Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 7 (1.4.1930)
- Article
- Die Hörner des Moses von Michelangelo
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 95 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 107 Ihr Zuhause in Augsburg zu einer Efeulaube. Und ebenfalls infolge eines Übersetzungsfehlers wurde der Baum der Erkenntnis, unter welchem das erste Menschenpaar nach der Bibel zu Fall kam, in der mittelalterlichen Kunst zum Apfelbaum (Malum), die Frucht, die Eva dem Adam reicht, zum Apfel, wovon keine Spur in der Bibel steht. In unserer Gegenwart ragt die falsche Übersetzung Luthers von Mischleh (Sprüche Salomons) 12, IO: „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes." So übersetzte Luter den Vers und so wurde er zum geflügelten Wort. Diese Bibelstelle gab Schopenhauer, der das Tier, besonders seinen Pudel, liebte und die Menschen haßte, zu einem seiner bösartigsten antisemitischen Ausfälle Anlaß. Das Judentum stehe dem Tiere völlig verständnislos gegenüber. „Jeder Hundehändler", meint Schopenhauer, „sorge besser für seine Tiere als der Judengott." „Aber man müsse schon vom koetor ^uduieus total chloroformiert fein, um nicht einzusehen, daß das Tier im wesentlichen dasselbe ist, was wir sind. In den Sprüchen Salomons heiße es zwar: ,Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes/ aber das sei typischer Judenhochmut; denn nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit und Mitgefühl sei man dem Tiere schuldig." Schlägt man den hebräischen Text der Bibel auf, so lautet die Stelle: Jodeazaddik nefesch behemto. inönn tysj p’"i£ yTP Das heißt auf deutsch wörtlich: „Der Gerechte weiß um die Seele seines Viehes", also wie Kautzsch übersetzt: „Der Fromme weiß, wie seinem Viehe zumute ist." Das stimmt durchaus überein mit der jüdischen Grundanlage, sich in eine fremde Siuation versetzen, sich objektivieren zu können nach dem Spruch, der das ganze Leben des Juden begleitet: „Gedenke, daß du ein Knecht warst in Ägypten." Schopenhauer pflegte seinen ganzen Svott über den auszuschütten, der sein Wissen aus zweiter Hand, aus Übersetzungen nahm, und die antiken Schriftsteller nicht in der Ursprache lesen konnte (Gwinner, Arthur Schopenhauer, S. 103). Aber er konnte nicht hebräisch und hielt bei dem berühmtesten antiken Literaturwerk, der Bibel, die Benützung einer Übersetzung für unverfänglich. Goethe und Kant konnten die Bibel im Urtext lesen. In einen blamableren Irrtum, als durch die Luthersche Übersetzung der Sprüche Salomons, hätte Schopenhauer nicht geraten können. Die Bibel spricht gerade mit größter Deutlichkeit, die nicht zu überbieten ist, das aus, was Schopenhauer so höhnend in dem Satz „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes" vermißt. Nach dem Texte macht sich die Bibel die Forderung Schopenhauers, sich mit jeder Kreatur innerlich verbunden zu fühlen, uneingeschränkt zu eigen. Das Wort „nefesch", das in Mischleh von der Seele des Tieres gebraucht wird, wird auch zur Bezeichnung der menschlichen Seele verwendet. Und erst Luther hat, wenn man den Gedanken Schopenhauers aufnimmt, den „Hochmut gegen das Tier" in diese Stelle der Bibel hineingetragen. An dem oben beschriebenen jüdischen Grundgefühl „Gedenke, daß du ein Knecht warst in Ägypten" ging Schopenhauer ahnungslos vorüber. Die Wichtigkeit der Frage nach der richtigen Bibelübersetzung wird nach diesen Beispielen klar. Die Frage ist noch nicht gelöst. Die beste Lösung ist für den, der das hebräische Original nicht ohne weiteres lesen kann, eine zweisprachige -Ausgabe: einen einfachen deutschen Text, etwa den von Mendelslohn, und gegenüber den hebräischen Urtext. Der Buber-Rosenzweigsche Text gehört heute zu den allerbesten, unentbehrlichen Jnterpretationsmitteln; keine Übersetzung regt so sehr dazu an, nach dem hebräischen Wortlaut zu fragen. Das Wichtigste bleibt, den Ursinn immer wieder durch die Urschrift wiederherzustellen. L. F. Woltratshausen „Doch ist die Führung des jüdischen Haushalts der Beruf unserer Töchter von je die unentbehrlichste Kraft jüdischen Lebens gewesen." Dieser Satz fiel mir auf, als ich in einem Buche über jüdische Gebräuche blätterte und brachte mich zum Nachdenken. Es konnte sich in der Tat jüdische Religion nur dort erhalten, wo jüdische Frauen selbst im Ausgabenkreis ihrer Wirtschaft standen und diese selbst ausfüllten. Die peinliche Ausübung verschiedener religiöser Hotel Bayerischer Hoff 9 Bestellen Sie bitte WWWWWMWMWMWWMWMWl rechtzeitig. 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