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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1930-02-15 · 2 (15.2.1930) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1930
Issue
2 (15.2.1930)
Article
Vereinsvermögen und Rechnungswesen
Date
1930-02-15
Page
Seite 5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 2 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 5 diesen Zinsen wird zu anderen Unterstützungszwecken verwendet (Absatz 6). 6. Die Verteilung der Beihilfen aus dem Überschuß der Zinsen und aus den weiteren Einnahmen der Hilfskasse geschieht in der Regel jährlich nach Maßgabe des Grades der Bedürftigkeit an die in Abs. 3a und d bezeichneten Personen. In Fällen besonderer Not (z. B. Krankheit) können Vereinsmitglieder und deren Hinterbliebene außerordentliche Beihilfen erhalten. 7. Vereinsmitglieder, die eine Beihilfe nach Abs. 5 erhalten, können trotzdem Zusatzbeihilfen nach Abs. 6 bekommen. 8. Die Höhe der Beihilfen nach Abs. 6,1 setzt die Verwaltung nach den Vorschlägen des Unterstützungsausschusses fest. Die außerordentlichen Beihilfen nach Abs. 6, 2 setzt der Unterstützungsausschuß selbständig fest. 9. Das Vereinsvermögen ist bei einer von der Verwaltung zu bestimmenden Bank anzulegen. 10. Zur Geldanlage und zur Erhebung von Zinsen ist der Kassier ermächtigt. Die Wiedererhebung der Papiere kann nur gemeinschaftlich durch den ersten Vorsitzenden und den Kassier erfolgen. Bezirkskonferenz Fürlh. Die nächste Konferenz findet am 23. Februar statt. Tagesordnung: 1. Mischna (Referent Ellinger): 2. Apologetische Behandlung von Bibelstellen, 2. Teil (Referent Ellinger): 3. Behandlung der Wunder des Pentateuch in der Schule (Referent Gutmann); 4. Besprechung wichtiger Vereins- und Standesfragen. Blumenthal. Einzahlungen im Januar 1930. Von: Pollack, Marktbreit, 5.—; Strauß, Windsheim, 20.—; Dr. Eschwege, Frankfurt, 10.—; Bravmann, Königshofen, 31.—; Gutmann, Üttingen, 30.—; Gutmann, Schnaittach, 10.—; Fulder, Treuchtlingen, 15.—; Prof. Unna, Nürnberg, 30.—: Strauß, Uffenheim, 20.—; Gutmann, Ottensoos, 15.— Gutmann, Köln, 20.—; Schwarzenberger, Bödigheim, 10.—; Gundersheimer, Brückenau, 15.—; Rosenfeld, München, 30.—; Adler, München, 30,—; Krämer, München, 15.—; Dr. Bamberger, Nürnberg, 30.—; Gönninger, Zirndorf, 15.—; Kahn, Krumb ach, 12.—; Mandelbaum, Würzburg, 10.—; Sonn, Großlangheim, 15.—; Eldod, Höchberg, 15.—; Wechsler, Aschbach, 30.—; Blumenthal, Hofheim, 30.—; Gutmann, Fürth, 15.—; Adler, Frankfurt, 20.—; Adler, Nürnberg, 30.—; Hammelburger, Jchenhausen, 20.—; Anfänger, Würzburg, 7.50; Sonn, Buftenwiesen, 30.—; Freudenberger, Thüngen, 15.—; Wähler, Hörstein, 15.—; Sonn I., Würzburg, 15.—; Schuster, Ellingen, 15.—; Eisfeld, München, 15.—; Kirschner, München, 15.—; Dr. Klugmann, München, 15.—; S. Glaser, München, 15.—; H. Glaser, München, 10.—; F. Kissinger, München, 15.—; I. Kissinger, München, 15.—. Durch: Gutmann, Qttingen, 15.—; Gundersheimer, Brückenau, 18.—; Hellmann, Würzburg, 25.—; Neumann, Feuchtwangen, 11.—; Rosenfeld, München, 140.—; Adler, München, 16.—. Würzburg, 2. Februar 1930. M. Hellmann. Postscheckkonto: Nürnberg Nr. 6479. vü^ersckau Juden in der deutschen Politik. Von Rudolf Schay. (Welt-Verlag Berlin. Dieses Buch zeigt in einer kurz gefaßten Einleitung den Weg, den Deutschland in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht seit 1815 bis zur Gegenwart beschritten hat. Dabei wird der Nachweis erbracht, daß die bürgerliche Gesellschaft, die den deutschen Wirtschaftskörper vollständig beherrschte, auch allmählich wachsenden Einfluß auf die Staatsgeschicke bekam, bis ihr nach dem Zusammenbruch 1918 die Regierungsgewalt restlos zufiel. Neben dem wirtschaftlichen und politischen Werdegang des deutschen Volkes behandelt die Einleitung auch die entsprechende geistesgeschichtliche Entwicklung. Ausgehend von Fichtes Tatphilosophie über Heaels Entwicklungsidee zeigt der Verfasser die revolutionierenden Wirkungen der Junghegelianer, die „die Romantik unbarmherzig zerstörten und der Ädee des christlichen Staates den Todesstoß versetzten". Im zweiten Teil der Einleitung zeigt der Verfasser die Entwicklung der Judenftage in diesen hundert Jahren. Was der Verfasser hier bringt, ist wohl größtenteils bekannt; aber die wunderbare Sprache und der strenglogisch« Aufbau gerade dieses Teiles wirken faszinierend. Freilich erscheint uns manche Beurteilung nicht in allen Punkten zutreffend und im Feuer der Begeisterung übertrieben, so z. B. wenn er von Marx schreibt. „Was er mit der ganzen Unerbittlichkeit seines ins Letzte dringenden Intellekts