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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-11-15 · 22 (15.11.1929) · p. Seite 374

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
22 (15.11.1929)
Article
Vortrag von Prof. Dr. Strich
Date
1929-11-15
Page
Seite 374 (sequence 2)
Language
German
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 22 374 München-Ostbahnhof 30 Jahre am Platze Kohlen Koks Briketts O Holz fUr Hausbrand, Gewerbe und Industrie Beste Kohlscheider und Rührer Änthrazite Fernsprecher 43 3 33—36 Monotheismus und der Humanität. Der jüdische Kosmopolitismus entstand so durchaus nicht aus der durch die Tempelzerstörung bedingten Entwurzelung, sondern nur aus der jüdischen Gottesidee. Der jüdische Dichter ist daher nur dann jüdisch, wenn der Geist des Alten Testaments in ihm ist. Nachdem Prof. Strich so ein Bild des Juden und des jüdischen Dichters gezeichnet hätte, behandelte er unter diesem Aspekt die bedeutendsten jüdischen Dichter der letzten hundert Jahre und der Gegenwart. Er zeigte den Gegensatz von Heine und Börne zu Goethe auf, der nach Heine darin bestand, daß Goethe sich selbst genießen wollte, während Heine sein Leben der Idee opfern wollte. Die französische Revolution mit ihrer Botschaft von Frei- : heit, Gleichheit und Brüderlichkeit und die ihr folgende Emanzipation hatten nicht die viel behauptete Berjudung des Westens,! sondern die Verwestlichung des Juden zur Folge. Da tauchten Dostojewski und Tolstoi wieder als Retter aus dem Osten auf und wirkten befruchtend auf die jung-jüdische Dichtergeneration ein. In jüngerer Zeit wurden dann nochmals drei westliche Propheten gefährlich: Nietzsche, der das Leben durch den Geist bezwingen wollte; Stefan George, der einen Ästhetizismus predigt; Werfel, l der, selbst Jude, egozentrisch eingestellt ist. Dem jüdischen Dichter darf es aber nicht um die Jch-Erlösung gehen, sondern nur um die Welt-Erlösung!- Prof. Strich schloß damit, daß ein jüdischer Staat nicht auf der nationalistischen Idee gegründet sein dürfe, sondern nur die Verwirklichung der jüdischen Sendung anstreben dürfe. Daher vermöge jeder der jüdischen Idee zu dienen. „Denn da ist Zion, wo Humanität und reine Liebe yraltet."-- — Die hochbedeutsamen, mehr als zweistündigen Ausführungen des Redners, von denen vorstehend nur ein kurzer Abriß gegeben werden konnte, stachen wohltuend von dem gewohnten Vortragsniveau ab; sie wurden auch mit reichem Beifall belohnt und hinterließen überall den nachhaltigsten Eindruck. Dr. R. Bellmann (Augsburg). Vereine Jüdischer Jugendverein Vortragsabende: Lessingsaal. Beginn: 20.45 Uhr. Donnerstag, den 21. November: Alfred Obermayer liest aus „Sozialen Dichtungen". Donnerstag, den 28. November: Rech sanwalt Dr. Wallerstein spricht über: „Napoleon und die Juden." Areitagsabendfeiern. Die Freitagsabendfeiern finden regelmäßig in der Herzog-Max-Straße 3/1 um 20.30 Uhr statt. (Leitung: AbwecUelnd die Herren: Lehrer Adler, Oberlehrer Dr. Keßler, Prof. Dr. K l u g m a n n, Studienrat 6d)QaI mann, Präparandenlehrer Hirnheimer.) Alle jungen Juden - Münchens, denen die Weihe eines häuslichen Freitagabends versagt ist, sind wie immer herzlichst eingeladen. ' Delegierkentagung des Bayer. Landesverbandes der I. J.-V. am 1. Dezember in Regensburg. Thema: „Jüdischer Aktivismus." Referenten: Fritz Schwarzschild (Düsseldorf) und Dr. S. Keßler (München). S. K. Auf Wunsch zahlreicher Mitglieder hat die Vereinsleitung beschlossen, auch in diesem Winter Arbeitsgemeinschaften ins Leben zu rufen, . um allen Interessenten Gelegenheit zu a k - tiver Mitarbeit zu geben. In Aussicht genommen sind: 1. B ib elkurs. Leiter: Präparandenlehrer Hirnheimer. Alle 14 Tage. Beginn: 19. November 20.30 Uhr. Bibliothekssaal. 