Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 1 (1.1.1930)
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- Date
- 1930-01-01
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- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Nachrlchtenblatt 6er Israelittschen Kultusgemeinöen in München unö Augsburg unö 6eS Verbanöes Vagerischer Israelitischer Gemeinüen Väterliche Israelitische GemeinÜezeitung erscheint am 1. unö 15. seöen Monats. — Verlag: S. Heller, München, Bezugspreis für nicht elngewiesene Bezieher: Reichsmark 4.S0 für öas pllnganserstraße ö4, Kernruf 7*566$ unö 75665, Postscheck München 5987• Jahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 RetchSpfeanlg vchristleitung: Sr. Luüwlg Keuchtwanger, München, Grillparzerstraße 58 Kamlllenanzetgen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Retchspfenntg VI. Jahrgang München, I. Januar Nr.^ Inhalt: Der goldene Leuchter zwischen den zwei Ölbäumen — Zum Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Be- Gedenken — Franz Rosenzweig — „Ein Ende setzt er der Finsternis" kanntmachung über das Ergebnis der Ergänzungswahlen zum Ge- Erklärung der Bayerischen Rabbinerkonserenz — Tradition und Kritik meindeoorstand für die Wahlperiode 1930 bis 1932 — Bekanntmachung im Judentum — Ein neues Quellenwerk über die Lehren des Judenüber die Besetzung der Ausschüsse und die Ernennung der Beaustragtums — Dank für Rechtsanwalt Dr. Eugen Schmidt — Ehrung für ten der Gemeinde; hier Ergänzungswahlen — Perfonalia Rofalie Perles — Aus der Gemeinde München — Amtlicher Anzeiger: Der goldene Leuchter zwischen den zwei Oelbäumen Bemerkungen zu Chanukkah Von Ludwig Feuchtwanger Das Chanukkahfeft wird zur Erinnerung an die Weihe des Tempels unter Juda Makkabi, vom 25. Kislev ab acht Tage lang gefeiert; es fällt in diesem Jahr besonders spät, vom 27. Dezember bis zum 3. Januar. Das Fest bietet nach seinem historisch-politischen Hintergrund, vielleicht aber noch mehr nach seiner nicht immer gleich gebliebenen Wertung innerhalb der jüdischen Frömmigkeitsgeschichte Anlaß, weit über die konventionellen Betrachtungen hinaus, über Sinn und Aufgaben eines beseelten Judentums nachzudenken. Wer sich in die jüngste Darstellung von der Geschichte unseres Festes von nicht-jüdischer Seite her, in das große Werk des Altmeisters der antiken Geschichte, Eduard Meyer, vertieft hat, wird die grundlegende Be lehrung, die er hier über die Entstehung des Chanukkahfeftes erfährt, nicht vergessen; er wird aber ebensowenig vergessen den EiShauch gelehrter liebloser Distanz, der daraus entgegenweht, und die unerfreulichen Tagesaffekte, mit denen Eduard Meyer das Ergebnis seiner Forschungen vorträgt. Dadurch wird das Studium eines der bedeutendsten Grundwerke der antiken und der jüdischen Geschichte schwer beeinträchtigt, ja vergiftet. Einer eigentümlichen Umwertung und unangebrachten Aktualisierung unseres Festes haben sich aber auch moderne jüdische Kreise schuldig gemacht und auf diese Weise den echten zeitlosen Glanz, die hohe rein religiöse Würde des Chanukkahfeftes getrübt. Ich glaube, man kommt seinem Geist näher, wenn man es von jeder Tagesftimmung und Aktualität, von jeder Verftändlichmachung durch Begriffe, die um uns herum in der Luft liegen, und von allen abgeleiteten, nachempfundenen, fremden Gefühlen fernhält. Vielleicht offenbart sich der tiefe religiöse Eigenwert auch bei diesem Fest am klarsten in den gottesdienstlichen Gebräuchen, die mit seiner Feier von altersher verbunden sind. Die Veränderung, die der regelmäßige Gottesdienst am Sabbat und an Werktagen infolge des Chanukkahfeftes erfährt,, ist ja sehr gering und beschränkt sich fast auf die Einschaltung des Al-Hanissim, des Dankes für Wunder und Errettung, in das vorletzte Stück der Tefilla. Wer sich aber den Gottesdienst am Sabbat- Chanukkah ins Gedächtnis zurückruft, dem wird immer unvergeßlich bleiben der Prophetenabschnitt nach Beendigung der auch an diesem Tag unveränderten regelmäßigen Thoravorlesung. Diese Haphtarah hängt eng zusammen mit einem der klangvollsten und gedankenreichsten Piutim (Piut — Synagogale Hymne) von Salomon ibn Gabirol im Sabbatmorgengebet des gleichen TagS; mir klingt noch heute der jubelnde Ton des scheneyj zejthim, des 2'»-?' '12-' aus meiner Jugend im Ohr. Die Haphtarah am Sabbat-Chanukkah ist (wie teilweise auch der Piut beim Morgengebet) den denkwürdigen Visionen des Propheten Sacharja entnommen und beginnt mit den Sätzen: „Juble und freue dich, Tochter Zion! Denn alsbald erscheine ich, um in deiner Mitte zu wohnen, so spricht der Ewige." Sacharja berichtet über seine prophetische Tätigkeit in Jerusalem um 520 vor Beginn unserer Zeitrechnung. Wie Haggai will er mit allen Kräften den Wiederaufbau des zerstörten Tempels fördern, mit dessen Errichtung er das mefsianische Glück des jüdischen Volkes verbindet. Das Mittelstück des Buches sind die gewaltigen acht Nachtgesichte des Propheten, die er am Himmelstor empfängt und deren Verständnis ihm durch einen dolmetschenden Engel vermittelt wird. Das Wort Gottes über die Herstellung des Tempels lautet: „Nicht durch Macht und nicht durch Gewalt, sondern durch Meinen Geist, spricht der Ewige der Heerscharen." Sacharja sieht einen goldenen Leuchter mit sieben Lichtern zwischen zwei Olbäumen, die nachher als die beiden gesalbten Diener des Herrn der Erde erklärt werden. Das Ganze bedeutet, daß nach Wiederaufrichtung der selbständigen jüdischen Herrschaft der Hohepriester Iehoschua