Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 23 (1.12.1929)
- Article
- Die ersten Vorträge der Lehrkurse der israelitischen Kultusgemeinde München
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 389 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 389 Ihr Zuhause Hotel Bayerischer Hoff »DM W I Bestellen Sie bitte lll rechtzeitig. Fernruf 22 habe seine Seele erfüllt. Das Menschliche am Propheten Jeremias sei in allen seinen Reden zerstreut, wolle man seinen Charakter kennen, dann müsse man.in seinen ganzen Reden die Stellen suchen, die einen Blick in die Seele des Propheten gestatten. Jeremias habe aber auch alles, was ihn bewegte, in seinen Reden niedergelegt, so so daß man ein vollkommenes Charakterbild von ihm erhalte, wenn man seine ganzen Werke studiere. Es kamen dann Verse aus verschiedenen Kapiteln zur Verlesung, aus denen man die seelischen Kämpfe ermessen kann, die der Prophet zu bestehen hatte, Jeremias fühlte sich einsam und verlassen. Sogar seine besten Freunde wandten sich von ihm ab und seine Nächsten trachteten ihm nach dem Leben, alle schalten ihn. Die Folge von all den Demütigungen, denen er ausgesetzt ist, ist ein starkes Gefühl der Feindschaft gegen seine Mitmenschen und Zweifel an der göttlichen Gerechtigkeit. Aus anderen Kapiteln vernehme man die tiefe Verzweiflung des Propheten. Er beklagt, daß er überhaupt ins Leben gerufen wurde. In diesen Kapiteln finden sich starke Berührungspunkte zu Hiob. Schließlich kämpft sich Jeremias aber durch feine Zweifel zur Gelassenheit durch, er findet zu Gott zurück. Das Werk des Propheten erstrecke sich wohl aus viele Jahre seines Lebens, führte der Redner weiterhin aus. Weil der Prophet so menschlich gefühlt habe, und uns fein Wesen so nahe stehe, sei er einer der größten religiösen Menschen geworden. Das Buch des Propheten Jeremias sei das tiefste religiöse Buch, neben dem Buch der Psalmen. Jeremias bringe sein Leben der Idee zum Opfer. Diesen mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen folgte nach einer kurzen Pause der erste Vortrag einer weiteren Vortragsfolge: „Epochen der jüdischen Selbstbehauptung seit dem Untergang des eigenen Staates" von Dr. Ludwig Feuchtwanger. Diese Vortragsfolge zerfällt in drei Abschnitte. Sie behandelt erstens die jüdische Selbstbehauptung, zweitens die Juden im absoluten Staat seit der Reformation, drittens die äußere Befreiung — neue Aufgaben und neue Wege. Zunächst sprach der Redner in einer allgemeinen Einleitung über den Wert der Geschichte überhaupt und über die Einwendungen, die gegen sie erhoben würde und was man diesen Einwendungen entgegenhalten könne. Die Geschichte sei das Selbstbewußtsein einer Gemeinschaft, einer Gruppe, eines Volkes. Die Emanzipation der Juden habe auch jüdische Geschichtsschreibung zur Folge gehabt. Überall sei jüdische Geschichte geschrieben worden. Man habe es aber, und zwar bei den Juden selbst, an der nötigen Resonanz für die jüdische Geschichtsschreibung fehlen lassen. Bis heute sei die jüdische Geschichte abseits von den allgemeinen Wissenszweigen behandelt worden. Die Ursachen lägen u. a. auch am Wesen der jüdischen Geschichte selbst begründet, die eigentlich nie die Geschichte eines Volkes auf freiem Grunde mit Selbstbestimmung gewesen sei. Von Anfang an habe immer das Erbe der Pflege des Religiösen im Judentum obenan gestanden. Schon lange vor dem Untergange des Staates hätten viel mehr Juden außerhalb Palästinas gelebt, als in Palästina, und nach dem Jahre 70 v. Ehr. fehle dem Judentum überhaupt jeder Mittelpunkt. Im folgenden behandelte der Redner die Geschichte der Juden bis 50 n. Ehr. und