Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 4 (15.2.1930)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1930-02-15
- Page
- Seite 47 (sequence 1)
- Language
- German
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Bayerische Kachcichtenblatt öer Israelitischen Kuttusgemelnüen in München unü Augsburg unö öes Verbanöes Hagerischer Israelitischer Gemeinöen Israelitische Gemeinüezeitung Äachrichtenblatt üer Israelitischen Kultusgemeinüen in München unü Augsburg Lrschelnl am 1. unö 75. seöen Monats. — Verlag: S. Heller, München, Sezugspreis für nicht elngewleseoe Sezleher: Reichsmark 4-So für Üas Pllnganserstraße 34/ Kernruf 75<*<*4 unö 73663, Postscheck München Z5>S7. Jahr. AnzelgenprelS: Die 4 gespaltene Millimeter-Zelle 40 Relchspsennig vchristleitung: Dr. Luöwig Keuchtwanger, München, Grillparzerstraße 5S Komlllenanzelgen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Reichspsenulg VI. Jahrgang_ München, 55. Kebruar r-zo Ar. 4 Inhalt: Berufsgliederung der Juden in Bayern — Die Rolle der Juden in Wirtschaft und Gesellschaftsaufbau der europäischen Völker besonders in Deutschland — Um den jüdischen Lehrling — Die Problematik moderner Humanität — Martin Buber spricht in München und Augsburg — Der Chassidismus — Mittelschule für jüdische Mädchen in München — Aus der Gemeinde München — Aus den bayerischen Gemeinden — Rundfunkpolemik — Lehrerzeitung — Aus der Gemeinde Augsburg — Ist Religion lehrbar? — Personalia verutsgliederung der Juden in kapern Die Gesamtzahl der Juden in Bayern stellt sich nach der Volkszählung von 1925 auf 49 163. Darunter sind die Anhänger des mosaischen Bekenntnisses — Reichsdeutsche wie Ausländer — verstanden; Angehörige der jüdischen Gemeinschaft, die nach Austritt aus der israelitischen Kultusgemeinschaft einen anderen Glauben angenommen haben oder religionslos geworden sind, sind in dieser Zahl nicht enthalten. Indessen bilden die an ihr religiöses Bekenntnis gebundenen Israeliten doch wohl die Hauptmasse des bayerischen „Judentums", so daß die von obiger Zahl ausgehenden statistischen Untersuchungen als genügend „repräsentativ" angesehen werden können. Von den 49 163 Juden stehen 21 233 — 43,2 Prozent — im Erwerbsleben. Damit erscheint die jüdische ErwerbSzifser erheblich niedriger als die gesamtbayerische, welche 53,6 Prozent beträgt. Dieser Unterschied erklärt sich in der Hauptsache aus der weit geringeren Erwerbsbetätigung bei den jüdischen Frauen, was wiederum mit der besonderen Eigenart der jüdischen Berufsschichtung zusammenhängt. Anderseits steht die Erwerbszisser der jüdischen Männer über dem Landesdurchschnitt: Erwerbstätige Juden Bayern absolut in Prozenten der Gesamtbevölkerung absolut in Prozenten ' der Gesamtbevölkerung männlich weiblich 16 825 4 408 70,6 17,4 2 400 411 1 560 080 67,5 40,7 zusammen 21 233 43,2 3 960 491 53,6 Wie auch in anderen Ländern konzentriert sich die Hauptmasse der jüdischen Erwerbstätigen, auch der „Berufsbevölkerung" überhaupt (Erwerbstätige nebst ihren berufslosen Familienangehörigen), in den Handelsberufen, nächftdem in gewissen Zweigen der Industrie und der freien Berufe. Ganz zurück tritt die Landwirtschaft, wodurch die Gegensätzlichkeit der jüdischen Berufsschichtung zu der gesamtbayerischen am deutlichsten gekennzeichnet wird: Berufsabtcilung! (Erwerbstätige und Erwerbstätige ■, Familienangehörige ohne Hauptberuf) abfohitj in Prozenten Juden | Bay. abfolutj ( Juden rzenten Bay. Landu. Forstwirtschaft 1 776; 3,6 43,8! 983 2,0 34,9 Handwerk undJndustrie | 4 031! 19,0 33,7! 7 919! 16,1 34,2 Handel und Verkehr . . 1 14 186; 66,8 12,6 29 132 59,3 13,2 Verwaltung,fteieBerufe 1 123! 5.3; 4,4 1 2 454! 5,0 4,6 Gesundheitswesen . . . Häusliche Dienste, Lohn¬ 714 3.4 1 1.6 | 1 353; 2,8 1,3 arbeit wechselnder Art 403 1(9 i 3,9 405 0.8 2.3 Ohne Beruf.| 1 6917; 14,0 9,5 Zusammen.j 21 233 100,0 100,0 49 163| 100,0 100,0 Damit erreicht das jüdische Element in der Berufsabteilung „Handel und Verkehr" die beachtliche Quote von 2,8 Prozent innerhalb sämtlicher bayerischen Erwerbstätigen dieser Gruppe, während die Juden an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen in Bayern nur mit 0,5 Prozent, an der Gesamtbevölkerung mit 0,7 Prozent beteiligt sind. Die Eigenart der jüdischen Berussschichtung zeigt sich aber erst in ihrem vollen Licht bei Berücksichtigung der sozialen Gliederung. Dafür stehen freilich nur die berufsstatistischen Kategorien der Selbsttätigen, Angestellten, Arbeiter, mithelfenden Familienangehörigen und Hausangestellten zur Verfügung, welche die tatsächliche soziale Schichtung nur unzureichend zum Ausdruck bringen. Diese wird bekanntlich in erster Linie bestimmt durch das Einkommen, den Gegensatz von reich und arm, durch Unterschiede im Bildungsgrad, durch überlieferte, gewissen Berufen dargebrachte gesellschaftliche Wertschätzung und endlich durch die statistisch in keiner Weise faßbare — besondere Geltung -- Msttin Silber spricht in München und Augsburg - Näheres auf Seite 57