Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1929
- Issue
- 11 (15.12.1929)
- Article
- Zur Frage der jüdischen Schule
- Date
- 1929-12-15
- Page
- Seite 25 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern 25 Zur Frage der jüdischen Schule. Daß auch maßgebende Kreise des jüdischen Liberalismus die Notwendigkeit der jüdischen Schule bejahen, möge die nachfolgende Entschließung, die auf der vor kurzem abgehaltenen, westfälischen, jüdisch liberalen Tagung in Dortmund mit großer Mehrheit angenommen wurde, beweisen. Wir registrieren diese außerordentlich erfreuliche Stellungnahme und bedauern nur, daß uns der Raum verbietet, hierzu und auch zu einer sehr insttuktiven Artikelserie des Rabbiners Dr. Galliner in der Liberalen Zeitung, wo er auch auf die Notwendigkeit der jüdischen Schule hinweist, Stellung zu nehmen. Die Schriftleitung. Die Entschließung lautet: „Die liberale Vereinigung in Westfalen steht grundsätzlich auf dem Boden der Einheitsschule. Sie verlangt aber unter den heute gegebenen Verhältnissen, die auf unabsehbare Zeit die Konfessionsschule als Norm festgelegt haben, auch für uns die Erhaltung und den Ausbau der vorhandenen jüdischen Volksschulen, wie deren Neugründung, wo dies angebracht und zu ermöglichen ist. Kein jüdisches Kind darf ohne Religionsunterricht aufwachsen. Dem jüdischen Lehrer ist gehaltlich und sozial die Stellung zu sichern, die ihm seiner kulturellen Bedeutung gemäß zukommt." Vereinsnachrichten. 1. Nach kurzem Leiden folgte Frau Mathilde Friedmann in München ihrem vor wenigen Monaten dahingeschiedenen Gatten in den Tod. Die Heimgegangene war eine Frau von hohem Seelenadel, gütig, still und bescheiden, die ihr höchstes Glück im Kreise ihrer Familie gesucht und gefunden hatte. Ein treues Andenken ist ihr bei allen, die sie kannten, gesichert. 2. Neuaufnahmen: Unserem Verein sind Lehrer Sigmund Marx in Rothenburg o. d. T. und Lehrer Jakob Gönninger in Zirndorf beigetreten. 3. Auf Anfrage geben wir bekannt, daß Gemeinden mit jüdischen Volksschulen selbstverständlich kein Präsentationsrecht zusteht. 4. Wir machen unsere jungen Kollegen darauf aufmerksam, daß sie nach erfolgreich abgelegter Anstellungsprüfung bei der Regierung von Unterfranken um die Aufnahme in die Anwärterliste für den Volksschuldienst nachzusuchen haben, wenn sie eine Verwendung im bayerischen Volksschuldienste anstreben. Es sollte kein Kollege die rechtzeitige Anmeldung versäumen. 5. Wir verweisen auf den mit der Firma I. Kauffmann in Frankfurt a .M. bestehenden Vertrag und ersuchen die Kollegen bei Bestellungen auf ihre Mitgliedschaft in unserem Vereine hinzuweisen, damit die uns vertraglich zustehenden Tantiemen der Hilfskasse des Vereines gutgeschrieben werden. 6. Wir machen auf den Bericht in der heutigen Nummer über die Kundgebung der bayerischen Lehrerschaft besonders aufmerksam und bemerken, daß auch unser Verein offiziell eingeladen und durch die Vorstandschaft vertreten war. München, den 1. Dezember 1929. M. Rosenfeld. M. Adler. Vezirkskonferenz Fürth. Die nächste Konferenz findet am 12. Jan. 1930 stall. Tagesordnung: 1. Fortsetzung des Mischnalernens (Referent: Ellinger). 2. Behandlung der Wunder des Pentateuch im biblischen Geschichtsunterricht (Referent: Kollege Gutmann). 3. Standesfragen. Blumenthal Jahresbericht der Bezirkskonferenz Fürth. Die Bezirkskonferenz Fürth hielt seit deren Gründung am 28. Oktober 1928 bis zum Ende des Jahres 1929 zehn Konferenzen ab, welche von den Lehrern des Bezirkes fleißig besucht wurden. Alle Teilnehmer beteiligten sich mit großem Interesse an der Arbeit. Ein ständiger Punkt der jeweiligen Tagesordnung bildete das Studium der Mischna, Traktat unter der kundigen Leitung des Kollegen Hauplehrer Ellinger An Referaten wurden gehalten: 1. Aufgaben und Verfahren eines zeitgemäßen Religionsunterrichts. (Referent: Direktor Dr. Elias.) 2. Moderne Literatur zur Gestaltung eines zeitgemäßen Religionsunterrichts. (Referent: Dr. Elias.) 3. Lehrstoff des jüdischen Religionsunterrichts an den Volks- und höheren Schulen. (Referent: Dr. Elias.) 4. Der Unterricht im hebräischen Lesen und Übersetzen im Sinne des modernen Arbeitsunterrichts. (Referent: Kollege Gönninger, Zirndorf.) 