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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-02-15 · 4 (15.2.1930) · p. Seite 52

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
4 (15.2.1930)
Article
Der Chassidismus
Date
1930-02-15
Page
Seite 52 (sequence 2)
Language
German
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58 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 Eiectrola Coimnnia Odeon Graminopnon Parioption DSW. SCHRAMM steinwoy & Sons toacü kennen Tnormer Scniedmayer nsw. legen. Sie läßt sich in einem Satz vereinigen: Gott ist in jedem Ding zu schauen und. durch jede reine Tat zu erreichen. Diese Einsicht ist aber keineswegs, wie man vermeint hat, der pantheiftischen Weltanschauung gleichzusetzen. Für die chassidische Lehre ist die ganze Welt nur ein Wort aus Gottes Mund; und dennoch ist das geringste Ding in der Welt würdig, daß Gott sich aus ihm dem Menschen, der ihn wahrhaft sucht, offenbare, denn kein Ding kann ohne einen göttlichen Funken bestehen, und diesen Funken kann jeder zu jeder Zeit und durch jede, auch die gewöhnlichste Handlung entdecken und erlösen, wenn er sie nur in Reinheit, ganz in göttlicher Ausrichtung gesammelt, vollbringt. Darum gilt es nicht, in einzelnen Stunden nur und mit bestimmten Worten und Gebärden Gott zu dienen, sondern mit dem ganzen Leben, mit dem ganzen Alltag, mit der ganzen Weltlichkeit. Nicht darin besteht das Heil des Menschen, daß er sich vom Weltlichen fernhalte, sondern daß er es heilige, es dem göttlichen Sinn weihe: seine Arbeit und seine Speise, seine Ruhe und seine Wanderschaft, den Aufbau der Familie und den Aufbau der Gesellschaft. Daß er die große Gottesliebe an allen Kreaturen, ja an allen Dingen bewähre. Nie hat in Europa eine große Volksgemeinde — nicht ein Orden Abgeschiedener, nicht eine Bruderschaft Auserwählter, sondern eine Volksgemeinde in all ihrer geistigen und sozialen Vielfältigkeit, in all ihrer Gemischtheit — so das ganze Leben als eine Einheit auf das innerlich Erkannte gestellt. Hier ist keine Trennung zwischen Glauben und Werken, zwischen Wahr- Mittelschule für jüdische Den schönsten Erfolg der Israelitischen Volksschule München erblicken wir darin, daß von den Eltern unserer Schüler dauernd das Ansinnen an uns gestellt wird, die Schule aufzubauen. Wenn ein Schulkind vier Jahre hindurch die Vorzüge der jüdischen Schulerziehung in jüdischem Geiste genossen hat, ist der Übergang zu dem Verkehr mit andersgläubigen Mitschülern und Lehrernmit häufig judenfeindlicher Einstellung besonders schwierig. Leider können diese Elternwünsche nicht erfüllt werden. Wenn auch viele Eltern uns zugesagt haben, daß sie darauf verzichten, ihre Kinder in eine Mittelschule zu schicken, wenn wir ihnen die Möglichkeit bieten, auch die 5.—8. Klasse unter entsprechender Ergänzung des Schulstoffes an unserer Schule besuchen zu können, so fürchten wir doch, daß diese Kinderzahl zur Bildung von Einzelklassen nicht ausreicht. Zu Sammelklassen können wir uns im Interesse der Leistung der Schule nicht entschließen. Eine jüdische Mittelschule scheitert an der Kostensrage. Auch die Mannigfaltigkeit der Schulgattungen könnte eine jüdische Mittelschule nicht bieten. Wir müssen uns deshalb mit einer Teillösung begnügen und uns zunächst auf die Mädchenschulbildung beschränken. Ein großer Teil der Mädchen findet — im Gegensätze zu den Knaben — in den öffentlichen Mittelschulen