Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 21 (1.11.1929)
- Article
- Lehrkurse der israelitischen Kultusgemeinde München
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 359 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 359 persönliche Wissen um das Judentum zu bereichern und zu vertiefen und durch lebhafte Anteilnahme den Geist der jüdischen Gemeinschaft zu pflegen. — Anfang Dezember wird der Kunsthistoriker Julius Hülfen aus Frankfurt am Main in Lichtbildervorträ^en über tie Ergebn fse der neuesten Ausgrabungen in Babylonien und über den Stand der Forschungen nach .dem salomonischen Tempel unterrichten. Vorträge in der Synagoge Wie im Vorjahre sollen auch heuer einige Vorträge belehrenden Inhalts, die von musikalischen Darbietungen umrahmt sind, in der Synagoge Herzog-Max-Straße 7 abgehalten werden. Am Sonntag, 17. November, nachmittags 17 Uhr, wird Herr Rabbiner Dr. Baerwald über „Die Synagoge, ihre Geschichte und ihre Gestalt" sprechen. Nähere Ankündigung erfolgt noch in der nächsten Nummer der Gemeindezeitung und in den Tageszeitungen. Weitere Vorträge sollen sich mit dem jüdischen Gottesdienst beschäftigen. Dr. Nassauer Im Monat Oktober beging Herr Sanitätsrat Dr. Max Nassauer seinen 60. Geburtstag. In unserer allzusachlichen Zeit sind Menschen wie Nassauer, der als Arzt und Dichter zugleich sich einen Wirkungskreis geschaffen hat, selten. Der Jubilar ist nicht nur der Verfasser einer großen Reihe wissenschaftlicher Arbeiten auf dem Gebiete der Frauenheilkunde, sondern auch von Büchern, die in feiner Art das Problem Arzt und Kranker gestalten. Dr. Beer Dr. Heinrich Beer, Spezialarzt und Vorsitzender der Münchener dermatologischen Gesellschaft, feierte am 26. Oktober 1929 seinen 70. Geburtstag. Wohlfahrksbriefmarken 1929 Vom 1. November 1929 ab findet der Verkauf der neuen Wohlfahrtsbriefmarken statt. Der Wohlfahrtsaufschlag der diesjährigen Wohlfahrtsbriefmarken beträgt durchschnittlich 50 Prozent des Frankierungswertes. Die Erträge der Wohlfahrtsbriefmarken dienen zur Linderung materieller Notstände im Reichsgebiet; sie sollen in erster Linie für die Jugend, und zwar unter besonderer Berücksichtigung der Erholungsfürsorge für die noch nicht schulpflichtigen Kinder und ihre Mütter, sowie die schulentlassenen Jugendlichen verwendet werden. Die Vertriebsstellen können 80 Prozent des Reinertrages der von ihnen verkauften Marken für ihre eigenen Zwecke einbehalten. Wir bitten darum, Wohlfahrtsbriefmarken zu beziehen durch das Wohlfahrls- und Jugendamt der Israelitischen kullusgemeinde, München, Herzog-Max-Straße 5/1, Telephon 92 8 83. Iugendring Die Unterzeichneten Vereine haben sich zu einem Iugendring zufammengeschlossen, der die Aufgabe haben soll, die jüdische Iugend aller Richtungen mit einem geistigen Band zu verknüpfen. Wir wollen uns näherkommen und ohne parteiliche Einstellung zu aktuellen Fragen und vor allem zu jüdischen Problemen Stellung nehmen. Wir erlauben uns daher die gesamte jüdische Iugend Münchens herzlichsi zu unserem ersten Vortragszyklus über: „Die jüdische Literatur von Moses bis Vuber", beginnend am Montag, dem 2. November, um 20 Uhr, im Bibliotheksfaal der Kultusgemeinde einzuladen. Bar-Kochba Iunggruppe des IIV. Efra kadimah Kameraden. Vereine Jüdisches Kammerorchester München Das Jüdische Kammerorchester München hat mit Anfang September seine Winterarbeit ausgenommen. Das Orchester hat am 30. September bei einer Mendelssohnfeier der München-Loge mitgewirkt und dort eine Bühnenmusik von P u r c e l l und ein Klavierkonzert von Mozart zur Aufführung gebracht. Es ist wahrscheinlich, daß das Orchester während dieses Winters, noch mehrmals bei Veranstaltungen jüdischer Vereine, sowie auch mit eigenen, kleineren Veranstaltungen an die Öffentlichkeit