Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 23 (1.12.1929)
- Article
- Neuere Beiträge zur kunstgeschichtlichen Erforschung jüdischer Vergangenheit
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 391 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 391 benützten Synagoge von Colmberg bei Ansbach unter etwa hundertjähriger Tünche Spuren von Malereien befanden, deren charakteristische Züge aus diesen deuteten. Die aus Veranlassung des „Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden" erfolgte Aufdeckung der Malereien am Aron-Ha-Kodesch und im Deckengewölbe hat zur Erhaltung und Sicherstellung der eigenartigen Kunstschöpfungen geführt. Die diesjährigen „Notizblätter" Nr. 23 und 24 der „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" sind einem anderen Spezialgebiet gewidmet. Dr. Rudolf Hallo, der am Hessischen Landesmuseum zu Kassel in Sonderheit dessen „Jüdische Abteilung" pflegt, bespricht ausführlich die auf der Ausstellung „Religiöse Kunst aus Hessen und Nassau" zu Marburg a. d. Lahn im Sommer 1928 gezeigten „Jüdischen Kunstaltertümer aus Edelmetall". Es handelt sich zwar nur um elf Gegenstände, drei Thorakronen, deren jüngste bereits aus demJahre1821 stammt, ein Paar Rimmonim, fünf Thoraschilde und zwei B'samimtürme, aber nicht allein die eingehende Darstellung der einzelnen Geräte, sondern die instruktive und kenntnisreiche Gesamtbehandlung wird jedem, der auf diesem Gebiet Bereicherung seines Wissens sucht, willkommene Anregungen übermitteln. Außer den bewährten kleineren und größeren Veröffentlichungen der Frankfurter Gesellschaft war man bisher nur auf zerstreute Mitteilungen und Untersuchungen angewiesen, wenn man auf dem Gebiete kunstgeschichtlicher Betrachtung jüdischer Vergangenheit sich zu orientieren wünschte. Der im Jahre 1928 gegründete „Verein Jüdisches Museum E. V." zu Breslau hat in rührigster Weise nicht nur in kurzer Zeit seine Sammel- und Ausstellungstätigkeit ausgenommen, worüber hier schon berichtet wurde, sondern auch zur Organisation der wissenschaftlichen Arbeit und des Zusammenschlusses der Gleichstrebenden wertvolle Vorarbeit geleistet. Seinem „ersten Jahresbericht" legt er als Beweis seines Tatwillens eine Untersuchung von Prof. vr.-iug. Alfred Grotte, Breslau, über ,„Synagogen*-Kirchen in Schlesien" bei. Der aus seiner aufschlußreichen Veröffentlichung „Deutsche, böhmische und polnische Synagogentypen vom XI. bis Anfang des XIX. Jahrhunderts"1 bestens bekannte Verfasser hat den alten Synagogen Schlesiens, soweit sie nach der gewaltsamen Zerstörung der Judenviertel durch Umwandlung zu kirchlichen Zwecken bestehen bleiben konnten, ein geschichtliches und baukundliches Denkmal gesetzt. Die mit guten Abbildungen und Rissen ausgestattete Schrift führt den Nachweis, daß die Mehrzahl der schlesischen Synagogen die im Mittelalter beliebte Doppelschiffanordnung aufwies, wie sie — als berühmteste Beispiele —; die Synagogen von Worms und Prag uns heute noch zeigen. Den Schriften ist aufrichtig die Verbreitung zu wünschen, die sie verdienen. Damit würden auch einem verhältnismäßig wenig bearbeiteten Gebiet des jüdischen Wissens neue Freunde gewonnen. 1 „Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler", VII/VIII, Frankfurt a. M. 1913. Vereine Jüdisches Kammerorchester. Das jüdische Kammerorchester München wird am Mittwoch, 18. Dezember 1929, im Lessingsaal, Herzog- Rudolf-Straße 1, eine Abendmusik veranstalten, bei der Kammermusik und Orchesterstücke von Mozart, Schubert, Pepusch (L 728, Ouvertüre zu John Gays The Beggars Opera) und anderen gespielt werden. Leitung: Heinrich Lamm. Hierzu ist jedermann herzlich eingeladen. Eintritt frei, Programm und Garderobe 50 Pfennig, für Jugendliche und Studierende 30 Pfennig, für fördernde Mitglieder frei. — Die Übungsabende des Orchesters sind jeden Mittwoch von 20.15 Uhr an im Lessingsaal, Herzog-Rudols- Straße 1. Guten Streichern und Bläsern ist Gelegenheit zur Mitwirkung geboten. Neuanmeldungen in den Übungsabenden (Instrumente gleich mitbringen!). Der Leiter des Orchesters erwartet, daß die Mitglieder in Ansehung des umfangreichen Winterprogramms pünktlich, regelmäßig und vollzählig zu allen Übungsabenden kommen. Jüdischer Jugendverein 1. Vortragsabende: Am Dienstag, dem 3. Dezember, 20.30 Uhr, spricht der Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum, Herr Georg Götz, Berlin, im Bibliotheksaal (ausnahmsweise nicht Lessingsaal!) über: „Die Stellung des religiösen Liberalismus im Judentum." Wir sind gewiß, daß außer unfern Mitgliedern, deren vollzähliges Erscheinen eine Selbstverständlichkeit bedeutet, auch weitere Kreise der Kultusgemeinde gerne die Gelegenheit benutzen werden, aus berufenem Munde über das Wesen des wahren religiösen Liberalismus aufgeklärt zu werden. 