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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-12-01 · 23 (1.12.1929) · p. Seite 385

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
23 (1.12.1929)
Article
Rothenburg o. d. Tauber
Date
1929-12-01
Page
Seite 385 (sequence 1)
Language
German
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Nr, 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 385 5lus dem Verbände Rothenburg o. d. Tauber. Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Rothenburg o. i>. Tauber hatte am Freitag, dem 22. November, die ganze Gemeinde zu einem Festabend geladen, er galt der Begrüßung des am 1. November bestellten neuen Lehrers und Predigers der Kultusgemeinde, Herrn Lehrer Marx und seiner Gattin, sowohl, als auch der Feier des achtzigsten Geburtstages des Ehrenvorsitzenden der Gemeinde, Herrn Carl Wimpfheimer. In schönen Worten begrüßte der erste Vorsteher, Herr Theodor Mann, den neuen Beamten und hieß ihn als Führer der Gemeinde herzlichst willkommen und gratulierte dem im Ehrendienste der Gemeinde ergrauten Herrn Wimpfheimer innigst zu seinem Geburtstage und erwähnte, daß Herr Wimpfheimer vierundzwanzig Jahre Kassier und achtzehn Jahre der erste Vorsteher der Gemeinde gewesen und in jeder Hinsicht allzeit ein leuchtendes Vorbild für alle gewesen sei. Auch der zweite Vorsteher, Herr Lißberger, fand freundliche Worte der Begrüßung für den neuen Beamten und dankte Herrn Wimpfheimer sen. für sein verdienstvolles Wirken und wünschte ihm noch lange Jahre ungetrübter Gesundheit. In launischen Versen, die den Kassier der Gemeinde, Herrn Wimpfheimer jun., zum Verfasser hatten, begrüßte Frl. Oberndörfer das neue Lehrerpaar und brachte die Wünsche und Bitten der Gemeinde vor. Frl. Haumann und Frl. Loewenthal feierten dann in einem Zwiegespräch den Jubilar des Abends, Herrn Wimpfheimer fen. Sichtlich ergriffen von der Fülle der ihm zuteil gewordenen Ehrungen dankte der Jubilar all seinen Gratulanten. Herr Lehrer Marx ging in humorvoller großer Rede auf all die Wünsche ein und versprach allzeit bestrebt zu sein, der Gemeinde seine ganze Kraft zu widmen und schloß mit dem Wunsche, daß die Kultusgemeinde einer Zeit neuer Blüte entgegengehen möge. Nachdem noch in trefflichen Worten die Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, Frau Helene Loewenthal, namens der Frauen das neue Lehrerpaar begrüßt und dem greisen Jubilar die besten Wünsche übermittelt hatte, ward noch manche frohe Ansprache gehalten und gegen Mitternacht trennte man sich in dem Bewußtsein, ein recht schönes Gemeinschaftsfest gefeiert zu haben. Hrrschaid (Oberfranken). Zur ersten Wiederkehr des Jahrzeits für unseren unvergeßlichen Herrn Hauptlehrer A. M. Rau wurde von dessen Kindern in hiesiger Synagoge ein Ner Tomid gestiftet, das unserem Gotteshause zur Zierde gereicht. Nach Mincha und von Herrn Lehrer D. Kahn vorgetragenem Einleitungsgesang übergab im Namen der Familie der Sohn des Verewigten, Herr Lehrer Simon Rau, Weißenfels, mit einer herrlichen Rede das Ner Tomid der Obhut der Gemeinde. Hierauf nahm Herr Lehrer Kahn dasselbe mit Dankesbezeugungen entgegen und rief nochmals die hervorragenden Charaktereigenschaften seines Amtsvorgängers, der hier über sechsundvierzig Jahre segensreich wirkte, der ergriffen lauschenden Gemeinde ins Gedächtnis. Diese erhebende Feier wird noch lange in unserem Gedächtnis bleiben. — In unserer Gemeinde feierte am 12. November deren Senior, Herr Joseph Hellmann, bei vollkommener Geistes- und Körperfrische seinen achtzigjährigen Geburtstag. Mögen demselben noch viele weitere Jahre in Gesundheit beschieden sein. — Einen schweren Verlust erlitt unsere Kultusgemeinde durch den Heimgang des Kaufmanns Max Weißmann, Buttenheim. Dessen überaus ehrenvolles Leichenbegängnis, bei dem alle Konfessionen und einige Militäroereine mit Fahnen und Musik vertreten waren, legte Zeugnis ab von der Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich der Verewigte bei Arm und Reich, auch über die Grenzen seiner Berufstätigkeit hinaus, erfreute. Ansbach. Am 4. November vollendete Herr Jakob Weil sein 70. Lebensjahr. Herr Weil war in früheren Jahren Vorstand unserer Gemeinde und führte die Geschäfte der Verwaltung in vorbildlicher Weise. Während zweier Wahlperioden war er auch Mitglied des Stadtrates Ansbach und wirkte in demselben zur Zufriedenheit aller Bürger. Wenn es nicht gelang, Herrn Weil dem Stadtrate zu erhalten, so lag dies lediglich in der seitens der völkischen Verbände verursachten