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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-04-15 · 8 (15.4.1930) · p. Seite 111

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
8 (15.4.1930)
Article
Festabend der jüdischen Jugendverbände Münchens
Date
1930-04-15
Page
Seite 111 (sequence 2)
Language
German
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126 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 8 -r Leo Sternf X München-Ostbahnhof 30 Jahre am Platze Kohlen Koks Briketts Holz für Hausbrand, Gewerbe und Industrie Beste Kohlscheider und Rührer Anthrazite Fernsprecher 43333—36 Leider mar der Hauptzweck des Abends, nämlich die Erwachsenen mit der Idee des Jugendheimes vertraut zu machen und Mittel von ihnen zu dessen Aufbau zu bekommen, dadurch beeinträchtigt, daß nur verhältnismäßig wenige dem Ruf der Jugend gefolgt waren. Der Abend wurde eingeleitet durch „Eine kleine Serenade" für Streichorchester (op. 55) von Richard Trunk, die durch das Jüdische Kammerorchester unter Leitung von Heinrich Lamm vorgeträgen und von den Zuhörern mit Beifall ausgenommen wurde. Einer kurzen Ansprache von Franz Prager folgten zwei Filme: ein Turn- und Sportfilm der tschechoslowakischen Makkabivereine und ein umfangreicher Bundestagsfilm der „Kameraden". Dieser technisch mit großem Geschick aufgenommene und gut zusammengestellte Film zeigte in reizvollen und typischen Bildern das Treiben auf einem Bundestag der „Kameraden", dazwischen einige sehr schöne Landschaftaufnahmen. Sodann brachten die Mädchen der Wolfratshausen er Jüdischen Frauenschule ein Spiel zur Aufführung, das sie kurz vorher für eine Besichtigung ihrer Anstalt verfaßt und einstudiert hatten und das in grotesk-stilisierten Bildern ihre Arbeit zeigt. Manfred Sturmann las alsdann sieben unveröffentlichte Sonette, die die Schöpfungsgeschichte behandeln. Den Schluß machte die Uraufführung eines "Vorspieles zu Jaakobs Traum" von Moritz Goldberg, unter Leitung des Komponisten vom Jüdischen Kammerorchester gespielt, ein programmatisches Stück. Ein abschließendes Urteil über das Werk ist nur dem zünftigen und erfahrenen Musikkritiker möglich, der die zeitgenössische Kompositionstechnik so genau kennt, daß er sagen kann, inwieweit das Werk Goldbergs neue Wege weist. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß der Abend eine würdige Kundgebung war, die durchaus das Interesse weiterer Kreise verdient hätte. Es war nicht Aufgabe des Abends, die verschiedenen Vereinstätigkeiten nebeneinander darzustellen. Die einzige „überbündische" Leistung konnte vorerst nur das Kammerorchester bieten. Die Arbeit der Jugend leidet unter großen äußeren Schwierigkeiten. Das Jugendheim, das zu unterstützen dringende Aufgabe aller derer ist, die dazu in der Lage find, wird einen Teil dieser Schwierigbeseitigen. Kauft Bausteine für das Münchener jüdische Jugendheim! H. L. vückerschau L. Levy'Bruhl, Die Seele der Primitiven. Wien 1930, bei Wilhelm Braumüller. Preis broschiert 12 RM., gebunden 14 RM. Der aus der Schule des Begründers des Positivismus, Jules Comte, hervorgegangene und in der Betonung des kollektiven Ursprungs der wichtigsten religiösen Vorstellungen dem Soziologen Emile Dürkheim nahestehende Verfasser, von dem mehrere wertvolle Beiträge zur Völkerpsychologie — „Das Denken der Naturvölker", Wilhelm Braumüller, Wien, 1. Aufl. 1910, 2. Aufl. 1926; „Die geistige Welt der Primittven", F. Bruckmann, München 1927 — schon früher in deutscher Übersetzung erschienen sind, untersucht in dem vorliegenden Werke, „wie sich die noch im Urzustände befindlichen Menschen, die wir als Primitive zu bezeichnen pflegen, ihre eigene Individualität vorstellen, welche Begriffe sie von ihrem Leben, ihrer Seele und ihrer Persönlichkeit haben". Der Verfasser hat zu diesem Behufs sozusagen einen Querschnitt durch eine große wissenschaftliche Literatur über das Leben der Naturvölker gelegt. Seine Ergebnisse sind in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Zunächst durch den mit vielem Scharfsinn geführten Nachweis, daß Mißverständnisse und Vorurteile zahlreicher Forscher, die ganz naiv von ihren eigenen Seelenvorstellungen ausgehend diejenigen der Naturvölker beurteilten, zu einer gänzlich