Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 1 (1.1.1930)
- Article
- Neue Formen jüdischen Wirtschaftslebens
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
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10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 Eugen Straus (Vorsitzender), Kommerzienrat Albert Dann, Rittergutsbesitzer Gustav Einstein Vizevorsitzender), Dr. S. Eisenmann, Simon Herz, Frau Clemy Heymann, Rabbiner Dr. E. Jacob, Prof. Dr. S. Landauer, Direktor Simon Wallach. Wohlfahrtsvereine In den nächsten Tagen beginnt die Sozialbeamtin der jüdischen Wohltätigkeitsvereine, Frau Lina Weil- Eckftein, ihre diesjährige Inkaffotätigkeit. Es wird herzlich gebeten, ihre Arbeit durch freundliches Entgegenkommen zu fördern. Frau Weil wird ihre Besuche jeweils vorher anzeigen. MÜNCHEN HOTEL EUROPÄISCHER HOF BES. OTTO LOCKERT Das vornehme Hotel direkt gegenüber dem Hauptbahnhof Südeingang Unter der derselben Leitung HOTEL DEUTSCHER HOF OTTO LOCKERT 5 Minuten vom Bahnhof am Karlstor gelegen Kaffee«Restaurant * WeinoRestaurant * Pfälzer Winzerstube Täglich nachmittags und abends Konzert Die Not des jüdischen Künstlers Die fortschreitende Verelendung der kulturell wertvollsten Schichten des deutschen Künstlertums, vor allem seiner jüdischen Glieder, veranlaßt die „Gesellschaft von 1845 zur Unterstützung jüdischer Künstler und Handwerker in Krankheitsfällen" zu einer großzügigen Hilfsaktion in der jüdischen Öffentlichkeit. Sie lud daher einen größeren Kreis ihrer Freunde und der zur Mitarbeit heranzuziehenden Persönlichkeiten zu einer Beratung ein, die am Sonntag, dem 15. Dezember, im Hotel „Der Kaiserhof" tagte. Während früher, wie der Vorsitzende, Handelsrichter Jachmann einleitend ausführte, Förderung Gewerbetreibender, Zweck der Gesellschaft war, läßt sie diese Tätigkeit angesichts der von anderen Organisationen ausgehenden Hilfe für diese Kreise (Kreditgenossenschaft, Handwerkerbund) jetzt fallen. Sie will jetzt dem jüdischen Künstler ihren sozialen und kulturellen Existenzkampf erleichtern in organischer Zusammenarbeit mit Gemeindewohlfahrtsamt und Logen und Zusammenführung von Männern der Wirtschaft und der Kunst selbst. Regierungsbaumeister Grünfeld zeigte an der Geschichte der von Ludwig Loewe gegründeten Gesellschaft den Struktur- und Schichtwechsel im Berliner Judentum: Während 1845 noch die Gewerbefreiheit ausstand und das jüdische Gewerbe um Anerkennung kämpfen mußte, gilt die Fürsorge heute dem Kampfe des jüdischen Künstlers um feine Geltung als Jude, mehr: um die Geltung der Kunst. Bildhauer Jacob Pleßner und Emil Lind von der „Genossenschaft Deutscher Vühnenangehäriger" referierten über „die Not des schaffenden Künstlers". Beide entwarfen ein Bild des Elends, das sich unter einer gleißenden Oberfläche birgt: Durch die Behandlung von Ateliers als „Gewerberäume" und die Unmöglichkeit, selbst kostbare Werke zu beleihen, werden hochwertige Künstler auf die Straße und in die Verzweiflung getrieben, und Schauspieler verfallen, wie Lind sagte, durch die Not des Tages der „inneren Verlumpung": Ein Drittel aller deutschen Schauspieler ist völlig, viele andere fast völlig erwerbslos, alle aber sind nicht einmal mehr „Saisonarbeiter", sondern werden von Monat zu Monat zu neuen Engagements getrieben. Doppelt leidet der jüdische Künstler, dem Boykott oder Ablehnung aller Art überall droht, wo irgend reaktionäre Faktoren Einfluß haben, d. h. heute in fast allen Orten. RA. Dr. Lamm sichert für Vorstand und Wohlfahrtsamt der Berliner Jüdischen Gemeinde Hilfe nach Maßgabe der vorhandenen Mittel zu und betont hierbei, daß bereits mehr als ein Drittel des Gemeindeetats Wohlfahrtswerken diene. — Dr. Goldschmidt, Großsekretär der Großloge Vnei Brith, plädiert für eine Arbeitsgemeinschaft aller gleichstrebenden Hilfsorganisationen und verspricht tätige Mitarbeit der Logen. — Rabbiner Dr. Emil Bernhard-Cohn erinnert an das Schicksal von Arno Holz und Oscar Rauchl, Märtyrern des Existenzkampfes der Künstler in einer Zeit unerhörten Aufschwunges von Journalismus und Reportage. — Auch Dr. Schwarz, Leiter der Gemeinde-Kunstsammlung wünscht namens des jungen ..Jüdischen Museumsvereins die Zusammenarbeit aller jüdischer Kunst und jüdischen Künstlern dienenden Faktoren. Die Versammlung beschließt, mit einem von allen Anwesenden zu unterzeichnenden Aufruf zu tätiger Hilfe an die jüdische Öffentlichkeit zu treten. Unter den Anwesenden befanden sich u. a. Prof. Max Liebermann, Ignatz Waghalter (Stadt. Oper), Alexander Granach, Leo cPeTzmoden Wenn Sie an einen guten und preiswerten Pelz denken, dann denken Sie an J ör/jansfzu V, J^Sohn ” HeunaiiseT’stv. 29 Wilhelm Steigenberger G.m.b.H. KOHLEN - GROSSHRNDLUNG München-Bogenhausen Montgelasstraße 21 Telephon 480 671-73, 480285 Kohlen, Koks, Briketts, Holz