Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 24 (15.12.1929)
- Article
- Lehrkurse der israelitischen Kultusgemeinde
- Date
- 1929-12-15
- Page
- Seite 409 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 409 eine wesentliche Rolle spielen, scheine aber nunmehr einer der beiden Türme als „der" Turm gesichert. Von „Turm" zu sprechen, sei technisch eigentlich verfehlt. Denn unter einem Turm stelle man sich ein auf schmaler Basis hochaufragendes Bauwerk vor und das seien die „Türme" von Babylon nicht gewesen. An Hand der Lichtbilder führte der Redner dann zunächst in die Bauweise der alten Babylonier und der ihnen verwandten Assyrer ein, um das, was er über den eigentlichen ,Turm" zu sagen hatte, verständlich zu machen. Die Bilder der Ruinen, die die Ausgrabungen unter unsäglichen Mühen (der Redner wußte sehr eindringlich über die Anstrengungen und Entbehrungen der Ausgräber zu berichten, war er doch selbst an den Ausgrabungen von Milet beteiligt) zutage gefördert hat, zeigten die Überreste kolossaler massiger Tempelanlagen. Die Basis dieser Bauten war eine sehr große, die ganze Anlage war terrassenförmig angeordnet, verjüngte sich aber nach oben nur verhältnismäßig wenig. Riesige Freitreppen führten zu dem eigentlichen Tempel, der auf der obersten Plattform stand und der regelmäßig die gleichen Ausmaße aufwies, wie ein immer in der Nähe eines solchen Kolossalbaues auf ebener Erde errichteter Nebentempel. Das Material, aus dem diese Bauten aufgeführt waren, habe im Kern immer aus luftgetrockneten Ziegeln bestanden. Nur die äußerste Haut des wuchtigen Bauwerks seien glasierte gebrannte Ziegel mit Ornamentenschmuck gewesen. Von diesen gebrannten Ziegeln hatte sich nur noch ganz wenig bis auf unsere Zeit an Ort und Stelle erhalten. Im Laufe der Jahrtausende seien sämtliche Bauwerke ihrer äußeren Hülle beraubt worden, die Bevölkerung des an Baustoffen armen Zwei-Stromlandes habe die gebrannten Ziegeln weggeholt, um sie für ihre profanen Bauten zu verwenden. Durch dieses Fehlen der äußeren Schicht seien den Ausgräbern große Schwierigkeiten erwachsen, weil der noch erhaltene Kern aus luftgetrockneten Ziegeln nur schwer sich von der viele Meter starken Schuttschicht unterscheiden ließe. Auch beim eigentlichen „Turm" von Babel habe es sich um eine solche terrassenförmige Tempelanlage gehandelt. Jede Seite der Basis sei 91 Meter lang und das ganze Bauwerk ebenso hoch gewesen. Es wurde eine Reihe von photographischen Aufnahmen der Ruinen und die Abbildungen mehr oder weniger geglückter Rekonstruktionen gezeigt. Der Redner wies auf Einzelheiten in der Bauführung hin und gab dazu Erläuterungen. Sehr interessant war der Vergleich, den der Redner zum Schluffe brachte, zwischen den jahrtausendealten Monumentalbauten der Babylonier und den modernen amerikanischen Wolkenkratzern. Die Llusmaße der letzteren, die ja ein Stahlgerippe haben, hätten die Bauwerke der. Alten natürlich nicht aufweisen können, aber ihre Technik sei schon so weit fortgeschritten gewesen, daß sie die Grenze des für Ziegelbauten Möglichen bereits erreicht hätten. Verblüffend war die Ähnlichkeit der Linienführung verschiedener der im Bilde gezeigten Wolkenkratzer mit der aller babylonischer Tempelanlagen. Die Erbauer der modernen Hochhäuser sollen die alten Monumentalbauten eingehend studiert haben. Der zweite Vortrag am darauffolgenden Abend galt dem „Tempel Salomos". Sich von diesem Bauwerk das richtige Bild zu machen, sei besonders schwierig, führte der Redner aus. Zwar wisse man genau, wo der Tempel (der einzige übrigens der alten Judenheit; die Synagogen, die es schon im Altertum an verschiedenen Stellen Palästinas gab, waren lediglich Versammlungshäuser, Bethäuser, keine Tempel) gestanden habe, man habe auch vielfach Beschreibungen über seine Ausmaße und sein Aussehen, aber der Tempel sei ja dreimal erbaut und dreimal wieder zerstört worden und Ausgrabungen seien bis heute nicht vorgenommen worden. Wahrscheinlich sei es auch unmöglich, daß jemals Ausgrabungen an der Stelle des alten Tempels vorgenommen werden könnten, denn an der Stelle, wo wahrscheinlich früher das Allerheiligste gestanden habe, befindet sich eines der größten und schönsten Heiligtümer der Mohammedaner, die berühmte Omar-Moschee, die man selbstverständlich nicht beseitigen könne, um altes Gemäuer bloß zu legen, stelle sie doch, abgesehen von ihrem religiösen Wert für Hunderte von Millionen Mohammedanern, einen der wenigen „Schöpfungsbaillen" dar, das heißt Bauten, die die Baukunst der ganzen Welt bereicherten, ihr zum Vorbild wurden und deren Konstruktionselemente für alle Zeiten die Baukunst maßgeblich beeinflussen. Außerdem seien große Flächen der ehemaligen Tempelanlage bebaut und matt müßte die ganze arabische Bevölkerung einiger Stadtteile Jerusalems evakuieren, neue Häuser für sie bauen, die alten abreißen, um Grabungen anstellen zu können. Das sei einerseits wegen des zu erwartenden Widerstandes der Mohammedaner, anderenteils wegen der ungeheuren Kosten unmöglich. Man müsse eben versuchen, sich den Tempel Salomos auf Grund der Mitteilungen, die wir über ihn haben, zu rekonstruieren. Wilhelm Steigenberger G.m.b.H. KOHLEN - GROSSHRNDLUNG München-Bogenhausen Montgelasstrafie 21 Telephon 4 80671-73, 4 80 2 85 Kohlen, Koks, Briketts, Holz Ein Hauch köstlich zarten Parfüms schafft oft erst dieAtmosrhäredes völligen Wohlbehagens. Zeee elegante Dame sollte darum nie auf ein individuelles, dezent. Parfüm verzichten. Nau s Parfümerie und Drogerie Maximilians praße 42, gegenüber dem Nationaltheaier, hat stets alle Parfüms, wie auch puver. Kölnisches Wasser usw. vorrätig, und wird Sie beim Einkauf so beraten und bedienen, daß Sie wirklich zufrieden sind. Cafö Wintergarten Franz Schnabel Vollständig neu renoviert (m. 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