Hetze gegen die jüdischen Bürger unserer Stadt. Während des Krieges hatte Herr Weil im Stadtrate das Referat der Lebensmittelversorgung und wenn gerade hier die Versorgung jederzeit gelang, so war dies, wie Herr Oberbürgermeister in letzter Sitzung des jetzigen Stadtrates erwähnte, lediglich dem Verdienste des Herrn Jakob Weil zu verdanken. Möge es ihm vergönnt sein, sich noch lange Jahre der besten Gesundheit zu erfreuen, Bezirks-Konferenz Ansbach. Nächste Sitzung: Sonntag, den 15. Dezember 1929. Referat: Bezirksrabbiner Dr. Munk „Der Talmud und feine Gegner". L e v i t e, Gunzenhausen. Schochlim-Verband Bayern Bad Kissingen. Unsere Generalversammlung findet am 5. Januar 1930 in Kitzingen (Gemeindelokal) statt. Beginn 11 Uhr vormittags. Tagesordnung: 1. Begrüßung und Jahresbericht, 2. Entlastung des Kassiers. 1 Uhr gemeinsamer Mittagtisch. 2.30 Uhr Fortsetzung der Verhandlungen. 3. Neuwahl, 4. Wünsche und Anträge (Reichsoerband). Wir bitten unsere Mitglieder, Wünsche und Anträge bis 20. Dezember 1929 bei dem Vorsitzenden einzureichen. Gustav Neustäter. 6us der Semeinde München Vorkrag ln der Synagoge Im Anschluß an den Vortrag über »Die Synagoge, ihre Geschichte und Gestalt" wird am Sonntag, dem 8. Dezember, nachmittags 17 Uhr, in der Hauptsynagoge Rabbiner Dr. Dienemann aus Offenbach einen Vortrag über den »Geist des jüdischen Gebetbuches" halten. Als musikalische Umrahmung werden Stücke aus unserem Gebetbuch zu Gehör gebracht. 9 habimah Das Gastspiel der Habimah vom 11. bis 18. November 1929 in den Kammerspielen im Münchener Schauspielhaus brachte, uns an Erstaufführungen: „Davids Krone" von Calderon, „Der Schatz" von Schalom Alejchem, „Jakobs Traum" von R. Beer-Hofmann, ferner die bereits bei dem ersten Gastspiel gespielten Stücke: „Der ewige Jude" von David Pinski, „Der Golem" von Leiwik und das berühmteste Stück der Habimah „Der Dybuk" von Sch. An-Ski. Es war ein starker Erfolg, wenn auch vielleicht kein äußerer, denn der Zuhörerraum wies an manchen Tagen merkliche Lücken auf. Dies mag zum Teil an den wirtschaftlichen Verhältnissen liegen, Gastspielpreise sind heute nicht für jeden erschwinglich und es wurde darüber geklagt, daß an den Kassen fast ausschließlich nur die teuren Plätze zu erhalten waren. Es kommt hinzu, daß eine Theatertruppe benachteiligt sein muß, die ständig auf ihr wirksamstes Mittel, die Sprache, gewissermaßen verzichten muß, weil der überwiegende Teil des Publikums sie nicht versteht, und auch nicht einmal die Gesten alle verstehen kann, weil die Habimah nicht nur ein jüdisches, sondern auch ein russisches Theater ist. Gleichwohl waren die Eindrücke des Gastspiels unvergeßlich. Man kann sich nicht erinnern, von einer anderen Vorstellung so starke optische Eindrücke mit nach Hause genommen zu haben und dies nicht nur wegen der unverstandenen Worte. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, hier auf Einzelheiten zurückzukommen, die in den Tageszeitungen ausführlich berichtet wurden. Nicht nur die Masken riefen die Erinnerung an die griechische Tragödie zurück, auch die starken, geradlinigen, unverbrauchten Leidenschaften, die diese Menschen durchströmen und die keiner theoretischen Fundierung bedürfen, deren Zusammenstoß mit den sittlichen Gesetzen als naturgegebene Notwendigkeit erscheint. Amnons Liebe zu seiner Schwester Thamar! Man stelle sich die Elisabeth Bergner neben der Rowina vor, um die Besonderheit dieses siidischen Theaters zu erfassen. Welch prächtige Leistung war doch auch der Absalom Zwi Friedlands in „Davids Krone". Vor diesen Leistungen steht die Kritik verlegen. Muß man heute nicht vielleicht zu Lessings Hamburgischer Dramarturgie zurückgreifen, um zu ahnen, was wirkliche Theaterkritik ist? Das Theater, einbezogen in den ganzen Kulturkreis der Zeit, gehoben beinahe durch die Schau eines universell gerichteten Geistes. „Es ist nur e i n Athen gewesen, es wird nur e i n Athen bleiben, wo auch bei dem Pöbel das Sittengefühl so fein, so zärtlich war, daß einer unlauteren Moral wegen (also ohne Schund- und Schmutzgesetz!) Schausteller und Dichter Gefahr laufen, von dem Theater herabgestürmt zu werden." Die größten Schwierigkeiten mußten sich dem Verständnis des Aleichemschen Lustspiels „Der Schatz" entgegenstellen, denn dieses Genre lebt vom Dialog, an dem das Publikum teil hat. Dennoch bekam man ein unvergängliches Bild von dem Leben und den Nöten der Juden in den russischen Kleinstädten, darüber hinaus von den

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