserer religiösen Gemeinschaft eintreten." Hof a. d. Saale. Aus dem Vereinsleben einer Kleingemeinde. Im abgelaufenen Winterhalbjahr herrschte in Hof reiches jüdisch-geistiges Leben. Wenn man auch in der Kleingemeinde fast mit Neid auf die vielen und abwechslungsreichen Veranstaltungen mancher Groß- und Mittelgemeinden blickt, so kann doch auch hier — wenn auch unter schwierigeren Verhältnissen und bei bescheideneren Ansprüchen — Interesse für jüdisches kulturelles Leben wachgerufen und jüdisches Wissen verbreitet werden. Auf diesem Gebiet harrt den Landesverbänden noch eine wichtige und dankbare Aufgabe der Bearbeitung. Die „Literarische Arbeitsgemeinschaft", welche vor Jahren innerhalb der Ortsgruppe des Zentralvereins gebildet wurde, ist zu einem „Jüdischen Literaturverein" ausgebaut worden. Das literarische Winterhalbjahr wurde eingeleitet mit einer „Moses-Mendelsohn- Feier". In dem herrlich geschmückten Saale des Theresiensteingebäudes sprach vor sehr zahlreichen Besuchern Lehrer Leopold Weil über: „Moses Mendelsohn und wir". Jeden Montag fanden Vortrags- und Diskussionsabende statt, die wie aus dem starken Besuch geschlossen werden darf — selbst aus der nahen Umgebung waren immer jüdische Gäste anwesend — interessant und bedeutsam waren. Lehrer Weil hatte die schwierige und mühevolle Aufgabe übernommen ein reiches Winterprogramm aufzustellen und durchzuführen. In einem zusammenhängenden Vortragszyklus sprach er über: „Vorgeschichte des israelitischen Volkes und seiner Religion." — „Kultur der Hebräer in der vorisraelitischen Zeit." — „Die historischen Berichte der Bibel im Lichte der neuen Ergebnisse der Wissenschaft." - Mit im Dienste der Abwehrarbeit standen die Abende, an welchen Weil über „Mischna und Talmud" — „Schulchan Arach" — „Der Gottesbegriff im Judentum" — „Der Fremde in der jüdischen Sittenlehre" sprach. Von heute lebenden Dichtern jüdischen Glaubens kamen durch den oben genannten: Stefan Zweig, Arnold Zweig und Jakob Wassermann zum Wort, während Herbert Vlauzwirn (Hof), über eine Neuerscheinung Robert Neumanns „Sündflut" in interessanter Weise zu berichten wußte. Ein Abend war der Kunst gewidmet. Walter Markus (Oberkotzau), sprach über „Die Kunst der Käthe Kollwitz". Am „Abend des Buches" sprach Lehrer Weil über „Das jüdische Buch". Mit dem Abend war eine Bücherausstellung verbunden. Dem Abend war als Vorbereitung ein Vortrag vorausgegangen: „Der Weg des jüdischen Lesers zum jüdischen Buch". Im Dienste der jüdischen Jugenderziehung und der Weckung des Interesses für den jüdischen Religionsunterricht stand der „Abend des Kindes" mit dem Vortrage Lehrer Weils über „Probleme des hebräischen Anfangsunterrichts". Seine Besonderheit erhielt dieser Abend durch Illustrationen und Vorführungen von Kindern der Volksschulen. Auch dem jüdischen Geschehen der Gegenwart wurde Rechnung getragen. Anschließend an einzelne Vorträge wurde über „Jüdische Gegenwartsprobleme" gesprochen und rege diskutiert. Auch innerhalb der Ortsgruppe des Zentralvereins fanden verschiedene Vorträge und aktuelle Besprechungen statt. Sinn, Ziel und Zweck aller dieser Vorträge und Veranstaltungen CAFE WINTERGARTEN Inhaber: Franz Schnabl Nachmittags Konzert. Äbends ununterbrochen Tanz 2 Kapellen. Mäßige Preise. 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