Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 1 (1.1.1930)
- Article
- Der goldene Leuchter zwischen den zwei Oelbäumen
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 und der Statthalter (das geistliche und weltliche Regiment) einträchtig dem einzigen Gott dienen werden. Nie aber soll diese Herrschaft durch Gewalt, sondern nur durch den göttlichen Willen wieder errungen werden. Das Sehnsuchtsziel, den goldenen Leuchter zwischen zwei Ölbäumen, hat man im lebendigen Judentum nie aus dem Auge verloren; aber auch das Mittel ’nm d»k '2 rm „Nicht mit Gewalt, sondern durch meinen Geist" ist, als der einzige Weg zum Ziel, allein anerkannt geblieben. Vielleicht ist das der echte Geist des Chanukkah. Die Vision Sacharjas, kein anderes von Fremden erborgtes Wunschbild hat dieses Fest vergoldet und verklärt. Zum bedenken Vier Persönlichkeiten ungewöhnlichen Ausmaßes gilt in diesen Tagen unsere Erinnerung. Franz Rosenzweig Die Nachricht vom Heimgang des 4Zjährigen Frankfurter Philosophen, am 10. Dezember ist durch alle Blätter begangen. Worte der Anerkennung oder Begeisterung, noch so bedeutungsvoll gesetzt, sind hier nicht am Platz. Rosenzweig war selbst ein so strenger, unerbittlicher Kritiker, daß an sein Schaffen der höchste, strengste Maßstab anzulegen ist. So scharf, unnachsichtig hart, aber absolut gerecht wie Rosenzweig, hat in den letzten Jahrzehnten niemand mehr über das kulturelle und öffentliche Leben der deutschen Juden geurteilt. In seinen programmatischen Aufsätzen zur jüdischen Erziehung aus dem Jahre 1920 lesen wir: „Forschung und Lehre, Wissenschaft und Unterricht: unter uns sind sie gestorben. Das Wort mag viele Ohre verletzen, aber ich weiß mich, wenn ich es spreche, eins mit den Besten unter den Jungen und — Gott sei Dank! denn sonst würde ich mir nicht trauen — auch unter den Alten. Unsere Wissenschaft hat seit Mendelssohn und Zunz nicht mehr den Mut zu sich selber, sondern läuft in achtungsvollem Abstand hinter der Wissenschaft der „andern" her. In achtungsvollem Abstand. Was bei jenen schon vieux jeu ist, wird bei uns — in dem, mit Recht, sehr engen Kreis derer, die überhaupt diesem Schattentanz zuschauen — noch bereitwillig als demier cri angeftaunt. Und was im geistigen Deutschland schon die Spatzen von allen Dächern pfeifen, das gilt unter uns noch als unerhörte Ketzerei. Wir haben uns, indem wir aus dem alten Ghetto heraustraten, schleunigst in ein neues gesperrt. Nur daß wir eS diesmal selber nicht wissen wollen, und daß wir eine Wissenschaft treiben, die, sehr wenige Ausnahmen abgerechnet, genau so wenig deutsch und genau so wenig jüdisch ist wie — nun, wie etwa die „deutschen" Zunamen, mit denen sich unsere Urgroßväter im ersten Rausch der Emanzipation behängten. Und nicht besser ftehts mit der Lehre. Wir haben keine Lehre, weil wir keinen Lehrerftand haben, wir haben keinen Lehrerftand, weil wir keinen Gelehrtenftand haben; wir haben keinen Gelehrtenftand, weil wir keine Wissenschaft haben. Unterricht und Forschung sind beide verkümmert. Sie sinds, weil uns das fehlt, wodurch Wissen wie Lehre erst lebendig werden: das — Leben." Diese Sätze stehen mit dem Motto: „Wünsche sind die Boten des Vertrauens" in der berühmten Schrift „Bildung — und kein Ende". Herr Rabbiner Dr. Ernst Jacob in Augsburg hat von der großen Persönlichkeit Franz Rosenzweigs in diesem Heft ein eindringendes Bild entworfen. Professor Adolf Frankel Wir sind in München, in Bayern und in Deutschland stolz auf Adolf Fränkel, der aus München aus erlauchtem, frommen Hause seinen Ausgang nahm und heute zu beit führenden deutschen Mathematikern der Gegenwart zählt. Mit Beginn dieses Semesters hat Professor Adolf Fränkel, bisher ordentlicher Professor der Mathematik in Kiel, feine Tätigkeit an der Universität Jerusalem ausgenommen. Er ist von seinem Aufgabenkreis als preußischer Hochschulprofessor beurlaubt. In seiner Antrittsvorlesung brachte Professor Fränkel zum Ausdruck, daß er mit ehrfürchtigen Gefühlen die Lehrkanzel betrete in dem Lande, von welchem die Lehre für Israel und für die ganze Welt ausgegangen ist und ausgehen wird. Sein fester Glaube daran sei auch durch die Vorfälle der letzten Zeit nicht erschüttert worden. „Unsere Arbeit in Erez-Israel stützt sich nicht nur auf die BalfourdeÜaration, sondern auf eine ältere Verheißung, die unserm Vater Abraham einstmals gegeben worden ist." Lujo Brentano Am 18. Dezember feierte der berühmte Münchener Gelehrte, zu dessen Füßen Generationen von Juristen und Natonalökonomen saßen, Lujo Brentano, seinen 85. Geburtstag. Vor fünfzehn Jahren, zu seinem 70. Geburtstag, sprach Brentano den Freunden seinen Dank für Treue und Hingebung aus und fuhv dann fort: „Aber nicht bloß meinen Freunden, nicht minder schulde ich Dank meinen Feinden. Sie sind die Würze meines Lebens gewesen: Hätte ich nicht gegen sie kämpfen müssen, so hätte ich meine Kräfte gewiß nie entwickelt." Als Werner Sombart im Jahre 1911 sein berühmtes Buch über die Juden und das Wirtschaftsleben geschrieben hatte, das die kühne These enthielt, die Juden seien die Schöpfer der kapitalistischen Wirtschaftsordnung gewesen, da schleuderte ihm Brentano in den Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ein glänzendes geiftsprühendes Pamphlet entgegen. Das Gegenteil von dem, was Sombart angeblich bewiesen habe, sei wahr. Brentano behauptete nicht mehr und ■ nicht weniger, als daß das ganze Buch von Sombart unwissenschaftlich und zuchtlos sei. „Von dem zuchtlosen Geist in der Wissenschaft aber gelte dasselbe wie von dev Schönheit des zuchtlosen Weibes: Sprüche Salomonis XI, 22." In Mischle 11, 22 aber heißt es: „Ein schönes Weib ohne Zucht ist wie eine Sau mit einem güldenen Armband" □yts mm nm nwx Tin v\»2 ant..du