Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 20 (15.10.1929)
- Article
- Einweihung der wiederhergestellten Synagoge in Heidingsfeld
- Date
- 1929-10-15
- Page
- Seite 332 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2727875-2727895-2736470--05236-2736538- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
332 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 20 rischer Rabbiner und zahlreicher Mitglieder von Rat und Tagung statt. Unter den Gästen befand sich auch der evangelische Geistliche von Heidingsfeld. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Heidingsfeld, Herr Bravmann, dankte in seiner Begrüßungsansprache dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden für das Werk der Wiederherstellung der Synagoge, von der er wünschte, daß sie nach dem Prophetenworte werden möge ein Gebethaus für alle Völker. Namens der Kultusgemeinde Würzburg gedachte in seiner Begrüßungsansprache Herr Justizrat Dr. Haas der engen Beziehungen zwischen der einst großen Gemeinde Heidingsfeld und der im 19. Jahrhundert erst aufgeblühten Gemeinde Würzburg; noch enger dürften diese Beziehungen werden durch die für 1. Januar 1930 bereits festgelegte Einverleibung des Städtchens Heidingsfeld in die Stadtgemeinde Würzburg. Der Präsident des Verbandes, Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, begrüßte die erschienenen bayerischen Rabbiner, die Geistlichkeit, die Behörden und die Organe des Verbandes. Seine Ausführungen schlossen an das Wort der Dichterin Marie v. Ebner-Eschenbach: „Was uns an der sichtbaren Schönheit entzückt, ist ewig die unsichtbare." Der Dreiklang Glaube, Kunst, Heimat ist uns das führende Symbol, das den suchenden Menschen hineinführt in das Geheimnis des Abglanzes göttlichen Schauens. Die Kunst, die auf dem Fundamente heimatlicher Erde und gläubigen Sinnes ruht, ist die Quelle, aus der die Gedanken der Ewigkeit ersprießen. Möge der Wanderer, der Deutschlands Stätten der Kunst aussucht, beim Besuche dieses Gotteshauses den Gedanken in sich aufnehmen, daß in einer Zeit der Auflösung und des Verfalls die jüdische Gemeinschaft Bayerns Aufbauarbeit geleistet hat durch Zusammenschluß. Bürgermeister Schnabel von Heidingsfeld rühmte den Opfersinn der jüdischen Gemeinschaft, durch welche ein Gotteshaus wieder erstanden sei, das eine Zierde der Stadt darstelle. Pfarrer Meier, der Geistliche der evangelischen Kirchengemeinde, weist in seiner Begrüßungsansprache hin aus die Gestalten der jüdischen Propheten, deren Geist lebendig werden möge in unserer Mitte. Die Festpredigt des Bezirksrabbiners Dr. Hanover zeigte, wie notwendig in unserer materialistischen, von der Aufklärung beherrschten Zeit, deren Weltbild bedingt wird von unerhörten Fortschritten der Technik und der Wissenschaft, gerade für den Menschen der Gegenwart Hoffen, Glauben und Fürchten ist. Im Anschluß an das Wort „dirfchu w'ichju", „suchet, damit ihr lebet", zeichnete er die Segenskräfte, die von jüdischer Gottesfurcht und jüdischer Gotteserkenntnis ausströmen, wies aber auch hin auf das jüdische Leid der Gegenwart, das nur überwunden werden könne durch Stärkung des Glaubens, durch Festigung unserer Treue, durch Weihe unseres Lebens. Umrahmt war die Feier von Gesängen des Synagogenchores Würzburg unter Leitung des Herrn Oberlehrers Hellmann und von den Solovorträgen des Herrn Kantors Behrendt (Veitshöchheim). Mesenfeld, 5. Oktober. Dieser Tage fand die Einweihung der in ihrem Innern völlig erneuerten Synagoge statt. In seinem neuen Gewand macht das Gotteshaus, an und für sich ein schöner, stattlicher Bau, einen überaus schönen, harmonischen und würdigen Eindruck. Die wohlgelungene Ausführung der Arbeiten macht dem Bauleiter, Bezirksbaumeister Hußlein in Karlstadt, und den Ausführern alle Ehre. Eine besondere Zierde des Gotteshauses sind der herrliche Vorhang vor der heiligen Lade und die Decken auf dem Vorlese- und Vorbeterpult, sämtlich von Witwe Therese Bamberger, der Mutter des Vorstandes der