schiefen Auffassung von den letzteren geführt haben (Mißverständnisse nebenbei, welche die bedauerlichsten Fehlgriffe der Kolonialpolitik großer europäischer Völker zur Folge gehabt haben und noch haben). Sodann ergibt sich aus der Untersuchung des Verfassers, die sich auf Primitive verschiedenster Rassenzugehörigkeit und Kulturstufe erstreckt, eine derart verblüffende Übereinstimmung der Vorstellungsweise in bezug auf gewisse elementare Tatsachen des individuellen und gesellschaftlichen Lebens, daß der Schluß unabweislich ist, diese Vorstellungsweise wurzle in einer besonders urtümlichen Geisteshaltung, stelle sozusagen eine erste Schicht menschlicher Geistestätigkeit dar. Der Verfasser hat sich bei seiner Untersuchung aus die sog. Naturvölker beschränkt, weil bei diesen jene von ihm als „praelogisch" bezeichnete Geisteshaltung in besonderer Reinheit hervortritt. Dem denkenden Leser wird es aber nicht entgehen, daß dieselbe Geisteshaltung auch bei weißen Kulturvölkern — namentlich im Volksaberglauben und in der Politik — nicht selten zum Vorschein kommt und daß Kultur und Wissenschaft die „primitive Seele" auch in Europa sozusagen nur mit einer dünnen Eihaut umschließen. Dr. Max Prager. Manfred kyber: Die drei Lichter der kleinen Veronika. Der Roman einer Kinderseele in dieser und jener Welt. Erschienen bei Grethlein und Co., Leipzig-Zürich. Die Sehnsucht nach einer wahren, wirklichen Kultur, das Eintreten für die Unterdrückten und Entrechteten, ist die tieffte Idee in den Hochbedeutsamen. von innen her belichteten Werken von Manfred Kyber, der am 1. März seinen 50. Geburtstag feierte. Er tritt eben mit seinem ersten Roman vor die Öffentlichkeit. Die Seele der kleinen Veronika steht in urtümlichem Einklang mit den geheimnisvollen Kräften der Natur. Der Dichter bleibt nicht im Nur-Psychologifchen stecken, sondern er endet im Entwerfen eines metaphysischen Weltbildes, um einen Weg zu zeigen aus dem Irren einer materialistischen Gegenwart. Er erschaut die Erlösung, „die große Geborgenheit" nicht nur für den Menschen, sondern allumfassend auch für die Tiere, die Naturwesenheiten und alles Lebendige überhaupt. Der Dichter ersehnt wie für alle so auch für die jüdische Seele die große Geborgenheit. Da ist Aron Mendel, der alte Hausierer, dem etwas anhaftet von der vergangenen Größe des Alten Testaments. Keiner wagt es, ihm etwas an seinen Preisen abzuhandeln, „denn er hatte eine Würde, die das von selbst verbot". Er hatte seine eigenen Gedanken, die er sich mühevoll auf seinen Wanderungen im Staub der Landstraße gestaltet hatte. Er klagt: „Wir sind verstoßen, seit der Tempel zerstört ist." Doch der über alles geliebte Onkel der kleinen Veronika Johannes Wanderer — nomen est omen — antwortet ihm: „Der Tempel ist überall zerstört worden, nicht nur bei einem Volke. Und verstoßen sind wir alle, aber wir sind es, um im Dunkel das Licht zu finden, und um den Tempel wieder aufzurichten." Der Kasten, den der alte Hausierer schleppen muß, ist ein Sinnbild für alle Bürden, die wir tragen. Doch der Segen der Bürde liegt nicht darin, daß man sich an sie gewöhnt, sondern daß einer am anderen erkennt, daß wir Menschen und und Brüder sind, und dies als Beginn des Wiederaufbaues des zerstörten Tempels. Und man erkennt, je höher man mit seiner Bürde zum Gipfel gewandert ist, die Bürde bei Menschen, Tier und Pflanzen, und sieht den Bruder in denen, die sie tragen und gäbe schließlich um diese Erkenntnis die Bürde nicht mehr her. Und darum können Menschen auf der Landstraße mit ihrer Bürde wandernd weit mehr lernen, als in einem satten Leben. Aron Mendel lädt, von seinem Freunde Wanderer Abschied nehmend, den schweren Kasten wieder auf die Schultern: „Ich will aufhören zu wandern, wenn die Bürde so leicht wird, daß sie kein Opfer mehr ist." Die kleine Veronika tritt hinzu: „Du trägst sehr schwer", I0D-B1 TÖLZ Älpenkurhof Park-Hotel: Modern / Behaglich / Bequem / Kaffee / Restaurant / Bierklause / 5-Uhr-Tee / Tanzabende Fernruf 99 und 109 Rurpension Hellmann: Streng rituell unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu, München, bietet Ihnen bei mäßigen Preisen das Beste an Unterkunft und Verpflegung. Fernruf 316

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