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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-03-15 · 6 (15.3.1930) · p. Seite 80

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
6 (15.3.1930)
Article
Eine schwierige Bibelstelle
Date
1930-03-15
Page
Seite 80 (sequence 1)
Language
German
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90 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 y^Udorüierte? Electrola CoinmDia qm: GranunoplioD PariOBbon osw. sAtünchen Sleinway & Sons mach Fearich Thflrmer ScQiedmayer QSW. eine schwierige Bibeljtelle Line Erklärung aus der Weiber-Vibel „Zenne Renne" Zu-unserem Aufsatz aus Nummer 3 der Gemeindezeitung „Die Gottesfurcht der hebräischen Hebammen" schreibt uns die Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes, Bertha Pappenheim (Isenburg), die ausgezeichnete Bearbeiterin des Maasie-Buches (siehe die Besprechung in Nr. 3 der Gemeindezeitung): Aus. der Bayerischen Gemeindezeitung erfahre ich, daß man sich über eine Stelle im Schernaus, Kap. 1, Vers 21, Gedanken macht. Bei meiner Beschäftigung mit der Zeeno reeno fand ich eine Erklärung, die mir so einfach und ungezwungen erscheint, daß ich ihnen dieselbe Mitteilen möchte: „Un der Jmre nauam schreibt: Pharao hat gewollt eine große Bestechung geben den Hebammen, daß sie die Kinder sollten töten. Haben sie nit gewollt, weil sie. haben Angst gehabt vor Gott. Un Pharao hat gerufen die Hebammen und hat ihnen gesagt: ,Warum habt ihr getan die dasige Sach?^ Haben die Hebammen gesagt: ,Die Weiber von Jisroel find gleich wie die Tiere von dem Feld, daß sie gewinnen (gebären) ohne Hebamme/ Der Bechaje schreibt: Pharao hat gesetzt zwischen zwei Häuser von Jisroel einen Egypter, er soll hüten (aufpassen), wenn ein Sohn wird geboren, soll man ihn ins Wasser werfen. Un der Hiskuni schreibt: Pharao hat Häuser gebaut, hineinzusetzen die Weiber, die tragendig sind, um sie zu hüten, man soll ihre Kinder ins Wasser werfen." Ganz klar der Gedanke einer Hebammenorganisation und eines Entbindungshauses, allerdings nicht wie heute zum Schutz von Mutter und Kind, sondern zur Durchführung der grausamen Maßnahme der Tötung der Kinder. Die anderen Auslegungen erscheinen mir gegen diese gewunden oder wie man sagt: Krumm gelernt. Bertha Pappenheim. Soweit die verehrte Einsenderin! Der Sinn des viel beredeten Satzes der Bibel ist jedenfalls nicht mehr zweifelsfrei festzustellen. Ein Wort noch zu der von Frau Bertha Pappenheim vorbereiteten Ausgabe der jüdisch-deutschen „Weiber-Bibel", genannt „Zenne Renne" (die streng lautliche Transskription lautet vielleicht besser so als Zeeno reeno). Ze'ena ure'na HIKS oder in jüdisch-deutscher Aussprache Zenne Renne ist der aus dem „Hohen Lied" 3, 11 („Gehet heraus und schauet, ihr Töchter Zions") entlehnte Titel einer jüdischdeutschen Pentateuchbearbeitung, die wohl das am meisten gelesene biblische Erbauungsbuch des deutsprechenden Judentums im 17. und 18. Jahrhundert gewesen ist. Ihr Verfasser war Jakob ben Isaak Aschkenasi, der um 1-620 starb. Diese sog. „Weiberbibel" ist sehr oft gedruckt worden und bildete bei den ostjüdischen Massen noch im 19. Jahrhundert eine Art Hausbibel. Sie ist sprachlich besonders interessant, auch wegen ihrer deutlichen Berührungen mit den deutschen Bibelübersetzungen des 16. Jahrhunderts. Stofflich enthält sie belehrende, oft sehr drastische Erklärungen des Bibeltextes aus Talmud, Midrasch urÄ Volkssage. Nach Erscheinen der Pappenheimschen Ausgabe wird noch ausführlich auf diese Hausbibel der deutschen Jüdin während mehrerer Jahrhunderte zurückzukommen sein. Der Vortrag, den Frau Dr. Badt-Strauß von zwei Jahren in der