tritt. Tüchtige und musizierfreudige Streicher und Bläser sind jederzeit willkommen. Die Übungsabende finden jeden Mittwoch, um 20.15 Uhr pünktlich beginnend im Leffingfaal, Herzog-Rudolf-Straße 1, statt. Es fei auch wiederum darauf hingewiesen, daß Bläser im Orchester stets sehr erwünscht sind und sofort musikalischen Anschluß, sei es in Kammermusik oder im Orchester, finden. Es empfiehlt sich somit, Blasinstrumente zu erlernen, um so mehr, als die Lernzeit erheblich kürzer ist, als bei Klavier und Streichinstrumenten (etwa ein Jahr bis zur Verwendbarkeit in leichterer Kammermusik; bei Klavier und Streichinstrumenten etwa vier bis sechs Jahre). Der Leiter des Orchesters, cand. med. Heinrich Lamm, ist gerne bereit, über das Erlernen von Blasinstrumenten Auskunft zu geben (Wahl des Instruments, Lernzeit, gesundheitliche Rücksichten und dgl.). Anfragen in den Übungsabenden oder fernmündlich (23 9 01) oder schriftlich (Bruderstrahe 12/0 links). Während des Winterhalbjahres werden voraussichtlich die folgenden Werke studiert werden: Mozart, Konzert für zwei Klaviere und Orchester, KV 365; Pergolese, La serva patrona (Opera buffa), Sinfonia für Streicher und Hörner; Vivaldi, Concerto grosso D- Moll; Jakob Weckmann, Der 126. Psalm (Kantate mit kleinem Chor); Hindemith, Stücke für Streicher; Pepusch (1735), Ouvertüre zu The Beggars Opera; Goldberg (1929), Symphonische Musik; Dittersdorf, Cembalokonzert u. a. m. Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes Unsere schon seit mehreren Jahren abgehaltenen Kurse für Näh-, Putz- und Handarbeiten in den Räumen Herzog-Max-Straße 5/1 haben wir wieder eröffnet. Dank tüchtiger Kräfte lehren wir Frauen und Mädchen ihre Garderobe mit kleinen Mitteln selbst anzufertigen und erklären und zeigen Handarbeiten jeglicher Art zum Selbstgebrauch und Erwerb. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir auch dieses Jcchr wieder regem Zuspruch begegnen, um so mehr als die Kurse für jedermann unentgeltlich sind. Rosa-Werner-Nähftube Den aufmerksamen Lesern dieser Zeitung wird es nicht entgangen sein, daß wir es uns zur angenehmen Pflicht gemacht haben, jedes Jahr um diese Zeit über unsere Tätigkeit zu berichten. Am 7. Juli waren es 5 Jahre, daß wir uns konstituiert haben, inzwischen führen wir zum Andenken an unsere Protektorin, Frau Rosa Werner s. A., den Namen Rosa-Werner-Nähftube. Wir freuen uns, daß es uns bisher gelungen ist, der uns gestellten Aufgabe: Notleidende jeden Standes mit felbftverfertigter neuer Wäsche zu versorgen, gerecht zu werden. Dafür gehört heißer Dank unseren fleißigen Damen, die all das schaffen, was wir so froh geben können, und die nicht müde werden, ihre Zeit und Kraft in den Dienst unserer Sache zu stellen. Wir danken auch den lieben Spendern von Rohstoffen und Geldmitteln und vor allem der verehrlichen Kultusgemeinde für das uns stets bewiesene Wohlwollen. Im abgelaufenen 5. Geschäftsjahre wurde fertiggestellt und an 85 Familien zur Verteilung gebracht: 118 Bettücher, 118 Bezüge, 236 Kissen, 2 Jnlettbezüge, 37 Hemden, 10 Schürzen, 24 Hemden für Herren, 12 Handtücher, 15 Kinderkleider, 28 Häubchen, 1 Morgenrock, 107 Taschentücher, 5 Schlafanzüge, 3 Blusen, 12 Höschen, 12 Paar Handschuhe. Außerdem haben wir für das Landheim Wolfratshausen und die Ferienkolonie Krumbach uns übergebene Arbeiten durchgeführt. Die Verteilung lag wieder in den Händen von bewährten Damen der Gemeinde. Wir nähen wieder feit 3. September, jeden Dienstag nachmittag von 3—6 Uhr in den gemeindlichen Räumen Herzog-Max-Straße 3. Jeder der uns helfen will, ist herzlich willkommen und wir bitten Damen, die Mitarbeiten wollen, sich zu melden bei Frau Amalie Lang, Blumenstraße 31, Telephon Nr. 24 9 92, oder bei Frau Else Landauer, Gentzstraße 1, Telephon 318 61.