Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 20 (15.10.1929)
- Article
- Zirndorf
- Date
- 1929-10-15
- Page
- Seite 335 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 335 Die Synagoge selbst weist eine wundervoll abgetönte Farbenstimmung auf, sowohl in der Bemalung der Wände und insbesonders der Decke; Silbergrau in Verbindung mit einem zarten Rot und Blau verleiht dem Hause trotz aller Einfachheit einen würdigen stimmungsvollen Charakter. Als einzige Ausschmückung der Wände dienen die in Blau gehaltenen Embleme, welche an der Ostwand Bundeslade und Bundestafeln, an Len übrigen Wänden den Sabbat und die Festtage des Jahres symbolisieren. Dank der großzügigen Unterstützung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, dank der Opferwilligkeit der hiesigen Gemeinde und ihrer rührigen Vorstandschaft, die in unermüdlicher Weise wirkte' und schaffte, bis das kleinste Detail vollendet war, nicht zuletzt aber auch dank der Gebefreudigkeit des erst jung gegründeten Frauenvereins ist unsere Synagoge in neuer Schönheit erstanden, Len späteren Geschlechtern zur Nacheiferung dienend, ihnen zeigend, daß auch unser Geschlecht es verstanden hat, das überkommene und übernommene Erbe der Väter hochzuhalten. So möge unser Gotteshaus auch uns und unseren Kindern eine Stätte der Andacht, der Belehrung und des Trostes fein, wie es bei unseren Vätern war. G. Erlangen. Die Ortsgruppe Erlangen des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete am Samstag abend im Saale des Bahnhofhotels im Gedenken an den 200. Geburtstag des Philosophen Moses Mendelssohn eine Gedächtnisfeier. Herr Kantor Fränkel hieß Mitglieder und Gäste willkommen. Besonderen Gruß und Dank entbot er Herrn Rabbiner Dr. Behrens (Fürth) für die Übernahme der Gedenkrede. Ferner richtete er noch Worte der Begrüßung und Dankes an den mit seinen Angehörigen an der Feier teilnehmenden Herrn Dr. Mendelssohn - Bartholdy (Erlangen) als einen Nachfahren des Philosophen, sowie an diejenigen, welche bei der festlichen Ausgestaltung der Feier mitwirkten: Herrn Oberkantor Adler (Fürth), Herrn Rotenstein und seinen Quartettfreunden, den Herren Frör, Paulus und Roth, und weiter an die Vertreter der Presse. Herr Rabbiner Dr. Behrens schilderte dann in formvollendeter Gedenkrede das Werk und das Wirken dieses dritten großen Moses und hob die markantesten Wesenszüge des in Dessau geborenen und ab dem 14. Lebensjahre in Berlin lebenden großen Weisen von Berlin unter kurzer Skizzierung seines Lebensganges hervor. In Mendelssohn verkörperte sich „die wunderbare Verbindung, diese harmonische Abrundung des Gedankens, daß das wahre menschliche Wesen erst zur Vollendung und Krönung kommt, wenn das Wesen Israels und das Wesen der übrigen Menschheit sich begegnen und wenn diese beiden sich tief und dauernd befruchten". Dr. Behrens würdigte die leidenschaftliche Energie, mit der sich Mendelssohn die reichen Bildungsmittel seiner Zeit zu eigen machte, so daß Lessing, in dessen Kreis er trat, einen gewaltigen, tiefen und unauslöschlichen Eindruck von dem tiefen Bildungsstreben Mendelssohns empfangen hat. Die Freundschaft zwischen Lessing und Mendelssohn hat ein Menschenalter ausgehalten, Mendelssohn suchte der deutschen Literatur im Geiste Lessings die Wege zu bereiten. Mendelssohn hat kaum ein Wort geschrieben, bei dem er sich nicht vorgestellt hatte, was wird Lessing dazu sagen. Auch Lessing wurde tief von Mendelssohn beeinflußt; er hat ihm in „Nathan der Weise" ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Mendelssohns Bemühungen gingen dahin, seine jüdischen Glaubensbrüder in den Kreis der deutschen Umwelt einzufügen. Er erkannte, daß sich seinen Brüdern die Pforte zur Welt nur öffnen kann, wenn man die Sprache der Welt, die Sprache der Umwelt finde. Unter den bedeutendsten Leistungen, die Mendelssohn aufzuweisen hat, ist deshalb die größte, daß er die deutsche Sprache mit einer leidenschaftlichen Energie erlernt hat. Er hat sie dann so meisterlich zu handhaben verstanden, daß er dazu berufen war, der deutschen Philosophie das Sprachgewand zu geben. Mendelssohn hat die Verbindung von religiöser Treue und Allgemeinwissenschaft bis an sein Lebensende aufrechterhalten, er wollte nicht um ein Jota von den Überlieferungen seiner Väter abweichen. Wallach * München an der Hauptpost Vorhangstoffe und Bodenbelag eigene Fabrikation, eigene Künfilerentwürfe Gtilmöbel, neu und antik Beleuchtungskörper - Tücher - Decken Reiche Auswahl - Mäßige Preise MÜNCHEN HOTEL EUROPÄISCHER HOF BES. 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