Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 3 (1.2.1930)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 33 (sequence 1)
- Language
- German
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Kachrichtenblatt öer Israelitischen KultuSgememöen in München unö Augsburg unü ües VerbanöeS ßagerischer Israelitischer Gemeinöen Erscheint am 1. unö 15. jeöen Monats. — Verlag: ß. Heller, München, pltngansersteaße 64, ßernrus 75 6 64 unü 73663/ Postscheck München 5987. vchristleitung: vr. Luöwlg Keuchtwanger, München, Grillparzerstraße 58 ßezugsprett für nicht elngewtesene ßezteher: Reichsmark 4.80 für ÜaS Jahr. Anzeigenpreis: Sie 4 gespaltene Millimeter-Zelle 40 RetchSpfeonig ßamllienanzeigen, Stellengesuche unü ähnliche Angebote 1f Reichspfeuuig VI.Jahrgang München/1. Februar 1930 Kr.) Inhalt: Die Gottesfurcht der hebräischen Hebammen — Das unsterbliche Blut — Herbert Eulenberg reist in Palästina — Simfon — Das Schächtverbot in Bayern — Joseph Roth — Juden auf Wanderschaft — Bon jüdischen Büchern — Aus der Gemeinde München — Aus den bayerischen Gemeinden — Bon den Hochschulen — Aus dem Verbände — Geschäftsnachrichten — Perfonalia vie öolteskurckt der hebräischen kebammen Zum Wochenabschnitt Schemoth (2. Buch Mose, Kap. 1, Vers 21.) Gleichzeitig eine Einführung in das Werk von Pahuda, Die Sprache des Pentateuch in ihren Beziehungen zum Ägyptischen (Verlag Walter de Gruyter, Berlin 1929) Voriges Jahr wurde man durch die Meldung einer angeblich großen Entdeckung überrascht, die der jüdische, früher in Heidelberg und Madrid dozierende Orientalist Pahuda über die fünf Bücher Moses gemacht haben soll. In der „Frankfurter Zeitung" erzählte Karl Wolfskehl einem großen Publikum mit Begeisterung von dem gelehrten Werk Pahudas, „über dessen Ziel und Ergebnisse nur mit Erregung gesprochen werden kann". Es sei darin „die Echtheit der fünf Bücher Moses", also die Richtigkeit der Tradition gegenüber den bibelkritischen Hypothesen und Feststellungen wissenschaftlich zu beweisen unternommen, und dieses Unternehmen sei „nach dem Gefühl" Wolsskehls auch tatsächlich geglückt. Seitdem ist ein Jahr vergangen. Man hat Zeit gehabt, das viel umstrittene Werk, das in einem angesehenen wissenschaftlichen deutschen Verlag erschienen ist, genau anzusehen. Pahuda hat vor ganz kurzer Zeit über seine Forschungen in Berlin vor einem größeren Kreis gesprochen; seine Thesen sind in der Presse im Dezember eifrig erörtert worden. Es geht tatsächlich nicht mehr um eine gelehrte Frage allein, sondern wie vor 27 Jahren in dem Bibel-Babel-Strekt ist auch die breitere Öffentlichkeit mit den Entdeckungen Pahudas befaßt worden. Es sind nun aber die allerschlimmften Befürchtungen am Platz, wenn die „breitere Öffentlichkeit", die großen Berliner Zeitungen, die Frage des Einflusses des Ägyptischen auf Sprache und Stil des Urtextes des Pentateuch im Morgenblatt oder Abendblatt erörtern. Denn darum geht es. Keine Angst: Weder treibt Pahuda „Bibelkritik", noch soll irgend etwas aus diesem weitläufigen Gebiet hier traktiert werden. Von „Richtigkeit" oder „Unrichtigkeit" der Tradition ist in dem Werk nicht im entferntesten die Rede. Von viel Einfacherem: Pahuda sammelt aus der Ioseph- und Äuszugsgeschichte, aus dem Schöpfungsbericht und aus einem Keinen Teil der Erzväter-Erzählungen Einzelworte und Einzelftellen, die auf ägyptische Wortbildungen und grammatikalische Formen zurückgehen. Es ist ihm darum zu tun, gleiche Konsonantenkörper im Hebräischen und in der Sprache der Hieroglyphen, die ähnliche Bildung von Eigennamen, ein- und dieselbe Redewendung, den gleichen Kulturstoff in beiden Sprachen zusammenzustellen, also etwa gleiche Titel- und Ämterbeziehung hier und dort, dann die gleiche Kult- und Gerichtssprache, Namen und Attribute Gottes und so fort. Und aus diesen Übereinstimmungen leitet der Verfasser dann die kühne These ab, daß die Sprache des Pentateuch, also unsere klassische hebräische Sprache sich im ägyptischen Milieu der uns wohlbekannten 18. und 19. Dynastie gebildet habe, also in der Zeit, in der Israel in Ägypten war, von 1580 vor unserer Zeitrechnung an. Der primitive kananäische Dialekt der Israeliten aus den vorägyptischen Wohnstätten wäre unter ägyptischem Einfluß zu einer literarischen Sprache, eben zu unserem Hebräisch emporgeftiegen. Ägypten habe überhaupt den nachhaltigsten Einfluß auf Leben und Anschauungen des alten Israel ausgeübt, nicht, wie man bisher annahm, Babylonien und Assyrien. Es ist hier nicht der Platz, im einzelnen zu zeigen, warum das Material, das Pahuda aus dem Ägyptischen und Semitischen herbeigebracht hat, zur Erhärtung seiner Behauptungen nicht ausreicht. Es fällt mir auch nicht ein, über die wissenschaftliche Leistung, die hier vor uns liegt, so obenhin hier zu urteilen. Ich habe die sprachwissenschaftliche und sonstige Bedeutung des Werkes fachlich, sehr bald nach seinem Erscheinen, voriges Jahr im „Morgen" eingehend untersucht, im wesentlichen mit einem negativen Ergebnis. Hier sei nur noch, um einen Begriff von der Art der Beweisführung und Urteilsbildung Pahudas zu geben, ganz kurz die Behandlung der berühmten Thora-Stelle, aus Schemoth (2. Buch Mose, Kap. 1, Vers 21) besprochen. Es ist die Rede von der Bedrückung der Israeliten in Ägypten unter dem neuen Pharao, von seinem Befehl an die hebräischen Hebammen, die neugeborenen jüdischen Knaben zu töten und von der Befehlsverweigerung der gottesfürchtigen Geburtshelferinnen. „Und die