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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-06-01 · 11 (1.6.1930) · p. Seite 153

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
11 (1.6.1930)
Article
Der 100. Geburtstag des israelitischen Frauenvereins von 1830
Date
1930-06-01
Page
Seite 153 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 173 Recha Stark Worte der Anerkennung und der Ermunterung und überreichte eine von den Vereinen gestiftete Adresse. Justizrat Oppenheimer, der mit seiner Gattin seit 1899 den Verein unermüdlich betreute, sprach über die Geschichte und Tätigkeit des Vereins und stellte erfreulicherweise seine weitere Mitarbeit zur Verfügung. Den Mittelpunkt der Jubiläumsfeier bildete der Festvortrag von Herrn Rabbiner Dr. Leo Baerwald: Die Frau in der jüdischen Spruchdichiung — die Frau von Heute. Der Redner zeigte in formvollendeter Rede Wesen und Walten der jüdischen Frau im Spiegel des jüdischen Schrifttums und schloß daran eine tiefgehende soziologische und religiöse Betrachtung über die neuen Aufgaben, denen sich die moderne Frau heute gegenüber sieht. Der Redner begründet, warum er sich nicht die großen Gestalten der biblischen Frauen, sondern das Weib in der „Spruchweisheit", als Thema gewählt habe. Hier sei gegenüber den überlebensgroßen biblischen Gestalten .Geist von unserem Geist. Chawo-Eva, die Mutter alles lebendigen, die Lebensspendende und die Gefährtin des Mannes bleibt das Symbol der jüdischen Frau auch im späteren Schrifttum. Mann nnd Weib vereint, „nicht der Mann ohne das Weib und nicht das Weib ohne den Mann, aber auch beide nicht ohne Gottes Herrlichkeit". Das ist die immer wiederkehrende Auffassung des jüdischen Schrifttums vom Wesen und von dem Verhältnis der Geschlechter. Die Persönlichkeit der Frau kommt weit über ihre natürliche Bestimmung hinaus in der Spruchweisheit, in Talmud und Midrasch zu hohen Ehren. Das ist auch die tiefere Bedeutung des vielgebrauchten Wortes: esches chail: das kraftvolle Weib, das Weib, das sich seines Wertes bewußt ist und seine Pflicht tut, kein geknechtetes, dem Mann unterworfenes, verschüchtertes Wesen. Aus zahlreichen Bibel-, Talmud- und Midraschstellen setzt der Redner ein plastisches Bild der jüdischen Frau zusammen, des „verständigen Weibes", dem man Vertrauen schenkt und das eine treue Gehilfin ist. Die Frau ist im Judentum der gute Geist des Hauses, nach dem Spruch des Talmuds: „Mein Weib ist mein Haus." Das seelische Eigenleben der Frau kommt dabei nicht zu kurz. Die Realistik der Spruchweisheit geht auch an den Schattenseiten des spezifischen Frauencharakters nicht vorüber: „Das Weib ist ein Soldat, sie hat ihre Waffen bei sich." Auch in der Neuzeit ist die Frau wie in alten Zeiten immer noch die Gattin, die Mutter, die Hausfrau. Die tiefe Erschütterung unserer Gesellschaftsordnung hat diese Wertung nicht beseitigt. Der Halt der Familie ist immer noch die Frau. Aber neu sind die eisernen Notwendigkeiten der Erwerbswirtschaft, neu ist die Erscheinung der erwerbstätigen Frau außer dem Hause, der außerordentliche Umfang ihrer Tätigkeit und die große Zahl ihrer Vertreterinnen. Neu ist die Gleichberechtigung der Geschlechter. Der Kulturkampf zwischen Mann und Frau ist in unseren Tagen zu Ende gegangen. Die Emanzipation ist zur Tatsache geworden. Damit ist auch eine. Lösung der Frau von den alten Bindungen vielfach gegeben. Hier erwachsen die neuen Aufgaben. Gegenüber der Üppigkeit einer Zeit hat namentlich die jüdische Frau die Menschheit zurückzuführen zur Einfachheit und Natürlichkeit; gegenüber der drohenden Typisierung und Amerikanisierung hat sie ihre individuellen Kräfte, ihre Persönlichkeit einzusetzen, gegen eine angebliche Kultur, die in Wirklichkeit eine neue Primitivität, ein neues Heidentum - ist. In der sozialen Arbeit zeigen sich besonders heute die besten Züge der Frau und des weiblichen Charakters. Hier ist von alters her das Feld der jüdischen Frau und hier wölbt sich auch die Brücke zwischen der alten und modernen Zeit. Die jüdische Frau schreitet in dieser neuen Vereinigung der alten patriarchalischen Zeit mit dem modernen Zeitgeist voran. Den Schluß des Abends bildete die erlesene Gesangskunst von Ella Flesch und Adolf Fischer von der Staatsoper