Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1930
- Issue
- 1 (15.1.1930)
- Article
- Auszug aus dem Protokoll der 48. Mitgliederversammlung am 16. Juli 1929 in Nürnberg
- Date
- 1930-01-15
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Mitteilungen des Israelitischen Lehrrrvmins kür Wem Schriftleitung: Max Adler, München 1930 München, 15. Januar Nr. 1 ttuszug aus dem Protokoll der 48. Mitgliederversammlung am lö.luli 1929 in Nürnberg 1. Begrüßung, Tätigkeitsbericht. Der Vorsitzende begrüßt die Vertreter des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der Kultusgemeinde Nürnberg, des Rabbinates, der Religionsgesellschaft Adas Jiftoel, der beiden Nürnberger Logen und des Mitteldeutschen Lehrerverbandes. Er gibt der Versammlung Kenntnis von dem Hinscheiden des früheren langjährigen ersten Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden der Verwaltung Hirsch Goldstein s. A. und widmet ihm tiefempfundene Worte des Gedenkens. Die Versammlung ehrt den Heimgegangenen Führer durch Erheben von den Sitzen. Nach Begrüßungsansprachen der erwähnten Vertreter und dem Dank des Vorsitzenden nimmt dieser das Wort zu seinem G e - schäftsbericht, der im Auszuge bereits an dieser Stelle veröffentlicht wurde. ^Kassenbericht: Aus dem Bericht des Kassiers ergibt sich, daß die Einnahmen im abgelaufenen Jahr 10 974.86 RM. betrugen, denen Ausgaben in der Höhe von 9 987.76 RM gegenüberstehen, so daß ein Kassenrest von 987.10 RM. verbleibt. 3. Bericht der Revisoren: Berlinger (Schweinfurt) und Blumenthal (Hofheim) stellen auf Grund der vorgenommenen Revision Antrag auf Entlastung des Kassiers und der Verwaltung, die einstimmig erteilt wird. Dem Kassier wird für die mustergültige Rechnungsführung Dank und Anerkennung ausgesprochen. Für das Rechnungsjahr 1929 werden Steinhäuser (Höchberg) und Bamberger (Kitzingen) als Kassenrevisoren besümmt. 4. Reichsverband der jüdischen Lehreroereine: Dr. Bamberger, der 2. Vorsitzende des Reichsverbandes, berichtet über die Ausschußsitzung des Verbandes in Leipzig und gibt nähere Mitteilungen über die beabsichtigte Errichtung eines Lehrererholungsheimes in Bad Ems. 5. Lesebuchfrage: Im Anschluß daran teilt Dr. Bamberger mit, daß die Arbeiten der Lesebuchkommission vor dem Abschlüsse stehen. Es ist die Möglichkeit gegeben.'daß Ergänzungslesestoffe für jüdische Schulen im Rahmen der Bälzschen Lesebögen herausgebracht werden. 6. Delegierte zur Verbandstagung 1930. Als Delegierte werden gewählt: Rosenfeld, Adler, Uhlselder, Weil (Hof), Strauß (Rördlingen und Schottland (Frankenthal). 7. Jahresbeitrag: Der Jahresbeitrag wird wieder in der bisherigen Höhe festgesetzt. 8. Lehrplan: Stoll gibt bekannt, daß der von ihm gefertigte Lehrplan der Rabbinerkonferenz zur Stellungnahme vorliegt. 9. Sterbefallschutz: Nach Berichterstattung durch den Antragsteller Uhlfelder und eingehender Aussprache, an der sich besonders Herr Katzenberger und Frau Geheimrat Dormitzer (Nürnberg) beteiligen, wird der von der Verwaltung vorgeschlagene Antrag einstimmig angenommen: a) Der Verein ist grundsätzlich mit der Errichtung einer Sterbekasse einverstanden. b) Für weiteren Prüfung wird eine Kommission eingesetzt, die der nächsten Mitgliederversammlung fertige Vorschläge vorlegen soll. e) Vis dahin wird die Unterstützungskommission beauftragt. bei Sterbesällen von Mitgliedern ohne Prüfung der Bedürftigkeit ein Sterbegeld von 200 RM. auszuzahlen. In die Kommission werden Uhlfelder, Hirnheimer und Rosenwald gewählt. 