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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-02-15 · 4 (15.2.1930) · p. Seite 54

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
4 (15.2.1930)
Article
Berufsgliederung der Juden in Bayern
Date
1930-02-15
Page
Seite 54 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gememdezertung 55 ftrieunternehmungen sowie Verkaufsstellen des jüdischen Handwerks (Fleischerei) 248, in den Büros der öffentlichen Verwaltung und der freien Berufe sowie des Gesundheitswesens 187, im Bank- und Börsenwesen 67. Die — ausschließlich weiblichen — 508 jüdischen Hausangestellten waren sämtlich bei.jüdischen Arbeitgebern beschäftigt, davon 162 bei Selbständigen im Handels- und Verkehrswesen. Als gewerbliche Arbeiterin kommt die jüdische Frau so gut wie gar nicht in Frage, es sei denn in speziellen Berufen des Bekleidungsgewerbes, jedenfalls dürste für den jüdischen Volksteil Bayerns das sonst so schwer empfundene Problem der Doppelbelastung durch Haushalt und außerhäusliche Erweeböarbeit in abhängiger Stellung kaum vorhanden sein. Dafür spricht auch die verhältnismäßig hohe Quote der jüdischen Ehefrauen ohne Hauptberuf. Bei den Juden trafen auf 100 männliche Erwerbstätige (außer mithelfenden Familienangehörigen und Hausangestellten) 56,8 Ehefrauen ohne Hauptberuf, in ganz Bayern nur 58,2. Was aber die sonstigen weiblichen berufslosen Fämilienangehörigen anlangt, so treffen bei diesen auf 100 männliche Erwerbstätige bei den Juden 45,7 gegen 48,5 im Landesdurchschnitt. Dieser Unterschied dürste jedoch weniger auf einer stärkeren Erwerbsbetätigung der jüdischen Mädchen beruhen als auf der an sich spärlicheren Nachwuchsgestaltung in den jüdischen Familien, worauf in einer besonderen Abhandlung näher einzugehen ist. Dr. PH. Schwartz. Oie Nolle der Juden in Wirtschaft und Seselljchattsaukbau der europäischen Völker besonders in Deutschland VorfragenzueinerexaktenFeststellung Der Anteil der Juden am Wirtschaftsleben Europas nach der geschichtlichen Entwicklung und nach dem gegenwärtigen Stand ist historisch, sozialwissenschaftlich und politisch ein immer dringlicher werdender Untersuchungögegenstand. Geistreiche Thesenbücher (von Max Weber, Scheler, Sombart) über die Verwandtschaft des jüdischen Geistes (namentlich der jüdischen Rasseneigenart und der jüdischen Religion) mit einer spezifisch kapitalistischen Wirtschaftsgesinnung haben die Erforschung der entwicklungsgeschichtlichen Seite der Frage geradezu gelähmt und statt exakter methodischer Einzelarbeiten, die hier nottun, Konstruktionen und immer wiederkehrende Abwandlungen der gleichen Behauptungen gebracht, die wohl vor zwanzig Jahren kühne, wegweisende Anregungen waren, die aber die entsagungsvolle wissenschaftliche Kleinarbeit ablenkten und hemmten. Die Erforschung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Juden in der Gegenwart stand ebenfalls bis jetzt unter einem Unstern. 1927 wurde endlich bei der Akademie für die Wissenschaft des Judentums eine Sektion für Statistik und Wirtschaftskunde eingerichtet. Für 1950 steht die Veröffentlichung einer Arbeit über den Aufbau der jüdischen Bevölkerung des Deutschen Reiches nach Alter, Familienstand und Berufsgliederung bevor, außerdem eine Spezialbearbeitung der Berufsverhältnisse der Juden in Preußen von 1812 — 1861. Die offiziellen Publikationen des Statistischen Reichsamts und der Landesämter reichen zu diesen Untersuchungen nicht aus. Das Urmaterial muß besonders bearbeitet, eigene