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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-12-01 · 23 (1.12.1929) · p. Seite 381

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
23 (1.12.1929)
Article
Inhalt
Date
1929-12-01
Page
Seite 381 (sequence 1)
Language
German
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Rachrichtenblatt öer Israelitischen Tultusgemelnöen in München unü Augsburg unü öeö VerbanÜes Hagerischer Israelitischer Gemeinöen erscheint am t. unü 15. seürn Monats. — Verla-: L. geller, München, Ve-ugSpertö für nlcht etngewtesene Hezleher: Reichsmark 4.S0 kür öa< pllnganserstrape <$4/ Jtmtuf 75><*4unö 7Z ö ö5/ Postscheck München Z§>S7. zahr. Anreigenprett r vlr ^-efpalteye Milllmeler - Zelte 40 Reichspsennl, SchriplettürU: vr. Lügen vchmtiit/ Rechtsanwalt ln München, Larlstraße Zamlllenanzeigen, -Stellengesuche unü ähnliche Angebote ,5 Reichspfennl, München,-.Dezember Nr. rz ' Inhalt: Versuch über Arnold Zweig — Münchener Kunst in Rom — Aus dem Verbände —„Aus der Gemeinde — Bücherschau — — Geschästsnachrichten — Personalia. - Vereine- Versuch über 5trnolb Zweig < von M an fred Stur mann . Eine Sprache ist nicht schön, wenn sie nicht kühn ist, * und letzten Endes wird man finden, daß in Ansehung der Sprachen „Schönheit" identisch mit „Kühnheit" ist. Leopard i. . . - . .I. . Als ich diese Worte des großen Italieners las, mußte ich an dieEchö^MMnT'A^r^old^J eigs denken, und es schien mir richtig, diesen Satz einem Versuche voranzustellen, der es sich zur Aufgabe macht, das Wirken dieses jüdischen Dichters darzustellen. Ein solcher Versuch wird ein labiles Unterfangen sein: Arnold Zweig, 1887 in Niederschlesien geboren, also heute nur wenig über vierzig Jahre, ist einer von denen, die nach Kriegsende einen völlig neuen Anschwunggefunden haben. Er ist mit den .«SfowMn -Renern. dem Kriege bekannt machte, ganz plötzlich -in die vorderste Reihe der deutschen Erzähler gerückt, und damit'war die erste Periode seines Schaffens beschlossen, denn der Krieg wirbelte ihn hinaus, und der Dichter kehrte an den Schreibtisch als ein anderer zurück, als jener nämlich, der den Roman „Der Streit um den Sergeanten Grischa" schrieb. Das war wiederum ein Beginnen und ein Höhepunkt zugleich. Wir sehen also, daß sich Arnold Zweigs Entwicklung nicht gradlinig vollzogen hat, sondern eruptiv, in steiler Kurve. Eine solche Entwicklung nachzuzeichnen, 'zumal wenn der Dichter schaffend und wirkend unter uns lebt', also eigentlich distanzlos nachzuzeichnen, muß^Mtwendigerweise ein Versuch bleiben,. Seine Sprache, und von ihr wollen wir zuerst reden, stellt Leopardis Synthese von „Schönheit" und „Kühnheit" in idealem Maße dar. Ihr Zauber liegt darin, daß sie überall, selbst in dem verstecktesten kleinen Essay, schöpferisch, also neuartig ist. Sie gleicht einem blumenhaften Gebilde, das gus dem Mutterboden ...■ .T7"~ \ - ■ -.-.-■ N des Geistes kühn emporschießt, sie ist-immer, herb, von Gedanklichem geradezu geladen (sehr typisch in der Novelle§„Der Spiegeldes großen Kaisers", von der noch, die Rede sein nürd), sie sitzt knapp über dem Darzustellenden wie ein meisterhaft gefertigtes. Gewand, sie kann auch zuweilen sehr lyrisch sein (wie in den „Novellen ttm Claudia"), aber diese Lyrik ist sehr sublimiert, in_ den-Fermen seiner unbestechlichen Gerstchkett 'erbärtef, sodaß neben dem Schönen das Kühne, das Männliche nie fehlt. Sie ist vielleicht der Sprache Martin Bubers verwandt, wenn man einen'Vergleich ziehen darf. Arnold Zweig ist-der Dichter der Wirklichkeit. Schon in den „Novellen um Claudia" finden wir eilte wunderbare. Sinngebung des Lebens. Nie strebt in seiner Dichtung der bewegte Strom der Handlung vom Leben weg in das Trang'zendente, sonderu genau . umgekehrt: die'Idee der Humanität - und sie erfüllt alle Werke des Dichters - mündet in das Wirkliche, gibt demckleinsten-Vorgang ihren Sinn(„Grischa!"- und typisiert das Beispiel. So, wenn Zweig in den „Novellen um Claudia" die Differenziertheit und das Sehnen nach Schönheit der Vorkriegsmenschen darstellt, in der „Sendung Seruaels" die Juden frage,' im ,-Regenbogen" das Leid des-Nachkriegsrnenschen und tm „Grischa" schließlich die Friedensidee. Arnold Zweig also ist lticht nur Erzähler. Er tritt an seine Leser mit der unerbittlichen Forderung heran, sich mit seiner Zeit auseinanderzuselzen, er rüttelt die Dumpfen und Lauen zum Nachdenken auf, er gestaltet und fordert zugleich. Der wahre Dichter, schöpfi nicht um der Schöp f unst w i ll e tt,.er \vi 11 nicht allein zur Freude tmb Erbatiung sein Werk in die) Hände anderer leget!, sondern.seine Ausgabe ist es, der Idee zu) dienert und die Sendung zu erfüllen, zu der ihn die Gnade seiner 'Gaben bestimmt hat. In diesem Sinne ist der wahre Dichter Erzieher und Politiker, und Zweig ist beides. Er ist politischer Dichter, weil 8onntag,s.r>ei.,l7Uhr, iflortrag in öer (Eaunlfptiaaoae. iflaherta 8filLM_

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