10. Antrag der Bezirkskonferenz Fürth: Von der Bezirkskonferenz Fürth war folgender Antrag eingereicht worden: „Der Lehrerverein wolle an den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden den Antrag stellen: Kultusbeamten, die keine seminaristische oder andere Vorbildung mit Seminarabschlußprüfung Nachweisen können, soll die Führung des Titels „Lehrer" untersagt werden." Nach Begründung durch Fränkel (Erlangen) und lebhafter Aussprache, erklärte der Vorsitzende, daß die Tendenz des Antrages wohl verständlich und zu billigen sei, ein Vorgehen aber im Sinne des Antrages nicht ratsam wäre. Von einer Beschlußfassung wurde infolgedessen abgesehen. 11. Lehrerbildungsfrage: Auf Grund der Ausführungen des Vorsitzenden im Geschäftsbericht bringt Rofenbaum (Ingolstadt) nachstehende Entschließung ein, die einsttmmige Annahme findet: „Die 48. Mttgliederversammlung des Jsraelittschen Lehrervereins für Bayern fordert, daß bei der kommenden Neugestaltung der Lehrerbildung in Bayern die Vorbildung der jüdischen Lehrer nach den gleichen Grundätzen wie die der Volksschullehrer geregelt wird. Dabei soll wie bisher auf die Pflege der Religionswissenschaft besonderer Nachdruck gelegt und für entsprechende Einrichtungen gesorgt werden." 12. Satzungen: Nach einem einführenden Referat Krämers und eingehender Einzelberatung werden die Satzungen, die im Entwurf allen Mitgliedern zugeleitet waren, mit verschiedenen kleineren Abänderungen im ganzen angenommen. Die neuen Satzungen werden in einer der nächsten Nummern in den „Mitteilungen" zum Abdruck gebracht. 13. Jugendzeitschrift „Das Zelt". Hirnheimer empfiehlt für die Hand der Schulen und für die Schulbibliotheken das Abonnement auf diese gut geleitete Jugendzeitschrift. 14. Nach Dankes- und Schlußworten schließt der Vorsitzende nachmittags um 3 Uhr die von 68 Mitgliedern und 15 Gästen besuchte 48. Mitgliederversammlung. A. Rosenfeld M. Adler. Auszug aus dem Protokoll der Verwaltungssitzung vom 25. Dezember 1929 in würrdurg 1. Geschäftsbericht: Der Vorsitzende behandelte in seinem einleitenden Bericht eine Reihe vordringlicher Fragen, deren Lösung teils schon eingeleitet, teils in nächster Zeit in Angriff genommen werden soll. Der Vereinskassier Hellmann gibt Aufschluß über die Kassenlage des Vereins. 2. Sterbegeldversicherung: Nach eingehenden Referaten von Uhlfelder und Rosenwald (Frankfurt a. M.) werden folgende Beschlüsse gefaßt: a) Der Verein gewährt beim Ableben eines Mitgliedes ein Sterbegeld. ' b) Die Höhe des Sterbegeldes, das zunächst mit 400 RM. in Aussicht genommen ist, wird von drei zu drei Jahren durch die Mitgliederversammlung festgesetzt. e) Für diese Neueinrichtung leistet jedes Mitglied einen jährlichen Sonderbeitrag von 5 RM. d) Der Frau eines Mitgliedes kann auf Antrag das ganze Sterbegeld gegen eine jährliche Sonderleistung von 10 RM., das halbe Sterbegeld gegen eine solche von 5 RM. jährlich gesichert werden. Die Anmeldung der Ehefrau muß spätestens bis 31. Dezember 1930 erfolgt fein. Neueintretende Mitglieder müssen gegebenenfalls diese Anmeldung gleichzeittg mit ihrer Beitrittserklärung vornehmen. e) Neueintretende Mitglieder, die das 30. Lebensjahr überschritten haben, haben eine Nachzahlung zu leisten, deren Höhe von der Verwaltung festgesetzt wird. k) Wiwen früherer Mitglieder, die bei Inkrafttreten dieser Beschlüsse schon im Witwenstande sich befinden, können sich gegen einen Jahresbeitrag von 15 RM. die Anwartschaft auf zwei Drittel des Sterbegeldes sichern. Diese Beschlüsse sind der nächsten Mitgliederversammlung zur endgültigen Beschlußfassung zu unterbreiten. 3. Alters- und Erholungsheim in Ems. Die Verwaltung begrüßt die Schaffung eines Erholungsheims für jüdische Lehrer in Bad-Ems und bewilligt zu den Einrichtungskosten einen Betrag von 100 RM. In den Verwaltungsrat des Heimes wird Seminardirektor Stoll delegiert.