Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 23 (1.12.1929)
- Article
- Die Synagoge, ihre Geschichte und ihre Gestalt
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 387 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeilung 387 Leo Stern 1 München-Ostbahnhof 30 Jahre am Platze Kohlen » Koks « Briketts » Holz für Hausbrand, Gewerbe und Industrie Beste Kohlscheider und Rührer Anthrazite Fernsprecher 43333—36 mindestens zweimal im Jahre Gottesdienste stattfanden. So entwikkelten sich allmählich regelmäßige Gottesdienste im ganzen Volke neben dem Tempeldienste in Jerusalem. Das Bedürfnis zu solchen regelmäßigen Gottesdiensten war naturgemäß noch stärker in der Diaspora, wo es dem einzelnen nicht möglich war, wie der palästinensischen Bevölkerung, wenigstens dreimal im Jahre nach Jerusalem zu den Wallsahrtssesten zu kommen. Diese Gottesdienste hatten schon die wesentlichen Charakterzüge unserer heutigen Gottesdienste, das Gebet einerseits und die Verlesung der heiligen Schriften andererseits, an welch letztere sich auch die Erläuterungen der heiligen Schriften anschloß. Diese Formen haben die heutigen Gottesdienste der israelitischen Konfession wie auch der Tochterreligionen betätigt. Schon früher sah man in der Synagoge nicht nur das Haus des Gebets, sondern auch das Haus der Belehrung. Man vergleiche die vulgäre Bezeichnung „Judenschule". Den jüdischen Gottesdienst kennzeichnet eine gewisse Zwangslosigkeit. Cs genügt die Anwesenheit von zehn Männern, um aus der religiösen Zusammenkunft einen Gottesdienst zu machen, wo es auch immer sein mochte. Dies hinderte selbstverständlich nicht, daß man auch das bauliche Substrat hinzufügte, also Synagogen baute. Die ersten beglaubigten Nachrichten über Synagogen in unserem Sinne haben wir zwei bis drei Jahrhundert vor Christi. Die Synagoge von Alexandria galt als die großartigste. Durch die jüngsten Ausgrabungen in Galiläa ist man in der Lage, ein Bild der Synagoge zu rekonstruieren. Es waren rechteckige, dreischiffige Gebäude von einer gewissen Ähnlichkeit mit Basiliken. Die Maße waren bei der größten 18:24 Meter, also kein sehr großes Maß. Man erbaute die Synagogen gerne an hoch gelegenen Stellen der Stadt und auch in der Nähe von Wassern. Eine uralte Forderung, die auf die Zeit des zweiten Tempels zurückgeht, ist, daß die Richtung der Synagoge nach Osten geht, eine Forderung, die nicht nur bei jüdischen, sondern auch bei christlichen Gotteshäusern ganz allgemein verbreitet ist. Im übrigen wirken aus die Gestaltung der Synagoge weltliche Einflüsse stark ein. Es war daher die antike Vasilikaform, die den ältesten Synagogen zum Vorbild diente, wie auch christlichen Gotteshäusern. Synagogen in Deutschland und Frankreich haben romanische und gotische Stilelemente einbezogen. In Rußland und Polen finden wir vielfach Holzsynagogen. Die Innenausstattung der Synagogen wird durch wenige einfache Bedingungen bestimmt. Es muß zunächst für die Thorarolle ein Aufbewahrungsraum, ein Thoraschrein geschaffen werden. Ferner muß die Verlesung der Thorarolle an einem bestimmten Platz stattsinden, auch der Vorbeter muß einen Platz haben, an dem er die Gebete der Gemeinde vorträgt. Endlich muß ein Raum da sein, in dem auch die Frauen am Gottesdienste teilnehmen. Der Thoraschrein war ursprünglich frei beweglich und wurde später in die Ostwand des Gotteshauses eingebaut. Der Almemor wurde im Mittelalter vielfach in die Mitte des Gotteshauses gestellt, wie auch in München in der Synagoge an der Herzog- Rudolf-Straße. Später legte man den Almemor in die Nähe des Thoraschreins. Der Almemor wurde dann meist mit dem Vorbeterpult vereinigt. In alter Zeit waren Frauen wahrscheinlich im Gottesdienste nicht nur