Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 11 (1.6.1930)
- Article
- Neuerwerbungen der Cosman-Werner-Bibliothek
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
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174 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nc. 11 2475 Jacob B.: Auge um Auge. Eine Untersuchung zum Alten und Neuen Testament. 2476 Jeremias Alfred: Das Alte Testament im Lichte des alten Orients. 2209 II Kahle Paul: Masoreten des Westens. II. Das palästinensische Pentateuchtargum. 2477 Klausner Jos.: Jesus von Nazarech. 891 (736) Seligmann Caesar: Das Buch der Weisheit des Jesus Sirach in seinem Verhältnis zu den salomonischen Sprüchen und seiner historischen Bedeutung. 2478 Ziegler Jos.: Die Liebe Gottes bei den Propheten. 2479 Kremer Jos.: Die Hirtenallegorie im Buche Zacharias auf ihre Messianität hin untersucht, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Exegese. 2480 Wooley C. Leonard: Vor 5000 Jahren. Ausgrabungen von Ur (Chaldäa). Geschichte und Leben der Sumerer. 891 (737) Die jüdische Idee und ihre Träger. Beiträge zur Frage des jüdischen Liberalismus und Nationalismus. 891 (738) Zehn Jahre Palästinaausbau. 891 (739) Lichtheim Rich.: Revision der zionistischen Politik. 891 (740) Magnes I. L.: Wie alle Völker. Aufsätze zur zionistischen Politik. 891 (741) Nedioi Judah: Tel-Awiw. 2481 Marcus Ernst: Palästina — ein werdender Staat? * 2482 Singer Mendel: Der Weg des jüdischen Arbeiters zum Sozialismus. 891 (742) Bernstein Ed.: Entwicklungsgang eines Sozialisten. Hebr. Guttmann Mich.: Mafteach Hatalmud. Bd. III. Abt. 2. Hebr. Kohut, Alex.: Aruch completum. Hebr. Halevy I.: Dorot harischonim. Bus der Gemeinde Augsburg Jüdisches Leben im Winterhalbjahr 1929/30 in Augsburg Wer es unternimmt, ein Fazit des jüdischen Lebens einer Gemeinde im Verlaufe eines Winterhalbjahres zu ziehen, müßte alle Ereignisse von jüdischem Belang in den Kreis seiner Betrachtungen rücken. Neben den öffentlichen Veranstaltungen hätte auch jüdische Lebensbetätigung in Familie, Schule, Wohlfahrtspflege, Kultur und dgl. zur Darstellung zu gelangen. Ein derartig erschöpfender Bericht, der alle Verzweigungen des Gemeindelebens umfassen müßte, wird jedoch im vorliegenden Falle nicht gegeben. Vielmehr wird lediglich auf ein wichtiges, Teilgebiet des Gemeindelebens, auf die öffentliche k u ffi u r e 1I e Tätigkeit von Vereinigungen und der Gemeinde selbst verwiesen, weil der Bereich dieser Arbeit zu einer zentralen Angelegenheit heute geworden ist, die in gewissem Sinne einen Gradmesser für die schöpferischen Kräfte des jüdischen Gemeindelebens überhaupt darstellt. Von den jüdischen Vereinigungen Augsburgs hat besonders der Jüdische Jugendverein eine starke Wirkung auf das öffentliche jüdisch-kulturelle Leben ausgeübt. Anläßlich des Mendelsohn Jubiläums im vergangenen Herbst veranstaltete dieser Verein eine repräsentative öffentliche Feier, in deren Mittelpunkt die Festrede des bekannten Mendelsohnforschers Dr. Fritz Bamb e r g e r (Berlin) stand. Eine weitere bedeutsame Veranstaltung des Jugendvereins, die in der Tat als ein Ereignis in diesem Winterhalbjahr gewertet werden muß, war der in Gemeinschaft mit dem Liberalen- und Frauen-Verein durchgeführte Vortrag Professor Dr. Strichs (früher in München, nunmehr an der Universität Bern) über „Jüdische Dichter in der deutschen Literatur". In rethorisch und inhaltlich überragenden Darlegungen umriß Professor Strich die Fragen der spezifischen Sendung des jüdischen Dichters im deutschen Kulturkreis und warf damit überhaupt das Problem der schöpferischen Juden in Europa auf. An diese beiden großangelegten Veranstaltungen des Jüdischen Jugendvereins Augsburgs reihten sich eine Reihe teils öffentlicher, teils interner Vortragsabende: Dr. M ü h l h ä u f e r behandelte dis Frage der religiösen Bräuche und Sitten, Dr. Frän kl führte in die jüdische Religionsphilosophie ein. Historischen Fragen waren die Vorträge Dr. Waitzfelders über „Wirtschaftsantisemitismus in Augsburg des 18. Jahrhunderts" und Sanitätsrat Dr. R a f f s „Die Juden in der Medizin" gewidmet. Gerade letzterer Vortrag, zu dem auch der Liberale Verein eingeladen war, gab eine ausgezeichnete Zusammenfassung des jüdischen Anteils am medizinischen Kulturwerk der Welt. In einer über eine Reihe von Abenden sich erstreckenden Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Geschichte