Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 6 (15.3.1930)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1930-03-15
- Page
- Seite 75 (sequence 1)
- Language
- German
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Vagerische Kachrichtenblatt öer Israelitischen Kultusgemeinüen in München/ Augsburg, Hamberg unö üeS VerbanöeS Bagerischer Israelitischer Gemeinden Israelitische Gemeinöezeitung erscheint am 1. unö 15. jeüen Monats. — Verlag: V. heller, München, pltnganserstraße 64, Zernruf 75664 unö 75665, Postscheck München 5967» vchrifileitung: Vr. Luöwig Zeuchtwanger, München, Grillparzerstraße ZS Bezugspreis für nicht elngewtesene Bezieher: Reichsmark 4 So für öaS Zahr. Anzeigenpreis: Vle 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Retchspseonlg Zamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote »5 Relchspfenatg VI. Jahrgang München, if. Marz 1050 flr. 6 Inhalt: Die deutschen Juden zum Aufbauwerk in Palästina — Der Januskops des Bücherfreunds — Der Maler Siegfried Ziegler — Eine schwierige Bibelstelle — Bücherschau — Aus der Gemeinde München — Vereine — Lehrerzeitung — meinden —> Personalia Aus den bayerischen Gevie deutschen luden zum Am Donnerstag, dem 27. Februar 1930, lud der soeben gebildete Ortsausschuß München-Augsburg des Aufbauwerkes in Palästina (Jewish Agency) zu einer Aussprache über „Das Verhältnis der deutschen Nichtzionisten zur Frage des jüdischen Palästina" ein. Wir veröffentlichen hier die grundsätzlichen Ausführungen von Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred N e u - meyer im Wortlaut, ferner einen Bericht über die Versammlung und knüpfen daran einige Bemerkungen. l. Ansprache von Dr. Alfred Neumeyer Meine Damen und Herren! Ich bin einmal gefragt worden, wie stehen Sie zu dem Aufbau Palästinas? Ich habe geantwortet: Ich möchte dem Werke nicht lieblos gegenüberstehen, dem Werke, das als eine der vornehmsten jüdischen Leistungen unserer Zeit zu erachten ist. Das Palästinawerk hat uns hierher geführt - uns, die wir weltanschaulich verschieden eingestellt sind - zu gemeinsamer jüdischer Arbeit. Und eö dürfte auf uns Teilnehmer an dieser Versammlung das Wort unseres großen deutschen Dichterphilosophen, das Wort Goethes anzuwenden sein: „Die Menschen treffen vielmehr zusammen in dem, was sie tun, als in dem, was sie denken." Sie wissen, im August vorigen Jahres ist die erweiterte Iewish Agency in Zürich begründet worden, eine Vertretung der jüdischen Gemeinschaft an dem Aufbau Palästinas, eine Körperschaft, dazu bestellt, die Interessen der jüdischen Bevölkerung in Palästina gegenüber der Verwaltung des Landes wahrzunehmen und an der Entwicklung des Landes teilzuhaben. Diese Vertretung ist halb und halb in die Hände der bisherigen Arbeiter an diesem Werke, der Zionisten, und in die Hände der zu gewinnenden Mitarbeiter, der Nichtzioniften, gelegt. Und ein klares Abbild dieser Versammlung in Zürich ist unsere heutige Versammlung, welche die örtliche Arbeitsgemeinschaft der Jewish Agency einberufen hat. Für unseren kleinen ttukbauwerk in Palästina Bereich ist diese Versammlung ein nicht minder denkwürdiges Ereignis als für die gesamte Iudenheit die Tagung in Zürich. Denn unter gleichzeitiger Betonung und Zurückstellung grundsätzlicher Anschauungen wollen Zionisten und Nichtzionisten an dem gemeinschaftlichen Werke vertrauensvoll Zusammenarbeiten. Auch die Gemeinde München hat, wie andere deutsche Großgemeinden, ihren Beitritt zu dem Komitee erklärt, das die deutschen Mitglieder und Ersatzmitglieder des Rates der Jewish Agency gewählt hat. Die Voraussetzung, unter der dieser Anschluß erfolgt ist, ist klar: Unlösbar ist die Verbindung der deutschen Juden mit der heimatlichen, der deutschen Kultur. Die Bewahrung jüdischen Eigenwertes aber bedeutet keine Beeinträchtigung dieser Bindung. In diesem Sinne hat auch der Führer des deutschen Keren-Hajessod-Werkes, Oskar Wassermann in Berlin, sich vor wenigen Wochen grundsätzlich geäußert und dadurch die Bahn zur Mitarbeit weiten Kreisen der deutschen Iudenheit freigemacht. Neben seinem bedeutsamen Inhalt hat der heutige Abend aber auch andere, hocherfreuliche Ergebnisse gezeitigt. Er hat die in engen freundschaftlichen Beziehungen stehenden Gemeinden Augsburg und München zu einer Arbeitsgemeinschaft vereinigt und wir begrüßen von Herzen den Vertreter, den die Augsburger Herren hierher gesandt haben. Wir begrüßen von Herzen die Redner des heutigen Abends, Herr Dr. Goldmann (Berlin) und Herrn Ministerialrat Dr. Hirsch (Stuttgart). Wir kennen in Herrn Dr. Goldmann, einem Mitglied des Rats der Jewish Agency, dem verdienstvollen Mitherausgeber der jüdischen Enzyklopädie, eine Persönlichkeit, die seit Jahren ihre ganze Kraft der Organisation des Aufbauwerkes von Palästina gewidmet hat. Wir begrüßen in Herrn Dr. Hirsch, einem Ersatzmitglied des Rats der Jewish Agency, eine Persönlichkeit, die in besonders sympathischer Weise den Gedanken des Aufbauwerkes in Süddeutschland vertritt. Es sei mir aber auch gestattet, Herrn Dr. Hirsch als den Präsidenten des Württembergischen Oberratö zu begrüßen, mit dem uns freundnachbarliche