wegen Uberfüllung keine Aufnahme und ist auf private Schulen mit dem Charakter höherer Mädchenschulen oder Lyzeen angewiesen. Wir wollen nun den Versuch machen, diesen Mädchen eine Schule zu bieten, welche den Anforderungen an jüdische Religionsausübung mehr Rechnung trägt, als dies in anderen heit und Bewährung, in heutiger Sprache zwischen Moral und Politik; hier ist alles Ein Reich, Ein Geist, Eine Wirklichkeit. Wohl ist die legendäre Größe der chassidischen Ahnen in den Enkeln geschwunden, und sie bemühen sich, durch allerlei kleine Magie ihre Macht zu bewahren; aber all ihr Getue vermag das angeborene Leuchten ihrer Stirn nicht zu verdunkeln, die angeborene Erhabenheit ihrer Gestalt nicht zu verzerren: ihr unwillkürlicher Adel spricht zwingender als all ihre Willkür. Und wohl lebt in der heutigen Gemeinde nicht mehr jener hohe Glaube der ersten Chassidim, jene starke Hingabe der Ersten, die im Zaddik den vollkommenen Menschen ehrten, in dem das Unsterbliche feine sterbliche Erfüllung findet; vielmehr wenden sich die Heutigen an ihn vornehmlich als den Mittler, durch dessen Fürsprache sie Stillung ihres Bedürfens zu erlangen hoffen; aber es ist immer noch, ihrem niederen Wollen entrückt, ein Schauer urtiefer Ehrfurcht, der sie ergreift, wenn der „Rebbe" im stummen Gebet steht oder beim dritten Sabbatmal in zögernder Rede das Geheimnis der Thora deutet. Auch in diesen Entarteten glüht noch, im ungekannten Grund ihrer Seelen, das Wort des Rabbi Eleasar fort, um des vollkommenen Menschen („Zaddik") willen, und sei es um eines einzigen willen, sei die Welt erschaffen worden; „denn es heißt: Und Gott sah das Licht, daß es gut war; ,gut^ aber meint nichts andres als den Vollkommenen" (Talmud Babli, Ioma 38b). Mädcken in München Schulen bisher geschah. Der Stundenplan soll so gestaltet werden, daß jüdische Mädchen am Schabbos dem Unterrichte fernbleiben, können, weil an diesem Tage nur Unterricht in technischen Fächern, also Handarbeit, Zeichnen, Turnen, Singen, dann in christlicher Religion erteilt wird und die jüdischen Mädchen Gelegenheit haben sollen, an Wochentagen am technischen Unterrichte in anderen Klassen, zum Teile während der Religionsstunden der Mitschülerinnen der eigenen Klasse, teilzunehmen. Die Leitung der Schule, welche wir für unsere Absichten bereits gewonnen haben, glaubt dafür bürgen zu können, daß die Mädchen durch diese Regelung keine Einbuße an Kenntnissen erleiden werden und ist überzugt, daß sich die jüdischen Mädchen, von welchen schon seither eine größere Zahl die Schule besucht hat, dort wohl fühlen werden. Sie wird ferner den Stundenplan so zu gestalten suchen, daß für diejenigen, welche Wert auf vermehrten Religionsunterricht legen, am Ende der Unterrichtsstunden noch Zeit für diesen verbleibt. Die Schule besteht seit einer langen Reihe vyn Jahren, ist als eine der besten Privat- Mädchenschulen Münchens bekannt, ist in zwei Abteilungen, höhere Mädchenschule und Lyzeum, gegliedert und bietet alle Gewähr für vorzügliche Ausbildung. Wir hoffen mit diesem Abkommen den Eltern unserer Volksschülerinnen das vorläufig Erreichbare bieten zu können. Nähere Auskunft erteilt Herr Felix Feuchtwanger, Schönfeldstraße 32, Tel. 22394. Israelitische Volksschule München. Hotel Kaiserhof München Schnlzenstralte 12 Oebr. Greif Beliebtes Caf6 - Restaurant # Künstler-Kapelle

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