erkannte, was er mit der ungeheuren Kraft seines Willens forderte, das war die uralte Erkenntnis und der Wille des jüdischen Propheten... Marx war nie... ein Jude in irgendeinem theologischen oder nationalen Smn — denn er war es in einem unendlich höheren Sinn. Und er war der größte Jude seines Jahrhunderts." Es ist unmöglich hier auch nur einen Auszug aus der Schilderung des Judenschicksals eines Jahrhunderts und aus der Tätigkeit der markantesten Persönlichkeiten zu bringen. Das Buch deutet in der Einleitung alles nur an und es will durchaus keinen apologetischen oder kämpferischen Zweck verfolgen, wenn es „eine Reihe biographischer Skizzen über das politische Wirken von Persönlichkeiten jüdischer Herkunft in Deutschland" bringt. Es will nur Kenntnis geben, „in welcher Weife sich die Stellung der Juden in Deutschland und ihre besondere Geisttgkeit auf das polittsche und geisttge Schicksal des deutschen Volkes ausgewirkt haben". In diesem Sinne behandelt das Buch das Leben und Schaffen der großen jüdischen Polittker der letzten hundert Jahre, die großen Reooluttonäre Marx und Lasalle, den Vater des Sozialismus und auch des Zionismus Moses Heß, den radikalen Vorkämpfer republikanischer Staatsgesinnung Johann Iacoby, den geistigen Vater der modernen Abwehrbewegung und glühenden Patrioten Gabriel R i e ß e r; Friedrich Julius Stahl, der den ideologischen Grund des christlichen Staates mauerte und Begründer und Wortführer der konservativen Partei war, die Führer des Liberalismus Lasker und Bamberger, den jetzt 80jährigen Eduard B e r n st e i n und seinen sozialistischen Gesinnungsgenossen Ludwig Frank, der die Liebe zu seinem Vaterlande mit seinem Blute besiegelte, die radikale Spartakistin Rosa Luxemburg und den Ethiker und Ästheten unter den Sozialisten Kurt E i s n e r, den Schöpfer der Reichsverfassung Hugo Breuß, die tonangebenden Journalisten und Polittker Theodor Wolfs und Georg Bernhard und endlich den großen Staatsmann und edlen Menschen Walther Rathenau. Sie alle haben „ihre besten Kräfte, ihre stärksten Leidenschaften, ihre heißeste Liebe nicht dem Judentum sondern dem Deutschtum gewidmet". Viele von ihnen haben dieser Liebe ihr Leben geopfert. Und der Dank? So wundert es uns nickt, wenn Rudolf Schay in verzweifeltem Pessimismus schließt. Wir teilen diese verzweifelte Sttmmung aber durchaus nicht. Wir haben genug jüdischen Optimismus um zu glauben, daß es auch wieder anders werden wird. Das sehr wertvolle Buck wünschen wir in die Hand jedes Lehrers, dem es sehr viel bieten wird. Unentbehrlich holten wir es aber für jeden, der draußen im Abwehrkampfe seinen Mann stellen muß. M.A. k. Rothschild, hebräische Quadrolschrift Verlag für Schriftkunde Heintze & Blankertz. Berlin-Leipzig. Die hebräische Quadratschrift als Schrift wurde seit langem als Aschenbrödel behandelt. Die frühere jüdische Schule pflegte die die hebräische Kurrentschrift im sogenannten Jüdisch-Deuffch, das als solches im wesentlichen als anttauiert angesehen werden darf und allenfalls noch kulturhistorisches Interesse bietet. Erst der neuzeitliche Unterricht, der sich auch in der Erlernung des Hebräischen den allgemeinen Unterrichtsmethoden anpaßt und den Anfangsunterricht als „Schreiblesen" erteilt, hat die Dfleae der Quadratschrist wieder aufnenommen. Wenn der Erstunterricht mit Rücksicht auf die geringe Schreibferttakeit der Kinder zunächst möglichst vereinfall, te Formen herausarbeitet, so will nun Rothschild auch das hebräische Schreiben im Sinne des heutigen Sckreibunterrichts auf die Stufe der S ch r i f t k u n st als Persänlichkeitsausdruck wie als Mittel zur Kunsterziehung emvorheben. Und in der Tat! Welche Schrift wäre hierzu geei-meter als die hebräische Quadratschrift mit ihrem wunderbaren architektonische Aufbau und ihrer einzinartigen d-korattv-ornamentalen Wirkuna. Die Mittel zum voraez-ückneten Ziele neben uns die modernen Schriftmerkieuae. wie die Redis- und Ly-Federn. an die Hand. Mit dem Rothschildschen Bucke bat die Firma Heinde Sc Blankerd auch eine neue Feder, die ..R«dis D" herauso-brallit. die sich speziell für das neue hebräische Schreiben eignet. Die Schristoraben müssen in dem Büchlein, das vornehmlich für die Juaend gedacht ist. selbst nachaeseben werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein solcher Schreibunterricht Freude — eines der wertvollsten Erziehunosmomente — bereiten und ein uraltes und heiliges Kulturgut unserer Jugend wieder seelisch näher bringen wird. R. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München.

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