seit 1789" wurde der Versuch einer Vertiefung des historischen Wissens bei den jugendlichen Mitgliedern gemacht. Der sozialen Frage war ein interessanter Vortrag Dr. Feuchtw a n g e r s (München) „Kann man von einem Ende des Kapitalismus sprechen?" gewidmet. Der jungjüdische Dichter Manfred S tur - mann las im Jugendverein aus eigenen Werken; am gleichen Abend, der der jüdischen Kunst gewidmet war, sang Oberkantor Heymann mit gewohnter Meisterschaft ostjüdische Lieder. Die Kultusgemeinde selbst trat erst in der zweiten Hälfte des Winterhalbjahres mit eigenen Veranstaltungen hervor: Martin B u b e r sprach über das sehr zeitgemäße Thema: „Der Chassidismus und das religiöse Leben der Gegenwart." Ebenfalls in der Synagoge fand der Vortrag von Dr. Ernst Simon, Jerusalem, der schon wiederholt mit großer Resonanz in Veranstaltungen der Gemeinde gesprochen hatte, über „Der Anteil des Judentums an der Weltkultur" statt. Den überragenden Einfluß des Alten Testaments auf die abendländische Kultur verstand Dr. Simon in ungemein fesselnder Weise darzustellen. An sonstigen bemerkenswerten Veranstaltungen wären etwa noch ein Synagogenkonzert des Jüdischen Frauenvereins unter maßgebender Mitwirkung des Jüdischen Gesangvereins München und einer Reihe von Solisten, ein Vortrag von Dr. Holländer im Zentralverein über die gegenwärtige geistesgeschichtliche Situation politischer Institutionen und Ideen und ihre Beziehung zur jüdischen Situation und ein Lichtbildervortrag von Dr. Traub (Berlin) über „Neue Formen des jüdischen Wirtschaftslebens" zu nennen. Die Tätigkeit des Vereins „E i n t r a ch t" ließ, wie bisher, bei einer Reihe wohlgelungener festlicher Veranstaltungen und ganz besonders bei der Chanukkahfeier, die jüdische Note auch im geselligen Leben nicht vermissen. Der hier nur andeutungsweise gegebene Bericht über die Folge der wichtigsten Veranstaltungen im Winterhalbjahr 1929/30 läßt eine erfreuliche Aktivität auf dem Gebiete jüdischer Kulturarbeit in Augsburg erkennen. Ein wesentlicher Erfolg für diese Arbeit in der Zukunft wird nur durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der beteiligten Kreise und eine zweckoolle Koordination der einzelnen Veranstaltungen garantiert. Vielleicht ist in diesem Zusammenhang die Zuversicht nicht unbegründet, daß aus solchen Voraussetzungen dereinst ein Freies Jüdisches Lehr Haus in Augsburg erstehen wird. Dr. Ludwig Mayer, Augsburg. Bus der Gemeinde vamberg Zu einer geistig sehr ergiebigen Woche gestaltete sich die erste Woche des Mai. In der Zionistischen Ortsgruppe sprach Rechtsanwalt Dr. Weichselbaum über den Fall Dreyfus. Er betrachtete den berühmten Prozeß nicht als einen tragischen Einzelfall, sondern als ein typisches Judenschicksal. An den Rechtsfällen Fechenbach und Steiger zeigte er vergleichend, wie zwangsläufig aus der feindseligen Betrachtung jüdischer Wesenheit das Fehlurteil hervorgehe. Unbewußt wuchert die Abneigung gegen jüdische Art. Ein Heilmittel gegen derartige Rechtsbeugungen sieht Redner darin, daß die unbewußte Abneigung deutlich ins Bewußtsein gehoben werde und die geheimen Wurzeln in allen ihren Verästelungen bloßgelegt und den zum Rechtsspruch Befugten vorgehalten werden. Herr Dr. Nahum Goldmann sprach in fesselnder Weise über die Lage des Weltjudentums. In allen Ländern erlebe das Judentum eine Krisenstimmung. Der massive Block der östlichen Judenheit ist durch die politische Grenzziehung zerspalten und wirtschaftlich bedroht. Die kulturelle Bedeutung ostjüdischen Lebens beruhte wesentlich aus der territorialen Einheit. Von dem amerikanischen Judentum ist keine kräftige Anregung für die Belebung jüdischer Eigenwerte zu erwarten, es ist untraditionell und unliterarisch und verwirft sonach die fundamentalen Erhaltungsmittel der jüdischen Kultur, Buch und Überlieferung. Am wenigsten unter den Nachwirkungen des Krieges hat der mittel- und westeuropäische Judenblock gelitten. Aber auch hier ist die Lage im hohen Grade pessimistisch zu beurteilen. Einen Ausweg sieht der Redner in der Verwirklichung des Palästinagedankens. Auf beachtenswerter Höhe standen die Ausführungen von Dr. Ernst Simon, die gleichsam das krönende Schlußstück der Trilogie bildeten. Er sprach über die Philosophie der Bibel. In einer selten belebten und plastischen Sprache hob er die Beziehungen der Bibel