Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 7 (1.4.1930)
- Article
- Nachwuchverhältnisse der jüdischen Familien in Bayern
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 93 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 105 ist die jüdische UnehelichenquoLe verschwindend gering. Von den 581 jüdischen Lebendgeborenen waren nur 12 — 2,1% — unehelich; davon treffen 7 auf die Großstädte — 2,7 % — der dortigen jüdischen Lebendgeborenen. Geht man dementsprechend von der ehelichen Fruchtbarkeit aus, also der Nachwuchsgeftaltung in den legitimen Familien, so gewinnt das Ganze ein durchaus verändertes Aussehen, zumal die Verheiratetenquote der jüdischen Frauen mit 43,8 % derjenigen der Gesamtbevölkerung — 44,5 % — nahezu' entspricht: Verheiratete Frauen im 16.—45. Lebensjahr Ehelich Lebendgeborene 1924/26 Auf 1000 verheirat. Frauen im Alter von 16-45 Lahr, treffen Lebendgeborene Gesamtbevö l kr e r u n g Großstädte. . . . 178641 15710 87,9 Größ.Mittelstädte 35565 5049 142,0 Übriges Land . . 620909 120380 193,9 Zusammen 835115 141139 169,0 Luden Großstädte. . . . 1990 255 128,1 Größ.Mittelstädte 581 88 151,5 Übriges Land . . 2233 226 101,2 Zusammen 4804 569 118,4 Darnach steht also die eheliche Fruchtbarkeit bei den Juden in den Großstädten und auch in den größeren Mittelstädten erheblich über dem Staatsdurchschnitt, weil ein großer Teil der Gebärkraft der nichtjüdischen Bevölkerung durch uneheliche Bindungen absorbiert wird; in den übrigen Gemeinden freilich, wo die starken Regenerationöleistungen des Bauerntums und der ihnen nahestehenden mittelftändischen Schichten, zu denen die Juden nur einen kleinen Bruchteil stellen, zur Auswirkung kommen, bleibt die jüdische Ziffer nahezu um die Hälfte zurück und erscheint somit auch im Gesamtlandesdurchschnitt gesenkt. Worauf der niedrige Grad der Unehelichkeit bei den Juden beruht, kann hier nicht untersucht werden; zur allgemeinen Lage dieses Problems sei nur bemerkt, daß der früher als Kriterium der Unsittlichkeit bewertete Stand der UnehelichenquoLe gegenwärtig, in einer Zeit vorgeschrittener und allgemein angewandter Präventivtechnik, keineswegs mehr diese Bedeutung hat; die Frequenz der unehelichen Geburten erscheint vielmehr, namentlich in ländlichen Gegenden, wo sie von der Volkssitte gebilligt wird, eher als ein Ausdruck des Willens zum Kinde gegenüber weitverbreiteter Kinderscheu. Dr. Ph. Schwartz. Bitte In wenigen Wochen schließt das Schuljahr an den Volks¬ und Mittelschulen. Eine große Zahl von Jünglingen und Mädchen tritt ins Leben, um sich einem Beruf zu widmen. Zumeist ist es der kaufmännische Beruf. Hier und in anderen Berufen eine Stelle zu finden, in der es den jungen Leuten möglich ist, den Sabbat zu halten, ist unter den jetzigen wirtschaftlichen Verhältnissen außerordentlich schwierig. Es ist eine heilige Forderung des jüdisch-religiösen Gemeinschaftsgefühls, ja sogar eine Ehrenpflicht, daß alle Geschäftsinhaber, deren Geschäfte oder Büros am Sabbat geschlossen sind, ihre offenen Lehrstellen nur solchen jungen Leuten zur Verfügung stellen, die den Sabbat zu halten wünschen. Wir sprechen die herzliche und dringende Bitte aus, solche Stellen unter allen Umständen an sabbattreue Bewerber zu vergeben. Unsere Bitte geht aber auch weiter noch an die Chefs solcher Geschäfte, welche selber den Sabbat nicht halten zu können glauben, für den einen oder anderen Bewerber den Eintritt in eine Lehrstelle unter Beachtung des Sabbats möglich zu machen und durch solches verdienstliches Entgegenkommen die Förderung des uns allen heiligen Sabbats zu unterstützen. Wir bitten ebenso herzlich und dringend, auch dieser unserer Bitte sich nicht verschließen zu wollen. Nürnberg-Schweinfurt, im März 1930. Bayerische Rabbinerkonferenz: Dr. Freudenthal. Dr. Stein. DARMSTXDTER UND NATIONALBANK Kommanditgesellschaft auf Aktien FILIALE MÜNCHEN) Ottostraße 4 DEPOSITENKASSEN Bayerstr. 8 (am Hauptbhf.) Marienplatz 11-12 Fraunhoferstr.32(E.Auenstr.) Odeonsplatz 6 (E. Galeriestr.) Isartorpl. (Zweibrückenstr. 2) Ostbahnhof (Wörthstraße 51) Leopoldstraße 15 Sendlingertorplatz 10 Valleystraße 7 (Großmarkthalle) “"s»0"Sparlconten gegen Banksparbücher (für Einlagen in beliebiger Höhe bis zu RM. 10000.—) Zinssatz: zurzeit 5 Io p.a. Kapital und Reserven 120 Millionen Reichsmark