würdigte besonders die Entstehung des Talmud und des sog. „Talmudjudentums", dem die Rettung des Judentums zu verdanken sei. Beide Vorträge werden zu den an anderer Stelle bekanntgegebenen Zeiten fortgesetzt. F. O. vücberschau Neuere Beiträge zur kunsigeschichMchen Erforschung jüdischer Vergangenheit Eine Schriftenschau von Theo Harburger In den letzten Jahren haben sich vielerorts die Bestrebungen gemehrt, den Spuren jüdischen Lebens in der Vergangenheit nicht nur in ihren literarischen Niederschlägen nachzugehen, sondern sie auch, soweit noch vorhanden, zu sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Um die Jahrhundertwende hat die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, mit dem Sitze in Frankfurt a. M., erstmals begonnen,- sich systematisch diesem Gebiete zuzuwenden, das vordem nur sporadisch, wie es sich nach Laune und Neigung einzelner ergab, behandelt wurde. Es ist das unvergessene Verdienst des Düsseldorfer Museumsdirektors Frauberger, nicht nur die genannte Gesellschaft gegründet, sondern auch ihre Veröffentlichungen angebahnt zu haben. Auch unter seinem Nachfolger E r i ch T o e p - litz, der die im Stammhaus der Rothschilds heute untergebrachte Sammlung der Gesellschaft betreut, ist die eingeschlagene Richtung erfolgreich weitergeführt worden. In „Notizblättern" — die mehrmals im Laufe eines Jahres erscheinen — und einer losen Folge „Beiträge zur jüdischen Kultusgeschichte" vermittelt unter seiner Leitung die Gesellschaft Kenntnis auf dem von ihr bearbeiteten Gebiet. Uns in Bayern interessiert das zuletzt erschienene Heft III dek Beiträge, in dem Erich Toeplitz „Die Malerei in den Synagogen (besonders in Franken)" behandelt. Die in diesem Jahre veröffentlichte Darstellung der bekannten Synagogenmalereien von Bechhofen, Kirchheim (jetzt Luitpold-Museum in Würzburg) und Horb (jetzt Museum in Bamberg) ist die getreue Wiedergabe des Toeplitzschen Artikels in der Nooember/Dezember-Nummer der „Menorah" vom Jahre 1928. Er zieht darin, wie er es bereits in seiner früheren Arbeit in Rimon-Milgroim vom Jahre 1923 mit Erfolg tat, die Parallelen zu den uns bekannten Synagogenmalereien im europäischen Osten. Da wir den Namen des Malers in den fränkischen Synagogen kennen — Elieser Susmann, Sohn des Salomo, C"Z —, auch seine Herkunft aus dem Osten: Brod oder Brody durch die Inschrift in der Kirchheimer Synagoge gesichert ist, ist die bis in einzelne Motive gehende künstlerische Ableitung gewährleistet. Die von Toeplitz gekannte ehemals Unterlimpurger Holzsynagoge in der Historischen Sammlung von Schwäbisch-Hall — einer fränkischen Reichsstadt — gehört dem gleichen Meister, worauf Toeplitz an anderer Stelle hinweist. Es fft nicht recht ersichtlich, warum er nicht in der neuesten Veröfentlichung auch sie in den Kreis seiner Betrachtung zieht. Die Gleichartigkeit der Ausführung ist nicht allein der Ausfluß der gleichen Künstlerpersönlichkeit, sondern der zeitlich nahen Entstehung. Die Horber Synagoge ist nicht, wie Toeplitz einer irrtümlichen Lesung eines Gewährsmannes zufolge annimmt, im Jahre 1707 entstanden, sondern erst 1735, so daß also die vier Synagogen in etwa acht Jahren ihre malerische Ausschmückung erhielten. Für die rasche Arbeitsweise des Meisters haben wir in Bechhofen den Beweis durch den Vermerk an der Decke, die auf den Arbeitsbeginn im Jahre 1732 hinweist, und den ebendort angebrachten Hinweis auf den Endtermin, den Donnerstag, 13. November 1732. Unser Wissen über die Wirksamkeit Elieser Susmanns C"Z ist inzwischen erweitert worden durch meine Feststellung, daß sich in der nicht mehr STOLtWERCK i SCHOKOLADE-PRALINEN B|