München, die in gewohnter Meisterschaft das Schlußduett aus „Aida" vortrugen. Am Flügel begleitete Dr. Bettfack, der auch den Abend mit dem Beethovenfchen Andante Favori in k-vur einleitete, in ausgezeichneter und verständnisvoller Weise. Der Abend gehörte zu den gelungensten und würdigsten Veranstaltungen im Kreise der jüdischen Gemeinde. F. Rosa Ullmann. Nach jahrzehntelanger, mühevoller Dienstzeit scheidet Fräulein Ullmann aus Gesundheitsrücksichten aus dem „K r a n k e nhe i m" aus, dem sie in rastloser Aufopferung für die Kranken und Schwestern ihre Kräfte widmete. Die herzlichsten Wünsche dankbarer Patienten und der Schwestern begleiten Fräulein Ullmann in den Ruhestand. E. Brader. An die Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde München und Augsburg Wir verweisen nochmals auf das in dieser Nummer veröffentlichte Programm unserer Pfingsttagung mit dem Bemerken, daß alle Veranstaltungen öffentlich sind. Ausführliche Programme und Einlaßkarten zur Aufführung des „Jeremias" sind im Tagungsbüro, Tonhalle, (Telephon 23 7 50) erhältlich. Das vorbereitende Ortskomitee i.A.: Dr. Siegfried Keßler. hebräische Sprachkurse München Das Sommersemester 1930 begann am 1. Mai. In sämtlichen bestehenden Kursen werden neue Schüler ausgenommen. Zu Beginn dieses Semesters entstanden zwei neue Kurse: ein Anfängerkurs und ein Grammatikkurs. Der Grammatikkurs ist in drei Stufen eingeteilt: 1. Stufe: Grundlagen der hebräischen Grammatik; 2. Stufe: Wiederholung und ausführliche Behandlung des Stoffes; 3. Stufe: historische Grammatik. Besondere Aufmerksamkeit wird in diesen Kursen auf die praktischen Übungen gelegt. In diesem Semester findet ein Kurs der 1. Stufe und zwar Donnerstag Abend von 8.15 bis 9.15 Uhr statt. Die Eltern werden besonders auf die 3 Elementarkurse für Kinder, die am Dienstag und Mittwoch nachmittag stattfinden, aufmerksam gemacht. Der Stundenplan für das Sommersemester ist folgender: Montag 7—8 Uhr Kurs I, 8—10 Uhr Anfängerkurs. Dienstag 7—8 Uhr morgens Kurs II, 5—6.30 Ühr Kinderkurs III, 7.30—9 Uhr Kurs V. Mittwoch 4.15—5.15 Uhr Kinderkurs I, 5.15—6.15 Uhr Kinderkurs II, 7—8.15 Uhr Kurs III/IV, 8.30—9.30 Uhr Jesaia-Vorlesung. Donnerstag 2—3 Uhr Kurs I, 7.15—8.15 Uhr Kurs II, 8.15 bis 9.15 Uhr Grammatikkurs. Alle Stunden, die nicht ausdrücklich mit „morgens" bezeichnet sind, finden abends statt. Leiter der Kurse: A. Percikowitsch. Gesuche um Ermäßigung des Schulgeldes find an das Komitee der Hebräischen Sprachkurse, z. H. des Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstraße 6, bis spätestens 15. Juni zu richten. Interessenten werden gebeten, sich möglichst bald im Unterrichtslokal, Herzog- Rudolf-Straße 1, zwischen 3 und 6 Uhr (Telefon 2 97 4 49) anzumelden. Neuerwerbungen der Cosman-Werner-Bibliothek GeöffnetMontag, Dienstag, Donnerstag 5—7 Uhr, Freitag 2—4 Uhr, Sonntag 10—12 Ühr. 2126 Höxter Jul.: Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. 2460 Asch Schalom: Warschau. 2461 Benoit Pierre: Der Jakobsbrunnen. 2462 Feuchtwanger Lion: Die häßliche Herzogin Margarets Maultasch. 2463 Scholz Wilh. von: Der Weg nach Jlok. 2464 Zweig Arn.: Die Novellen um Claudia. 2485 Kohn P. I.: Rabbinischer Humor aus alter und neuer Zeit. 2465 Dreyfus Alfr.: Fünf Jahre meines Lebens. 2466 Steinthal Walter: Dreyfus. 2467 Weil Bruno: Der Prozeß des Hauptmanns Dreyfus. 2468 Bloch Chajim: Priester der Liebe. Die Welt der Chassidim. 2469 Schubert-Christaller Else: Jüdische Legenden. 2470 Wagner-Tauber Lina: Jüdische Märchen und Sagen. 2471 Cohn-Wiener Ernst: Die jüdische Kunst, ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2472 Ostwald Hans: Das Liebermann-Buch. 891 (674 II) Grotte Alfred: „Synagogen"-Kirchen in Schlesien. 2473 Festschrift zum 75jährigen Bestehen des jüdisch-theologischen I—II Seminars Fraenkelscher Stiftung. 1216 Heinemann I.: Philons griechische und indische Bildung. 2206 III Mugler Edm.: Gottesdienst und Menschenadel. 2474 Dalman Gust.: Jerusalem und sein Gelände. 1791 X Buber Mart, und Rosenzweig Franz: Das Buch Jeschajahu. 891 (734) Feuchtwanger Ludw.: Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament. 891 (735) Fonck Leop.: Kritik und Tradition im Alten Testament.

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