2. Diskussionsabende: Thema: „Das Judentum und feine Umwelt." Leiter: Dr. Siegfr. Keßler. Alle 14 Tage. Beginn: 26. November, 20.30 Uhr. Bibliothekssaal. Alle, auch Nichtmitglieder, sind herzlich willkommen. S.K. Konzert des Jüdischen Gesangvereins: Samstag, 7. Dezember: im Odeon. Der Verein hat für sein Konzert ein sehr interessantes Programm zusammengestellt. Nach einem Orgelpräludium folgt Keduschah von Rosst, komponiert um 1600. Dies Werk wurde von Rothschild in Paris entdeckt und von dem Musiker Vincent d'Jndy neu bearbeitet. Das darauffolgende Werk von Heinrich Schallt: Israel 10 jischbot mih' jot goy ist im hebräischen Text eine Uraufführung für München; bei seiner Erstaufführung in deutscher Sprache durch den Domchor unter Direktion von Domkapellmeister Berberich fand es sehr großen Beifall. Es ist ein Hymnus für fünffllmmigen Chor, Orgel, Harfe, Solo-Violine, (Op. 23), Dichtung von Jehuda Halevi. Ein Lecho dodi von Almon, dem Londoner Oberkantor, ist eine nach uralten Melodien verfaßte Komposition Als Solisten wurden gewonnen: Herma Studeny, die die Solls in dem Chor ausführt; außerdem drei Solls von Ernest Bloch: Baal Schem, drei chassidische Stimmungen für Violine und Klavier. 1. Zerknirschung (Widui); 2. Improvisation (Nigun); 3. Jubel (Simchas Thorah). Herr Kantor Neu singt die Solls in den Chören; außerdem kantorale Melodien und tritt damit zum erstenmal hier in die Öffentlichkeit. Den Harfenpart führt Kammermusiker Büttner aus. Am Klavier Heinrich Schallt. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde München werden in diesem Konzert äußerst interessante Kompositionen hören. Der Vorverkauf hat begonnen und zwar bei der Ewer-Buchhandlung, Ottostraße, im Sekretariat der Kultusgemeinde; Goldberg, Schwanthalerstraße 24, Bacharach, Frauenstraße 6. Auswandererfürsorge des Hilfsvereins der Deutschen Juden — ein Werk von großer sozialer Bedeutung Die Auswandererfürsorge des Hilfsvereins der Deutschen Juden wird durch das Büro seiner Zentrale in Berlin, den Bahnhofsdienst am Schlesischen Bahnhof in Berlin, die Komitees in Hamburg und Bremen, die Bahnhofsdienste in Stentsch und Osnabrück und Vertrauensleute im Reiche wahrgenommen. Im Jahre 1929 hat sich die Zahl der Auswanderer und Durchwanderer, denen seine Fürsorge galt, stark erhöht, insbesondere was den Durchgangsverkehr auf dem Schlesischen Bahnhof in Berlin anbetrisft. Unter , der Fürsorge des Hilfsvereins passierten: Berlin: Bahnhofsdienst des Hilfsvereins Schlesischer Bahnhof, Aus- und Rückwanderer: 1. Januar bis 30. September 1929: 31 642 Personen. Ihren Weg nahmen über: Stentsch: 1. Januar bis 30. September 1929: 6867 Personen. Osnabrück: 1253 Personen. Hamburg: 1. Januar bis 30. September 1929: 3400 Personen. Bremen: 1. Januar, bis 31. August 1929: 750 Personen. Im Büro der Berliner Zentrale fanden eingehende Beratung und Hilfe: 1. Januar bis 30. September 1929: 732 Personen. Der Schlesische Bahnhofwird von Auswanderern aus osteuropäischen Staaten passiert, die nach deutschen, belgischen, französischen HnniKirlfl Fürstenstr. 2, nächst Odeon Fernsprecher Nr. 27313 Die SOIlderklaSSe (Park-UHote? Bad"1 Tölz) Müncheneraaststätten Dicker-Burian singt und spielt Äparte Gesellschaltsräume für Familierifestlichkeiten Äb 15. September Bridge Cercle ■

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