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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-04-15 · 8 (15.4.1930) · p. Seite 106

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
8 (15.4.1930)
Article
Neue Werke jüdischer Graphiker
Date
1930-04-15
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 121 Arbeit beschäftigt ist. In kleinen Holzschnitten unternimmt er es, die Bibel uns noch vertrauter zu machen, indem er in kleinen Bildern ihre Szenen lebendig macht. Die Folge, die bereits in ihren ersten Blättchen bemerkenswertes Talent bewies/ ist nun bis über das Buch Bereschith hinausgelangt. Als ein Versuch jüdischer Illustration zu unseren heiligen Schriften steht das Unternehmen einzig da und verdient volle Beachtung und Unterstützung. Diese ist zudem auch den weitesten Kreisen möglich, weil jedes Blatt um RM. 4.— Nochmals die Körner des von Dr. Max Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die Übersetzung der Bibelstelle 2 Mos., Kap. 34, Vers 29, wie sie sich nicht nur bei Buber- Rosenzweig, sondern auch in dem von der evangelischen Kirchenkonferenz genehmigten Text der Lutherbibel findet: „und wußte nicht, daß sein Antlitz glänzte", vor der Übersetzung des Aquila: „et ignorabat, quock cornuta esset facies sua“ den Vorzug verdient. Das hebräische Wort keren hat ebenso wie das hebräische Wort schofar die Doppelbedetutung von „gehörnt sein" und „strahlen". Die letztere Bedeutung dürfte beide Male die jüngere und um die Zeit, da die uns vorliegende Fassung der hebräischen Bibel entstand, überwiegende gewesen sein. In der Sprachentwicklung geht in aller Regel die körperlich-anschauliche Bedeutung eines Wortes seiner Verwendung zur Bezeichnung abgezogener Allgemeinbegrisfe voraus. So hat das Wort schofar, welches sowohl nach dem jüdischen Geschichtsschreiber Josephus wie nach dem Kirchenvater Hieronymus in späterer Zeit das aus dem krummen Widderhorn hergestellte bäuerliche Blasinstrument bezeichnete, urspünglich wohl nur das Widderhorn selbst bedeutet. Der verbale Gebrauch des Wortes aber: „aushöhlen", in der Pielform: „hohl, gewölbt, krumm machen" dürfte noch später entstanden sein. Auf entsprechende Weise hat wahrscheinlich auch das Wort keren — (ähnlich wie das griechische keras, von dem der Göttername Kronion herstammt) — ursprünglich ebenfalls nur ein Tierhorn bedeutet und ist erst später zur Bezeichnung eines kultisch bedeutsamen Musikinstrumentes geworden. Mit Recht setzt Cyrus Adler bei unserem „Horn", dem englischen „Horn" und dem italienischen „cornu" die gleiche sprachgeschichtliche Entwicklung voraus. Zu der — offenbar jüngeren — Bedeutung „strahlen, glänzen" ist das Wort keren wohl auf Grund desselben psychologischen Vorgangs gekommen, wie der Moses des Michelangelo zu seinen Hörnern. Schon viele Jahrtausende vor der Entstehung dieses herrlichen Kunstwerks und vor der Zeit, da Martin Luther predigte: „wenn Mose seine Hörner aufsetzt und dich damit stößt, das ist durch das Gesetz, das dir deine Sünde offenbart und dich also in groß Erschrecken und und bei Bezug der ganzen Serie sogar nur um RM. 1.50 zu beziehen ist. Die herbe Sachlichkeit der Darstellung vermittelt den Eindruck einer in sich geschlossenen Künstlerpersönlichkeit, der es wirklich um die Dinge geht. Die religiöse Grundstimmung F e ch e n - b a ch s wirbt ihm sicher viele Freunde und wird dazu beitragen, daß sein Werk weitere Verbreitung und Förderung finden wird. München. - Theo Harburger. (Hofes von Michelangelo Prager Zagen führt", hat die gestaltende Kraft der menschlichen Phantasie das Tierhorn zum Symbol göttlicher Majestät gemacht und es zur Schmückung geheiligter Personen und Sachen verwendet. Dabei haben u. a. wirtschaftliche Unfftände eine Rolle gespielt. So hat bei den alten Griechen und Römern, welche im klassischen Altertum Rindoiehzüchter waren, das Stierhorn, bei unseren Vorfahren, die in älterer Zeit offenbar Kleinviehzüchter waren, das Widderhorn eine besondere kultische Bedeutung besessen. Ganz allgemein ist, wie Scheftelowicz nachgewiesen hat, das Horn mächtiger Tiere in den verschiedensten Erdgebieten schon seit den ältesten Zeiten zu religiösen Zwecken verwendet worden. Ein Wandgemälde aus der Magdalenienzeit, welches in der Höhle von Trois-Frere im französischen Departement Oriege aufgefunden worden ist, spricht besonders