Kultusgemeinde, gestiftet. Die Einweihungsfeier, der auch der Pfarrer, die Lehrer und der Bürgermeister des Ortes sowie Bezirksbaumeister Hußlein und andere auswärtige Gäste beiwohnten, begann mit dem Cinholen der Thorarollen, die unter den üblichen Umzügen und Gesängen in die heilige Lade zurückgebracht wurden. Dann hielt der Vorstand der l> HAUS k>!; MÜNCHEN KARLS PLATZ 5 Kultusgemeinde Wiesenfeld, David Bamberger, die Begrüßungsansprache, in der er der Freude über das wohlgelungene Werk der Wiederherstellung Ausdruck gab, dem Bauleiter und den Bauhandwerkern für die gute Ausführung der Arbeiten, dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden für seinen namhaften Zuschuß zu den Baukosten und dem Ehepaar Hugo Stern für die bereitwillige Überlassung zweier Räume zur Abhaltung des Gottesdienstes während der Bauzeit dankte und die Synagoge dem Schjutze Gottes anvertraute. Hierauf hielt Lehrer Behrendt aus Veitshöchheim in Vertretung des verhinderten Bezirksrabbiners Dr. Hanover die Festrede, in der er in gedankenreichen Ausführungen die Bedeutung des Gotteshauses schilderte, auch den Opfersinn und die Opferfreudigkeit der kleinen Gemeinde und die Verdienste ihres rührigen Vorstandes um das Zustandekommen des Werkes hervorhob, woraus er dann die Wiedereinweihung des Gotteshauses vornahm. Mit einem Schlußgesang des Lehrers Behrendt schloß die eindrucksvolle Feier, die noch lange in den Herzen der Mitglieder der Kultusgemeinde nachhallen wird. Zirndorf. Sonntag, der 29. September, war für unsere Gemeinde ein Tag von festlicher Bedeutung. Nach wochenlangen Restaurierungsarbeiten unter der künstlerischen Leitung des Herrn Architekten Stamm aus Nürnberg wurde unser Gotteshaus mit einem feierlichen Weihegottesdienste seiner Bestimmung wieder übergeben. Nach einleitendem Chorgesang begrüßte der zweite Vorstand unserer Gemeinde, Herr Gutmann, die Gäste aufs herzlichste. Die Gesänge des Synagogenchores Fürth, der in liebenswürdigster Weise sich bereit erklärte bei unserm Feste mitzuwirken, sowie die Weihepredigt unseres Herrn Rabbiners Dr. Behrens (Fürth), gaben dem Gottesdienste seine besondere Note, und so war es eine Feier, die auf alle Anwesenden tiefen Eindruck machte. Anknüpsend an die beiden Schriftverse, welche die Wände der Synagoge schmücken, „Wisse vor wem du stehst" und „Wie ehrfurchtgebietend ist dieser Ort, dies ist nichts anderes als ein Gotteshaus, und hier ist die Pforte des Himmels", zeichnete Herr Dr. Behrens seinen andächtigen Zuhörern ein Bild von dem Wesen und der Bedeutung des Gotteshauses und des Gebetes, und ließ seinen Zuhörern die tiefen Zusammenhänge erkennen, die seit urdenklichen Zeiten im Judentum zwischen Gotteshaus und Gebet bestehen. Durch ihre Anwesenheit beehrten unsere Einweihungsseier: Der Abgeordnete des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, Herr Rat Katzenberger (Nürnberg), welcher im Namen des Verbandes seiner Freude Ausdruck verlieh, daß unsere Synagoge in solch würdiger Form wiedererstanden sei und gleichzeitig die Glückwünsche des Verbandes überbrachte. Der 1. Bürgermeister unserer Stadt, Herr Dr. Beer, sowie Herr Stadtpfarrer Dörfler der katholischen Gemeinde waren ebenfalls erschienen. Das evangelische Stadtpfarramt hatte in einem herzlich gehaltenen Schreiben sein Bedauern ausgesprochen, nicht durch einen persönlichen Vertreter anwesend sein zu können, nachdem die hier amtierenden Geistlichen an diesem Tage dienstlich schon in Anspruch genommen waren. Sowohl die Ansprache des Bürgermeisters der Stadt als auch des katholischen Stadtpfarrers waren von einer sympathischen Wärme für das Judentum als im besonderen für die jüdische Gemeinde Zirndorf getragen, und fanden um so freudigeren Widerhall in den Herzen der jüdischen Gemeindemitglieder, nachdem aus diesen Reden der Geist der Persönlichkeit, des gegenseitigen Verstehens und der gegenseitigen Achtung sprachen. Fortsetzung auf Seite 335 DER QUALI1Ä1SST N. STARK ft Cu. 0 F F E NÜRNBERG LUITPOLDSTRASSE 11 <l d d d d