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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-01-01 · 1 (1.1.1930) · p. Seite 12

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
1 (1.1.1930)
Article
Die englische Schlachthofbill berückstichtigt das jüdische Ritual
Date
1930-01-01
Page
Seite 12 (sequence 1)
Language
German
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12 Bayerische Israelitische Gemeirchezeikmg Nr. 1 ft Leo Stern l ft München-Ostbahnhof 30 Jahre am Platze Kohlen Koks Briketts Holz für Hausbrand, Gewerbe und Industrie Beste Kohlscheider und Rührer Änthrazite Fernsprecher 43333—36 I Die englische Schlachkhofbill berücksichtigt das jüdische Ritual London, 22. Dezember. Die soben von Colonel Moore im Unterhaus eingebrachte und vom Commander Kenworthy und Sir Archibald Sinclair unterstützte Schlachthausbill, die Vorschriften für humanes Töten der Schlachttiere enthält, setzte mit Bezug auf diese Vorschriften eine Ausnahme für Juden und Mohammedaner fest, denen in keiner Weife verwehrt sein darf, Tiere gemäß den Vorschriften ihrer Religion zu schlachten, sofern den Tieren nicht unnötiges Leiden zugefügt werde. Hilfsvereinsabend in Nürnberg N ü r n b e r g, 20. Dezember. Auf Einladung von Herrn Dr. Sommer, langjährigem Mitarbeiter des Hilfsoereins der Deutschen Juden in Nürnberg und Mitglied seines Zentralkomitees, fand sich vor einigen Tagen in seiner Wohnung eine Anzahl prominenter Persönlichkeiten verschiedener politischer'und religiöser Richtungen zusammen. Herr Dr. Sommer gedachte in seiner Ansprache der großen Persönlichkeit Paul Nathans. Von James Simon, Paul Nathan, Eugen Landau und anderen gleichgesinnten Männern ist im Hilfsverein der Deutschen Juden ein zentrales Organ für jüdische Auslandshilfe geschaffen worden. Die Arbeit des Hilfsvereins, die der kulturellen und wirtschaftlichen Erstarkung der Judenheit im Osten gewidmet ist, ist von hohem Werte und verdient mit allen Mitteln unterstützt zu werden.. Er wies gleichzeitig auf eine Ansprache des Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, Vorsitzenden des Verbandes der bayerischen jüdischen Gemeinden hin, in der dieser die große Bedeutung der Hilfsvereinsarbeit gewürdigt hat. Dr. Wischnitzer knüpfte an die Ausführungen Dr. Sommers über Paul Nathan an. Der Hingang dieses großen Führers des Hilfsvereins legt allen die verantwortungsvolle Pflicht auf, in seinem Sinne fortzuwirken. Er ging sodann aus das Programm und das Werk des Hilfsoereins, die Emigrantenhilfe, das Aufbauwerk in Rußland, die kulturelle Arbeit ein. Mehrere Ambulatorien in den jüdischen Kolonien im Süden Rußlands und in der Krim sind bereits im Vau und werden bald eröffnet werden. In Rumänien werden Elementar-, Fachgewerbe- und Haushaltungsschulen, ein Mädchenheim und eine Volkshochschule gefördert. In Deutschland werden wichtige Aufgaben durch eine umfassende Emigrantenfürsorge gelöst, die organisatorisch und finanziell außerordentliche Anforderungen stellt. Ferner wird die Aktion für die jüdischen Studenten aus den Ländern des Ostens, die an deutschen Lehranstalten ihre Ausbildung erhalten, und das Hilfswerk für Waisen aus der Ukraine fortgesuhrt. Die Ausführungen der Redner fanden starken Beifall. An der Aussprache, die folgte, beteiligten sich die Herren Justizrat Dr. Erlanger, Siegmund Mainzer, Mitglieder des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Nürnberg wie des Lokalkomitees des Hilfsvereins, Dr. Meinhold Nußbaum ü. a. Delegiertentagung der bayerischen Iugendvereine in Regensburg Berichte über Tagungen zu geben, ist meist eine undankbare Aufgabe, insbesonders wenn es sich um Tagungen der Jugend handelt, denn dieselbe muh man erlebt haben, um nachfühlen zu können, was sie geboten. Am 1. Dezember versammelten sich in Regensburg die Delegierten und viele Gäste des Landesverbandes Bayern, der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, um Bericht zu geben von der Arbeit ihrer Gruppen und sich neue Anregung zu holen für die künftige Tätigkeit. „Marsch in die Wirklichkeit" lautete vor zwei Jahren die Parole, ausgegeben von der Leitung der neutralen jüdischen Jugendbewegung. Hier in Regensburg merkte man so durchdringend in der nüchtern sachlichen Behandlung der ausgerollten Fragen, daß die Wirklichkeit ganz und gar das Verbandsleben beherrscht. Gar mancher fragte sich, ist das noch Jugendlichkeit, wenn man so ernst, fast wie die Alten, Rechenschaft fordert und gibt. Tagungen im Kreise von Jugendlichen gebären oft Phrasen und Schlagworte, heute um so mehr, da die Zeit durch die Politik des Schlagwortes so beeinflußt ist. Der im Mittelpunkt der Tagung stehende Vortrag „Jüdischer Aktivismus" des nachher zum ersten Vorsitzenden des Landesverbandes gewählten Herrn Dr. Siegfried Keßler aus München, legte in klarer eindeutiger Weise die Wege für die kommende fruchtbare Verbandsarbeit dar. All die Wege zur Behebung der vielen Nöte der jüdischen Jugend sowohl in der Großstadt als auch draußen auf dem Lande und in der kleinen Stadt, die intensivere Heranziehung der Jugend zur Wohlfahrtspflege, weitergehende Beteiligung in der Gemeinde, Möglichkeiten der Berufsumschichtung, religiöse Fragen, Antisemitismus, Zukunft und Arbeit der Junggruppen wurden im Referat und in den anschließenden Diskussionen klargelegt. Auch die Forderung nach Bereitstellung von Jugendheimen seitens der Gemeinden wurde nachdrücklichst hervorgehoben. Da und dort zeigt sich auch, insbesondere in Nürnberg, die weitsichtige Arbeit manch jüdischer Verwaltung. Auch die Gemeinde Regensburg hat in lobenswerter Weise die Wichtigkeit der Jugendarbeit erfaßt, äußerte sich dies doch schon in der Durchführung und Ermöglichung dieser Tagung. (An dieser Stelle sei allen, die an den Vorbereitungsarbeiten tätigen Anteil hatten und zum Gelingen der Tagung beitrugen, herzlichst gedankt, ebenso all denen, die sich um die vorbildliche Bewirtung bemüht hatten.) Alles in allem: Es war ein sehr wertvoller Tag, der die kommende Jahresarbeit aller Bünde anregend beeinflussen wird und Gutes für die Zukunft erwarten läßt. H. Kbl. Alle Zuschriften und Sendungen für den Textteil bitten wir von jetzt ab unmittelbar an die Schriftleitung Dr. Ludwig Feuchtwanger, München, Grillparzerstraße 38, zu richten. Redaktion der Bayer. Isr. Gemeindezeitung. Denische Neuwäscherei Felix Brandner G.iu.ö.ß. 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