Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 2 (15.1.1930)
- Article
- Am Ende der Philosophie [Rezension]
- Date
- 1930-01-15
- Page
- Seite 28 (sequence 1)
- Language
- German
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28 Bayerische Israelitische Gemeindezertung Nr. 2 vückerschau Am Ende der Philosophie. Von Dr. Ludwig Freund. Ein kritisches Wort an die Zeit und ihre Philsophen. Etwa 176 Seten. Verlag von Ernst Reinhardt in München. Preis broschiert RM. 7.80, Leinen RM. 9.50. Als hochbegabter Schüler von Hans Driesch, mit dem ganzen wissenschaftlichen Rüstzeug auch der modernen Philosophie ausgestattet, zieht der Verfasser das Fazit von Kant bis zur jüngsten Gegenwart, von der Höhe einer stolzen Vergangenheit bis zu den Niederungen, in denen die Metaphysik heute gelandet und versandet ist. Dabei ist er keineswegs blind gegen die Jrrtümer Kants, er legt auch an Schopenhauer seine kritische Sonde und die wenig gesunden Keime in dem Chaos der Philosophie der Gegenwart sind ihm nicht entgangen. Was diesem Buch eine besondere Note gibt, ist die Tatsache, daß der Verfasser aus der Fülle seines Herzens und seines Könnens heraus auf jeder Seite etwas zu sagen hat, daß er jeden Gedanken in einer kristallklaren Sprache wiedergibt und daß er damit den in Deutschland lange vermißten Beweis dafür wieder erbringt, daß man auch über das Erste und Letzte, was den Menschen bewegt, über das Problem der Philosophie mit Geist und Anmut schreiben kann. Herr Dr. Hans Taub wird die Arbeit von Freund in der nächsten Nummer ausführlich würdigen. Jüdische Märchen und Sagen Lina Wagner-Tauber hat (im Verlag von W. Kaufmann, Leipzig 1930) dem Midrasch nacherzählt. Man soll das Buch den jüdischen Kindern zu Belehrung und Unterhaltung in die Hand geben, trotzdem die Erzählungen nicht alle gleichwerttg sind. Was soll ein Kind denken, wenn in dem Märchen „Rabbi Elieser" der Vater, der bis dahin Grund hatte, mit seinen Söhnen zufrieden zu sein und von ihnen sprach, daß sie alle tüchtige Bauern seien, keine Arbeit zu gering für sie, auf dem Felde Knechte und im Hause Herren, wenn er diese auf einmal enterbt, da er einen von ihnen als großen Gelehrten wiederfindet und zu ihm spricht: „Du allein sollst nur der Erbe meines ganzen, großen Reichtums werden!" Ein ungerechter Vater, ein Grauen für die kindliche Auch würde ich Worte, Ausdrücke, Begriffe wie „Gaumel benschen", „aufrufen", „Mizwaus", ja sogar das Wort „Chaser", wenn es schon dastehen muß, gerne übersetzt oder erklärt sehen. Vielleicht bedürfen es die Kinder der Verfasserin, denen das Buch gewidmet ist, nicht; einer Unzahl von jüdischen Kindern aber ist die Bedeutung dieser Worte gewiß ftemd. Im ganzen ist jedoch den Erzählungen Kindertümlichkeit nachzurühmen. Die Bilder sind aus dem kindlichen Gedankenkreis genommen, so wenn etwa von einer armen Frau gesagt ist, sie hielt ihre Kleinen so schmuck und sauber, „daß alle Leute, die vorübergingen, sie mit blank geriebenen Äpfeln verglichen". Sie schöpfen auf eine einfache Art und mit schöner Selbstverständlichkeit aus den Begriffsmöglichkeiten der Kinder, so daß man sogar zuweilen leise an die kindlich-orientalisch-traumhaft-dichterbunte Märchenhaftigkeit einer Lasker-Schüler erinnert wird. Es muß z. B. ein Kind tröstlich anmuten, daß sogar der liebe Gott manchmal nicht ganz allein weiß, was er tun soll und sich von der „Barmherzigkeit" beraten läßt in dem Märchen: „Die Erschaffung des ersten Menschen." Und so wie Gott sich beraten läßt, so läßt sich auch der Ehemann von seiner Frau die Wege weisen, und zwar dann, wenn es sich um die Kunst der Menschenbehandlung handelt in „Nikanor. der Kupferschmied". Am bedeutsamsten vielleicht ist die kleine Erzählung: „Simchas Thora". Darin wird erzählt, es habe kein Volk der Erde das schwere Gesetz annehmen wollen, bis zuletzt die Israeliten es bedingungslos taten; bedingungslos, ohne zu wissen, was darin stand, „denn es ist von Gott dem allmächtigen Vater". Da fragt jedoch der Engel: „Wer bürgt mir, daß Ihr das Gesetz halten werdet?" Israel antwortet: „Unsere Väter." Der Engel spricht: „Das genügt nicht." „Nun, dann die Propheten." „Auch diese genügen mir nicht", erwidert der Engel. Da spricht Israel: „Unsere Kinder werden dafür bürgen." — Und darum tragen die Kinder an Simchas Thora im Triumph die Thora in der Synagoge herum — als Bürgen des Gesetzes. Clem. Krämer. Her" ""1 das Lokal_ jedes Einheimischen und Fremden NEUER PÄCHTER J HANS FÜRST I Ein Hauch köstlich zarten 1 [ Parfüms schafft oft erst dieAtmosvhäre des völligen Wohlbehagens. Jede elegante Dame sollte darum nie auf ein individuelles, dezent. Parfüm verzichten. 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