deutlich für das große Alter dieses religiösen Brauches. Wie aber aus dieser Vorstellungsweise heraus sprachliche Ausdrücke für ein Tierhorn, wie sie die hebräischen Wörter keren und schofar (übrigens auch das vielfach adjektivisch und augmentativ gebrauchte arabisch-hebräische jobel) darstellen, mit der Zeit zu der Bedeutung des Glanzvollen, Hellen, Klingenden gekommen sind, ist leicht zu verstehen, wenn man sich darauf besinnt, wie gerne die Vorstellung des Sonnengleichen, Licht, Frucht und Freude Bringenden sich auch heute noch im Volke mit der Gestalt des Gottes, des Helden und des Kulturbringens verbindet. Der „vermählte Strahl" auf der Stirn des „hohen Uraniden" ist hiernach, wie das Hörnerpaar auf dem ehrfurchtgebietenden Haupte des Moses von Michelangelo nicht aus einem Übersetzungsfehler der Vulgata, einer, Schwäche des menschlichen Intellekts, zu erklären. Diese Gebilde sind vielmehr wie einst die Hörner des Altars im Tempel zu Jerusalem, aus dem plastischen Gestaltungsvermögen des Menschengeistes entstanden. Die Triebkraft eines aus dieser tiefen Quelle gespeisten Symbols ist so groß, daß oft aus einem mißverstandenen Wort ganze Mythologien hervorgehen. So hat dem griechischen Apollon sein Beiname delos — „hell" zur besonderen Verehrung auf der Insel gleichen Namens und sein Beinamen Lykios — „strahlend" zur Abstammung aus Lykien oerholfen. fltis dem Verbände Israelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg An der diesjährigen Seminarschlußprüfung beteiligten sich 12 Schüler (1 Schülerin) im ersten, 11 Schüler im zweiten Abschnitt. Der mündliche Teil der Prüfung fand unter dem Vorsitz von Herrn Oberregierungsrat Blaß am 20. März statt. Sämtliche Prüflinge haben bestanden. Damit werden 11 Kandidaten in die Praxis entlassen. Im ersten Abschnitt waren aus der Religionslehre folgende Fragen zu bearbeiten: 1. Moses Mendelssohn. Sein Leben, seine Werke, seine Bedeutung für das Judentum. (Das Thema kann in Form einer Festrede zum 200. Geburtstag Mendelssohns behandelt werden.) 2. Die religiösen und sozialen Forderungen des Propheten Amos. Im zweiten Abschnitt waren in Theorie des Synagogendienstes folgende Themen zu bearbeiten: 1. Geschichte der Freitagabend-Liturgie unter besonderer Berücksichtigung des Kiddusch in der Synagoge. 2. Es ist eine Pismon-Melodie in Noten zu setzen unter besonderer Berücksichtigung von Takt und Rhythmus. Zur Wahl stehen: Bemozoe menucho Jisroel noscha Bimse misbor (Taanith Esther). 3. a) Die bei der Thoravorlesung vorkommenden Doppelzeichen für einen Akzent: Benennung und Darstellung (Beispiel), b) Wann ist Sch'wa zu beachten? Aus der Gemeinde München Die Vorträge von Dr. Sleinberg Im Rahmen des Kulturvereins I. L. Perez in München und des Gesamtausschusses der Ostjuden sprach Dr. Isaak Nachum Steinberg (Berlin) Samstag abend und Sonntag morgen, 22. und 23. März, über „Judentum und Menschentum". Dr. Steinberg hat den Dingen die Oberfläche genommen bis zur letzten Konsequenz. Er ist eine Prophetennatur. Seinen Vorträgen lag die Forderung zugrunde: „Mensch sein vor allem und überall, das eigene wie des anderen wahre, freie Menschentum heilig zu halten." Alles andere, sei es Sprache, Land, Religion oder Gesellschaftsgesetze erkennt er nur an als Ausfluß dieses Seins,, als dessen Instrument. In diesem Sinne sprach er über: Jiddischismus, Zionismus, Religion und Sozialismus. Er verwirft die Forderung der Sprachenfanatiker, die Jiddisch zum Selbstzweck, zum Endzweck erheben, um so, wie sie glauben, das „Jüdische" zu erhalten. Sie vergessen, daß, als die jiddische Sprache in ihrer Blüte stand (in den achtziger Jahren bis zum Ausbruch des Krieges), sie die Sprache eines Volkes war, das starken Willen, großes Wollen und hohe Menschhektsideale besaß. Das reiche lebendige Leben, das damals die jüdischen Massen im Osten bewegte, aber ist jetzt nicht mehr und das Jiddische, von außen an sie getragen, kann das wirkliche Leben nicht gebären. Ebenso verurteilt er die Tendenz der heutigen Zionisten, aus den Juden ein Volk zu machen wie es alle anderen Völker sind, in Palästina einen Staat zu schaffen, wie ihn die anderen besitzen. Haben wir, verstreut in aller Herren Länder, umsonst mit millionenfachen Augen all das Leid, all das Unsinnige gesehen, daß wir diese Zustände auf

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