Ortsgruppe Münck^n des Jüdischen Frauenbundes über die Zenne Renne gehalten hat, ist in München noch in bester Erinnerung. vücberschau Hetzer Hildegard, Kindheit und Armut. Leipzig, S. Hirzel, 1929. XII und 314 S. Es ist allgemein anerkannt, daß die Fürsorge sich in einer Krise befindet. Die organisatorische Richtung, vor dem Kriege stark in den Vordergrund tretend, hat seither immer mehr die Führung an sich gerissen, und zwar auch in der privaten Wohlfahrtspflege der verschiedenen Vereine und Körperschaften. Obzwar diese Bewegung sachlich zu rechtfertigende Gründe für sich hat, ist die Gegenströmung der persönlichen Hilfe niemals zur Ruhe gekommen. Die Festschrift, welche dem bedeutendsten deutschen Theoretiker der Fürsorge, Christian Jasper K l u m k e r, 1928 zu seinem 60. Geburtstag überreicht wurde, trägt den bezeichnenden Titel „Persönliche Hilfe in der Fürsorge". Diese Schrift ist aus mehr als einem Grunde lehrreich. Vor allem ist sie bemüht um die geistige Struktur der Fürsorge. Mehrere Aufsätze, insbesondere der tiefschürfende, von Hans Achinger, Geschäftsführer der Zentrale für private, Fürsorge, Frankfurt a. M.), weisen auf die Geschichte der Fürsorgebestrebung als Organon der Wesenserfassung hin. Die Schrift, die wir hier anzeigen, will durch Vertiefung nach der entwicklungspsychologischen Seite hin das Problem der Armut und der Fürsorge erfassen. Die Fragen dieses Buches sind diese: Was heißt in Not sein für ein Kind? Welche Nöte erlebt das Kind? Welche objektiven Notzustände gibt es im Kindesalter? Welche besonderen Aufgaben erwachsen aus den Antworten zu den vorstehenden Fragen? Das Buch stellt diese Fragen in Wahrheit in umgekehrter Reihenfolge. Die Frage nach den objektiven Notzuständen wird vorangestellt deswegen, weil Verfasser eine eindeutige Antwort auf Grund einer Bedürfnistheorie — für das Kindesalter wenigstens — für möglich hält. Sie stützt sich dabei auf eine Bedürfnislehre von Ilse Arlt. S. Armutsforschung, Deutsche Zeitschr. f. Wohlfahrtspflege, I. Jahrg., 4., 1925. Wenngleich die Zahl von dreizehn Bedürfnissen des Säuglings wohl sehr schematisiert ist, kann man Verfasserin doch zugeben, daß für das frühe Kindesalter jedenfalls eine objektive Bedürfnistheorie ihren Sinn hat. Sehr bald und zwar in dem Maß, wie das Kind sich seine individuelle Ziele setzt, wird eben auch die Bedürfnisgestaltung und demgemäß das Erlebnis der Not so mannigfaltig, daß eine generelle Bedürfnistheorie, gleich einem zu weitmaschigen Netz, die wirklichen Bedürfnisse nicht mehr saßt. Daher kann auch schon im Kindesalter eine Grundproblematik aller Fürsorge: Über die Art des Notstandes find sich Helfer und Bittsteller ebensooft nicht einig, wie über die Art der Hilfe. Hierzu gibt Hetzer selbst in einem Anhang ein lehrreiches Beispiel. Am Anfang der Hilfe steht dann die Erziehung zum Bedürfnis. Man muß erst bedürfen lernen, damit einem geholfen werden kann. In Wien spielt die folgende kleine Geschichte: Auf ein Plakat der Hilfsorganisation „Jugend in Not" fand sich folgende bleistiftliche Meinungsäußerung kritisch hingeworfen: „Gebts ihn« Göld, dann gibts keine Jugendnot!" Das Buch, von dem wir sprechen, verkennt keineswegs die im Gegensatz zu der eben erwähnten Äußerung wirklich vorkommende Mannigfaltigkeit der Motivationen. Es sucht sie auch in zahlreichen Häufigkeitstabellen zu erfassen. Manches Typische fällt dabei wie eben bei Prozentberechnungen unvermeidlich zwischen die Kolumnen. Am wenigsten hat sich die Verfasserin Hotel Kaisertiot Mönchen SchiilzenslraDe 12 Gebr. Greif Beliebtes Cafe - Restaurant O Künstler-Kapelle

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