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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-04-01 · 7 (1.4.1930) · p. Seite 96

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
7 (1.4.1930)
Article
Wolfratshausen
Date
1930-04-01
Page
Seite 96 (sequence 2)
Language
German
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108 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 5? Leo Stern l X München-Ostbahnhof 30 Jahre am Platze Kohlen Koks Briketts Holz für Hausbrand, Gewerbe und Industrie Beste Kohlscheider und Rührer Anthrazite Fernsprecher 43333—36 Pflichten im Haushalt wurde wohl von vielen Frauen oft auch als schwierig empfunden. Für das Judentum war die Bindung der Frau an das Haus von unschätzbarem Wert. So wurde der Hauptsinn des Frauenlebens nur auf das Wohl und das Glück der Familie gerichtet. Es ist siicher für unsere jahrtausendalte Geschichte von wesentlicher Bedeutung, daß der Kern unserer Gemeinschaft, das Familienleben, gesund blieb. In den letzten Jahrzehnten hat sich, hier manches verschoben und geändert. Neue Interessen der immer schneller lebenden Welt kamen auch in das jüdische Haus und führten beinahe zur Geringschätzung alter, bisher ein Leben glücklich ausfüllender Tätigkeiten. Wir beobachten nun die bekannte Unsicherheit, die immer vorhanden ist, wenn Menschen in eine ganz neue Lebensatmosphäre hineingestellt werden. Sie finden sich nicht zurecht, finden den Mittelweg nicht mehr und gelangen immer in die mit Gefahr verbundene Übertreibung. Das Haus wurde vernachläfigt, damit andere Interessen zu ihrem Rechte kamen. Die Folgen blieben nicht aus. Die Familie wurde immer mehr auseinandergerissen, und die Töchter bekamen selbstverständlich mit dem Verschwinden der Kenntnisse auf diesem Gebiet immer weniger Freude an den häuslichen Pflichten. Dieser Vorgang spielte sich ja in unserer christlichen Umgebung in viel größerem Maßstabe in den großen Städten auch ab. Auch hier wird die Zerissenheit des Familienlebens als gesährlich erkannt, sie ist aber immerhin nicht so unheilvoll wie bei uns. Bekanntlich bekommt die Großstadt immer noch den größten und den besten Teil ihrer Menschen vom Lande, und so gesundet sie wieder durch ihre ländliche Umgebung. Für uns Juden triff dieses in dem Maße wohl kaum zu und daher ist die Einstellung jüdischer Frauen für Interessen, die wesentlich außerhalb des Hauses und der Familie liegen, viel unheilvoller. Man erkannte, daß die Volksgesundung durch Ertüchtigung der Frauen zu beeinflussen sei. Um die Frauen für die Dinge zu interessieren, wie man sie im eigensten und im sozialen Interesse für sie für notwendig erachtete, schuf man neue Schulen. Führender Gedanke bei diesen Schulgründungen war, die jungen Mädchen zu tüchtigen Hausstauen heranzuvilden. Wenn jede Frau das wäre, wäre das ganze Elend bedeutend geringer. Anderseits wollte man aber auch die brachliegenden Frauenkräfte, die in vielen Familien und für die Allgemeinheit vollständig nutzlos waren, sammeln und sie der großen Gemeinschaft wieder nutzbar machen. Wurde doch aus irriger Lebensauffassung so manches Leben mit schönen Künsten und rein Geistigem ausgefüllt, ohne daß es je für die Umwelt beachtenswerte Leistungen brachte. Allen diesen wollte man die Freude an der Arbeit wieder eröffnen und ihnen ein gediegenes handwerkliches Können neben wissenschaftlicher Begründung verschaffen. Die Zeiten haben sich heute so entwickelt, daß dieses Können Gott sei Dank für jedes junge Mädchen wieder eine unerläßliche Notwendigkeit geworden ist. Das ist auch in der jüdischen Gemeinschaft zum Ausdruck gekommen durch die Gründung verschiedener