Fragestellungen und Methoden müssen für unsere Aufgabe gefunden werden. Die bedeutsame wissenschaftliche Originalarbeit an der Spitze dieser Nummer ist von der Schristleitung angeregt, das Thema von ihr besonders gestellt worden. Dank der Unterstützung des bayerischen statistischen Landesamts, seines hervorragenden Präsidenten, Professor Zahn, und eines seiner besten Mitarbeiter wird es künftig möglich sein, weitere selbständige Arbeiten zur Wirtschaftskunde und zum sozialen Aufbau der Juden, vor allem in Bayern, mit den dazu gehörigen Vergleichen, aus dem Urmaterial hier zu veröffentlichen. Mit allgemeinen Betrachtungen aus zufälligen Einzelbeobachtungen, oft auch unangebrachter apologetischer Färbung, kommen wir nicht weiter. Wir wissen, daß die große Wendung in dem jüdischm Anteil an der deutschen Wirtschaft begonnen hat und aus den verschiedensten Ursachen rasche Fortschritte macht. Die exakte Feststellung der zwangsläufigen Tatsachen ist für einschneidende praktische Entschlüsse, namentlich in der Berufswahl der Jugend, und für die gesamte jüdische Einstellung von der größten Wichtigkeit. Auch Spezialarbeiten über Einzelberufe und über den jüdischen Anteil daran sollen vorbereitet werden. L. F. Um den jüdischen Lehrling Von Julius Weil, Leiter des In den Sprüchen der Väter lesen wir von Elischa den Abuja: „Wer als Kind lernt, gleicht der Tinte, mit der geschrieben wird auf frisches Papier — wer im Atter lernt, gleicht der Tinte, mit der geschrieben wird aus verlöschtes!" Es ist eine nicht leichte Zeit für Eltern, deren Kinder vor dem Schulschluß stehen, insbesondere da, wo die letzten Schuljahre keine positive Berufszuneigung gereift haben — aber auch dort nicht, wo die Berufswahl vom Kinde selbst ausgeht. Wie dem auch sei — in jedem Falle kann den Eltern in dieser Zeit nicht ernst genug zugerufen werden: „Erschwert euren Kindern diesen wichtigen Moment nicht durch eure eigene Unschlüssigkeit!" Es ist doch natürlich, daß selbst dort, wo das Kind an einen bestimmten Beruf denkt, die erforderliche innere Sicherheit erst dann gegeben ist, wenn die Eltern seinen Plan durch ein klares Einverständnis unterstützen. Wieviel mehr aber brauchen Kinder, die weder zu jenem noch zu diesem Berus eine absolute Neigung zeigen, den Rückhalt zielbewußter, elterlicher Führung! Und wie schwer wick» hier gesündigt! Mit der Tante und dem Onkel, dem £ und dem A, Jsr. Lehrlingsheims, München bis zum flüchtigen Besuchsgast wird durchberaten und durchgesprochen, Meinungen eingeholt und Ansichten verglichen, was der gute Junge eigentlich werden soll. Er selbst sitzt natürlich dabei, um den sich alles dreht, die Auswahl an Ratschlägen gefällt der kindlichen Phantasie gar nicht übel, und erreicht ist damit die Unfähigkeit des Kindes, seine Pläne und Berufsgedanken um ein festes Ziel zu konzentrieren. Wenn dann auf diese Weise der Schulschluß nur allzu rasch herankommt, so entscheidet man nach dem guten Ausweg einer Großmutter, daß es dem Jungen gar nichts schadet, wenn er noch ein halbes oder ein Jahr zu Hause bleibt und sich von den Strapazen und Mühen der Schule erholt! Eindringlichst sollen hier die Eltern gewarnt werden, so sträflich an ihren Kindern zu handeln! „Je später du lernst, desto mehr gleichst du der Tinte, mit der geschrieben wird auf verlöschtem Papier." Nicht früh genug können Eltern in Fühlungnahme mit Lehrern und Erziehern Eindrücke sammeln über irgendwelche hervorstechende

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