anwesend, sondern sogar direkt beteiligt, das Mittelalter hat in steigendem Maße die Frauen aus dem Gottesdienste zurückgedrängt. Man brachte die Frauen in besonderen Anbauten unter. Erst seit 1600 kamen von Italien ausgehend Emporen, auf welchen die Frauen getrennt von den Männern Platz nahmen, wobei man die Frauen durch Gitter oder Vorhänge den Blicken der betenden Männer entzog. Diese Gitter fielen jedoch später meistens weg. Sehr spät erst kam das „ewige Licht" hinzu, das eine Erinnerung sein soll an die Lichter, die im Tempel von Jerusalem brannten. Man hat im allgemeinen die Erinnerung an den Tempel gemieden, das ewige Licht ist eine Ausnahme hiervon. So wie das ewige Licht Licht und Wärme verbreitet, da es nicht aufhört zu leuchten, so hört auch das betende Menschenherz nicht auf, sich den Weg in die Höhe zu suchen, um ihn in der Sznagoge zu finden. S. Lehrkurse der kullusgemeinde München Mittwoch, 4. Dezember, 20.15 Uhr: Rabbiner Dr. Leo Baerwald: „Der Prophet Jeremias. Der Mensch und seine Sendung." 21.15 Uhr: Dr. Ludwig Feuchtwanger: „Epochen der jüdischen Selbstbehauptung seit dem Untergang des eigenen Staates." Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7/2. Mittwoch, 11. Dezember, 20.15 Uhr: Rabbiner Dr. Leo Baerwald: „Der Prophet Jeremias. Der Mensch und seine Sendung." 21.15 Uhr: Dr. Ludwig Feuchtwanger: „Epochen der jüdischen Selbstbehauptung seit dem Untergang des eigenen Staates." Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7/2. Die ersten Vorfrage der Lehrkurse der Israelitischen kullusgemeinde München Am 20. November 1929 fanden im Rahmen der Lehrkurse der Kultusgemeinde München im dichtbesetzten Bibliotheksaal der Gemeinde zwei Vorträge statt. Mit dem ersten Vortrag eröffnet« Herr Rabbiner Dr. Baerwald einen Vortragzyklus mit Lektüre ausgewählter Stellen: „Der Prophet Jeremias. Der Mensch und seine Sendung." Eine allgemeine Einleitung über die Propheten erklärte der Vortragende nicht geben zu wollen. Jeremias sei ein Schulbeispiel des Propheten und des Menschen. Wenn man ihn genau betrachte, erübrige es sich, über die Propheten im allgemeinen zu sprechen. Bei keinem Propheten sei das Individuelle so stark ausgeprägt, wie bei Jeremias. Jeremias Kap. 1 enthält die Geschichte von der Berufung des Propheten. Das Kapitel sei das zeitlich früheste und zugleich logisch früheste. Die Überschrift über dem Kapitel sei eine kleine geschichtliche Einleitung. Näheres zu bringen behielt sich Dr. Baerwald vor. Der Verlesung des Kap. 1 schlossen sich weitere Erörterungen an. Der Prophet sei der „Nori", d. h. der Verkünder, nicht der Prophet in des griechischen Wortes Bedeutung. Er soll nicht voraussehen, seine Aufgabe sei es, dem Volke zu sagen, was es in der Gegenwart tun solle. Das Zukünftige erwähne er nur ganz nebenher. Das Gotteswort drängt sich ihm mit einer überirdischen Gewalt auf, er kann sich gegen den Auftrag Gottes nicht wehren, er muß den Auftrag übernehmen. Ähnlich sei'es bei Mvfes gewesen, der den Auftrag Gottes auch nicht gerne angenommen hat. Diese Berufung habe sich bei anderen Propheten, z. B. bei dem Propheten Amos, viel einfacher und natürlicher vollzogen. Sie hätten den Gottesruf gehört und seien ihm ohne weiteren Kampf gefolgt. Der Prophet Jesaia hat seine Berufung in der Ekstase empfangen. Die Aufgabe, die dem Propheten Jeremias zuteil geworden fei, sei übermenschlich gewesen. Gegen Könige und Priester, gegen das ganze Volk sollte er sich wenden. Nur Negatives war ihm aufgetragen, nur Kritik im wesentlichen. Diese Ausgabe habe der Natur des Propheten widerstrebt. Jeremias sei weich gewesen und Zartheit Großer Weihnachfsuerkciuf mit besonderen Preisuergiinsfigungen GEGß. 7851*D/ENEßSm.22 »GEGENOE RATSKELLER.