Schulen, auf denen wir unsere jungen Mädchen je nach ihrer Vorbildung wirtschaftlich weiter ausbilden können. Die Unsicherheit der materiellen Existenz zwingt die Mädchen hercke wieder dazu, sich nur auf eigenes Können und eigene Tüchtigkeit zu verlassen, und bringt die Eltern dazu, ihren Töchtern mehr denn je das für das Leben mitzugeben, wozu sie allein imstande sind, das sind Erziehung und Ausbildung. Die wirtschaftliche Ausbildung ist ein Gebiet, das für die allermeisten Mädchen von Bedeutung ist, da sie die hier erworbenen Kenntnisse in ihrer eigenen Familie gebrauchen können. Diese Kenntnisse sind ja heute um so notwendiger, je enger und unsicherer die materiellen Lebensverhältnissse werden. Abgesehen von dem Beruf der Hausfrau, bringt die wirtschaftliche Ausbildung viele junge Mädchen in andere sich darauf aufbauende Berufswege. Neigung und Eignung dazu kann aber erst in einem grundlegenden Ausbildungsjahr festgestellt werden. Die Ausbildung in dem'Frauenlehrjahr eine wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Lande ist so vielseitig, daß sie einem jungen Mädchen eine Vorstellung von den verschiedensten praktischen und wissenschaftlichen Berufen gibt, die sich darauf aufbauen können. Diese Vorstellungen fehlen meistens noch beim Verlassen des Lyzeums mit Obersekundareife. Es liegt daher wohl in dem Interesse vieler Eltern von jungen Mädchen, die die Schule Ostern verlassen, ihren Töchtern ein wirtschaftliches Frauenlehrjahr am besten. auf dem Lande zu ermöglichen. Es dient zur allgemeinen weiteren Entwicklung, zur körperlichen Kräftigung, seelischen Auffrischung und geistigen Anregung, zur Klärung der Berufsziele und zur besten Vorbereitung des Berufes der jüdischen Hausfrau. Hannah Bodenheimer. ttus der Semeinde München Lehrkurse der kultusgemeinde München Programm April 1930 Sseder-Abend und Pessach-Hagadah. Ein Vortragszyklus. 2. Abend. Donnerstag, 3. April, 20.15 Uhr, Kunstgewerbehaus, Pfandhausstraße 7. Rabbiner Dr. & Raerwald: Wie entstand unsere Pessach-Hagadah? 3. Abend. Donnerstag, 10. April, 20.15 Uhr, Kunstgewerbehaus, Pfandhausstraße 7. a) Rabbiner Dr. Finkelscherer.- Der Ritus des Sfederabends. d) Prof. E. üirschner: Die Melodien des Sfederabends. Kunstausstellung des Malers Hermann Segall Der bekannte hiesige jüdische Kunstmaler Hermann Segall veranstaltet in seinem Atelier Friedrichstraße 29U eine Ausstellung seiner Werke, die am 16. März 1930 eröffnet wurde. Hierzu waren seine Freunde und Gönner, darunter auch Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer nebst Gemahlin erschienen. Die Veranstaltung galt auch der Besichtigung seines neuesten Werkes, eines Porträts von Professor Kirschner, das der Künstler im Aufträge der israelitischen Kultusgemeinde München geschaffen hat. Herr Segall verlieh zunächst in rührenden Worten seiner Freude und Dankbarkeit Ausdruck für das Erscheinen seiner Gäste und für die Unterstützung, die er seit Jahren von vielen Seiten und insbesondere von der israelitischen Kultusgemeinde empfangen hat. Er zeigte dann in kurzen Abrissen die Entwicklun seines künstlerischen Schaffens. Unter seinen zahlreichen Werken fielen besonders ein Porträt seines Meisters, Geheimrat Karl v. Marr, und weitere Herren- und Damenporträts sowie eine Komposition „Agonie" auf. Das bekannte Bildnis des verstorbenen Rabbiners Dr. Ehrentreu hat wiederum durch feine plastische Wirkung allgemeine Anerkennung gefunden und ADLER L E 1^ \Nf E IE IC E Weyer ü^- 6. FRANKFURT AM MAIN Filiale München, Augustenstr. 40, T. 50206107 Automobile / Fahrräder / Schreibmaschinen

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