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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-03-01 · 5 (1.3.1930) · p. Seite 61

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
5 (1.3.1930)
Article
Inhalt
Date
1930-03-01
Page
Seite 61 (sequence 1)
Language
German
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Kachrichtenblatt üer Israelitischen Kultusgemeinüen in München/ Augsburg/ Bamberg unü üeS Äerbanües Homerischer Israelitischer Gemeinüen Dagerlsche Israelitische Gemeinöezeitung Erscheint am 1. unü t). jeüen Monats. — Verlag: ß. Heller, München, pllnganserstraße 64/ Kernruf 7)664 unü 7)66), Postscheck München 5-67. Ächristleitung: Or. LuÜwig Keuchtwanger, München, Grillparzerstraße 58 ßezugsprels für nicht eingewiesene Bezieher: Reichsmark 4.S0 für ÜaS Jahr. Anzeigenpreis: Sie 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 RelchSpfeanlg Kamlllenanzeigen, Stellengesuche unü ähnliche Angetote ff RetchSpfennig VI. Jahrgang München, f. Marz 1950 Llr. 5 Inhalt: Purim — An die bayerischen Juden! — Messianische Soziologie — Franz Werfel und sein neues Werk — Antisemitische Angriffe auf die Erklärung der bayerischen Rabbiner zum Talmudprozeß —> Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg —i Vereine — Aus den bayerischen Gemeinden — Amtlicher Anzeiger — Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden — Bekanntmachung über Unterbringung von Kindern in der Israelitischen Kinderheilstätte Bad Kissingen und im Jüdischen Landheim Wolfratshausm — Bekanntmachung über Unterbringung von Kurbedürstigen des MittelstmLes im Kurhospiz Bad Kissingen — Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München — Bekanntmachung über Beihilfen zum Kurgebrauch — Bekanntmachung über die Jahresrechnung der Gemeinde für das Geschäftsfahr 1929 —Bekanntmachung über den Haushaltplan der Gemeinde und die Höhe des Umlagensatzes für das Geschäftsjahr 1930 — Personalia. Purim 1. Die Verstoßung der Königin Vasthi aus dem Buch Esther in den Oberammergauer Passionsspielen 1930 Die Grundlehre der christlichen Kirche, daß unsere Bibel, das sog. „Alte Testament", die Vorbereitung des „Neuen Bundes" gewesen sei, ist oft von jüdischer und christlicher Seite dargeftellt worden. Nach dieser Lehre sind im Alten Testament bereits alle wichtigen Begebenheiten der Evangelien, speziell des Lebens von Christus, deutlich vorgezeichnet. Für die bildende Kunst ist diese Auffassung des christlichen Glaubens von unermeßlicher Tragweite. Man kann sagen, die Schöpfungen der Kunst des Mittelalters können stofflich und formal nur verstanden werden, wenn man jene Grundlehre bis in alle einzelnen Durchführungen und Motive kennt. Der mittelalterliche Künstler ist unerschöpflich im Aufsuchen und Aufftellen von Parallelen, von Vorbildern des Alten Testaments für das Neue, namentlich für das Leben und Sterben von Jesus. Ein Blick auf die Ausschmückung der mittelalterlichen Kirchen, ihrer Geräte und Handschriften lehrt, daß diese Vorstellung schlechterdings der Mittelpunkt der Kunftauffassung der früheren Jahrhunderte warf Die sog. „Typologischen Szenen", das sind die auf die neuteftamentliche Geschichte gedeuteten Bilder aus dem Alten Testament in unseren mittelalterlichen Bilderhandschriften und in den geistlichen Schauspielen, den sog. Passionsspielen, gehen regelmäßig von der Idee aus, daß das Alte Testament den „geschichtlichen Beweis" der Vorgänge im Neuen Testament enthalte. Noch heute werden bekanntlich in den Oberammergauer Passionsspielen die alttestamentlichen Szenen als „Lebende Bilder" in die allgemeine Handlung eingeschoben und durch den Chor erklärt. Ähnlich im Passionsspiel von Brirlegg, das bis zur Gegenwart dort aufgeführt wird. Nehmen wir den eben erschienenen offiziellen Gesamttert für die Oberammergauer Spiele von 1930 zur Hand, den mit Benützung der alten Texte der langjährige Oberammergauer Pfarrer Daisenberger (1799 — 1883) verfaßt hat, so finden wir die alten biblischen Bilder mit dem Text der Chöre dort genau verzeichnet. Beispiele: Die Vertreibung aus dem Paradies — Joseph wird von seinen Brüdern verkauft: Wie Jakobs Söhne gegen Joseph sich verschwören So werdet ihr von dieser Frevlerbrut Bald über Jesus Tod und Blut Voll wilder Rache rufen hören. Vor dem Abschied von Christus in Bethania wird der Abschied des Tobias von seinen Eltern (Tob. 5, 32) als lebendes Bild vorgeführt. Dem letzten Gang von Jesus nach Jerusalem geht das lebende Bild voran: König Aßver verstößt die Königin Vasthi und erhebt Esther zur Königin (Esth. 1, 2). Der Chor begleitet dieses Bild mit folgendem Text: Jerusalem! Jerusalem erwache! Erkenne, was zum Frieden dir noch werden kann; Doch zögerst du — fo fängt die Zeit der Rache, Unselige! mit fürchterlichen Schlägen an. Jerusalem! Jerusalem! Bekehre dich zu deinem Gott!

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