5. Der Unterricht in der biblischen und jüdischen Geschichte. (Referent: Gönninger.) >6. Der systematische Religionsunterricht. (Referent: Gönninger.) An diese Referate schloß sich stets eine lebhafte Aussprache an. Auf Grund der dabei entwickelten Thesen übernahmen die Konferenzteilnehmer die Aufgabe, im Laufe des Schuljahres aus der Praxis heraus einen Stoffverteilungsplan auszuarbeiten. Diese Pläne sollen in einer noch zu bestimmenden Konferenz des nächsten Schuljahres gegenseitig verglichen und bearbeitet bzw. besprochen werden. Weitere Referate lagen im Gebiete der Apologethik. Es referierten: 7. Kollege Hauptlehrer Edelstein, Sugenheim, über das Thema: „Die Bibel und deren anstößige Stellen." Dieser Vortrag gab die Anregung zur Arbeit der weiteren Konferenzen. So wurden besonders eingehend mit Einbeziehung der entsprechenden Literatur, Talmud und Midrasch verschiedene Stellen der Bibel apologethisch behandelt wie z. B. das Verhalten Jakobs zu Esau und Laban. (Referent: Ellinger.) Auch Vereins- und Standesfragen wurden eifrig besprochen. Erfahrungen in Schule und Synagoge wurden gegenseitig ausgetauscht. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Konferenzen anregend wirkten und deren Ergebnis als guter Erfolg gebucht werden darf. Blumenthal. Bezirkskonferenz Ansbach. Am 10. November fand nach längerer Pause wieder eine Konferenz in Ansbach statt. Die Mitglieder waren fast vollzählig vertreten. Nach Erledigung verschiedener Berufs- und bandesfragen, an der sich die meisten Kollegen mit regem Interesse beteiligten, hielt Kollege Schuster, Ellingen, einen lehrreichen Vortrag über „Pädagogik in Bibel und Talmud". Seine von tiefer Sachkenntnis zeugenden Ausführungen wurden durch reichen Beifall belohnt. Die nächste Konferenz findet voraussichtlich Sonntag, den 15. Dezember, statt, wobei Herr Bezirksrabbiner Dr. Munk über diejenigen Stellen im Talmud sprechen wird, die immer wieder von unseren Feinden gegen uns mißdeutet werden. Wie notwendig gerade heute ein solcher Vortrag ist, das beweisen die vielen gegen uns gerichteten Angriffe. Schon aus diesem Grunde ist vollzähliges Erscheinen zu empfehlen. Levite. Freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz Zur Spätjahreszusammenkunft am 24. November im Gemeindezimmer zu Neustadt a. d. H. hatte sich trotz ungünstiger Witterung ein ansehnlicher Teil der Mitglieder eingestellt. Herr Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher hielt einen fesselnden Vorttag über „Die Behandlung der jüdischen Religionsphilosophen (von Philo bis Albo) im Religionsunterricht". Die Beziehungen zwischen jüdischer Ideenwelt und geistiger Umwelt (in Übereinstimmung, Ablehnung und Einfluß) aufzuzeigen, die einzelnen Systeme in ihrer rationalen oder irrationalen Grundeinstellung darzustellen, vor allem aber aus der Fülle des Stoffes das notwendige Wissensgut für die Schüler der Oberklassen zu sichten, gelang dem Referenten in trefflicher Weise. In der Diskussion wurde die Notwendigkeit gründlichster Lehrervorbereitung und der Verwendung der Quellenbücher (Dr. Höxter) betont. — Besprechung wichtiger Vereinsangelegenheiten bildete den zweiten Teil der Konferenz, wobei der Unterzeichnete unter anderem über die neue Gemeindesatzung referierte. —■ Die nächste Fortbildungskonferenz soll im Februar stattfinden. Schottland. Einzahlungen im November 1929 Von: Bernstein, Zweibrücken 15.—; Kissinger, Urspringen 7.50; Strauß, Eichstätt 30.—; Katz, Nürnberg 15.—; Adler, Fürth 30.—; Dr. Fränkl, Augsburg 30.—; Berendt, Veitshöchheim 15.—; Lamm, Rockenhausen 30.—; Steinberger, Kissingen 30.—; Schloß, Mellrichstadt 15.—; Steinhäuser, Höchberg 10.—; Oppenheimer Laudenbach 35.—; Rosenstein, Schopfloch 15.—; Rosenstiel. Mutterstadt 15.—; Baracker, Mosbach 20.—; Stein, Berolzheim 15.—; Hirsch, Koburg 30.—; Oppenheimer, Fürth 15.—; Kissinger, Fürth 15.—. Postscheckkonto Nürnberg 6479. Würzburg, 1. Dezember 1929. W. Hellmann Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher (Besprechung folgt). Rudolf Schay: Juden in der deutschen Politik. Weltverlag, Berlin. Armand Lunel: Nicolo Peccavi oder Weltgeschichte in Earpenkras. Tragikomischer Roman. Aus dem Französischen von Lima Frender. Weltverlag, Berlin. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München.