2. Arbeitsgemeinschaften: Bibliotheksaal 20.30 Uhr. 1. Bibelkurs. Leiter: Präparandenlehrer Hirnheimer. „Der Prophet Hosea." Alle vierzehn Tage. 2. Diskussionsabende. Leiter: Dr. Siegst. Keßler. „Das Judentum und seine Umwelt." Alle vierzehn Tage. 3. Freitagabendfeiern. Die Freitagabendfeiern finden regelmäßig in der Herzog-Max-Straße 3h um 20.30 Uhr statt. (Leitung: Abwechselnd die Herren Lehrer Adler, Oberlehrer Dr. Keßler, Prof. Dr. Klugmann, Studienrat Schaalmann, Präparandenlehrer H i r n h e i m e r.) Alle jungen Juden Münchens, denen die Weihe eines häuslichen Freitagabends versagt ist, sind wie immer herzlichst eingeladen. 4. Junggruppe des J.J.V. Heimnachmittag jeden Samstag, Herzog-Max-Straße 3h: a) für die Jüngeren um 15 Uhr, b) für die Älteren um 17 Uhr. Jüdischer Gesangverein München. Konzert am Samstag, 7. Dezember. im Odeon. Dirigent Jos. Ziegler. Nachdem in der jüdischen Musikliteratur große Chorwerke nicht vorhanden sind (mit Ausnahme der Oratorien von Händel, Mendelssohn usw., die der Verein ja früher schon gebracht hat), bringen die Programme Kompositionen älterer und neuerer jüdischer Melodien, die für den Musikfreund besonders interessant sind. Es dürfte sich deshalb für die gesangsliebhabenden und gesangskundigen Mitglieder der Mischen Gemeinde sehr empfehlen, diese Melodien anzuhören, da sie sehr Eigenartiges bieten. Auf dem Frankfurter Musikfest 1927 hat der Verein mit diesen Kompositionen sehr gut abgeschnitten: auch bei dem Synagogenkonzert in Nürnberg im Mai dieses Jahres fand der Verein sehr vielen Beifall. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Solopiecen, die ausschließlich rein jüdische Melodien bringen. Sowohl die Violinsolis von Frau Herma Studeny wie die Gesänge nach ostjüdischen Motiven von Kantor Neu dürften das besondere Interesse erwecken. Die Begleitung des Schalitschen Werkes liegt in den bewährten Händen von Frau Studeny, den Herren Kammervirtuos Büttner und Schalit. München. Am Donnerstag, dem 5. Dezember, abends 8.15 Uhr, findet im Mathildensaal, Mathildenstraße 5, ein Kunst- und Bildungsabend der München-Loge U.O.B.B. statt. Alles Nähere siehe Inserat im Inseratenteil dieser Nummer. Israelitische Iugendhilfe <£. V. Die Vorstandschast des Vereins dankt allen herzlich, die zum Gelingen des Jubiläumsfestes am Mittwoch, dem 27. November, beigetragen haben. Der schöne Erfolg des Festes ist zu verdanken der Opferfreudigkeit und der großen inneren Anteilnahme aller Kreise an unseren Bestrebungen und Aufgaben. Es ist uns leider nicht möglich, jedem einzelnen zu danken, so sehr dies auch unser Wunsch wäre. Wir hoffen, daß dem gemeinsam geschaffenen Werk auch weiterhin seine Freunde zur Seite stehen. 6efd)äftsnad)rid)ten MER-Pauschalreisen. MER-Pauschalreisen ist das Reisesystem des Mitteleuropäischen Reisebüros, bei dem die gesamten Reisekosten, also Fahrt, Unterkunft und Verpflegung, auf Wunsch auch Führung und sonstige Leistungen im voraus zu einem vereinbarten festen Preise entrichtet werden. Wer stei und selbständig unter bester Zeitausnützung, bequem und ohne Überanstrengung, billig zu festen Preisen und gegen unliebsame Überraschungen gesichert reisen möchte, soll sich unbedingt dieses Systems bedienen. Außerdem gewähren die Pauschalreisen auch beste Ausnützung der Zeit, da das Programm in allen Einzelheiten von Fachleuten mit langjähriger Erfahrung ausgearbeitet wird. Für den MER- und Pauschalreisenden ist es nicht mehr notwendig, die Kurs- und Reisehandbücher selbst zu studieren, weil er für die ganze Reise einen vollständigen Reiseplan mit den besten Zugverbindungen, Besichtigungen und allen sonst notwendigen Angaben mitbekommt. Außerdem werden für ihn selbstverständlich Schlafwagenplätze, Hotelzimmer, Platzkarten, auf Wunsch auch Führer und Wagenfcchrten vorausbestellt. Fragebogen für eine kostenlose und unverbindliche Ausarbeitung eines Reiseplanes und Kostenvoranschages sind beim Norddeutschen Lloyd Bremen, Vertretung München, Briennerstraße 5 (gegenüber dem Wittelsbacherplatz) zu haben.