Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-10-15 · 20 (15.10.1929) · p. Seite 325

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
20 (15.10.1929)
Article
Inhalt
Date
1929-10-15
Page
Seite 325 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2727810-2727875-2727895--05223-2736531
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bayerische Israelitische Gemeinöezeitung Kachrichtenblatt üec Israelitischen KultuSgemeinöen in München unü Augsburg unö öes Verbanöes Hagerischer Israelitischer Gemeinüen erscheint am 1. unö if. jeöen Monats. — Verlag: V. Heller, München, plinganferstraße 64, Kernruf 7)664 unö 7)66), Postscheck München )-37. Schristlettung: Or. Lugen Schmiöt, Rechtsanwalt ln München, Karlstraße 6. Sezugsprets für nicht eingewlefene vezleher: Reichsmark 4So für öas Jahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Jeile 40 ReichSpsennig Kamillenanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote *5 ReichSpsennig München, 15. Oktober Nr.Lo Inhalt: Zur Geschichte der Familie von Hirsch — Aus dem Verbände— Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern — Aus der Gemeinde München — Nachrichten — Personalia Bücherschau — Vereine — Geschäfts- Zur Gefcblcbte der Samilie von Kirsch Von D r. Joseph P r y S in München Nachstehende Ausführungen gründen sich fast ausschließlich auf bisher unveröffentlichtem urkundlichem Material, hauptsächlich aus den Beständen des Bayerischen Staatsarchivs Würzburg. Außerdem hatte Herr Paul von Hirsch auf Gereuth in Würzburg die Güte Familienpapiere und Porträts zur Verfügung zu stellen, wofür ihm auch an dieser Stelle gedankt sei. Der Ahnherr der adeligen Familie von Hirsch ist Jacob von Hirsch auf Gereuth, der im Jahre 1818 vom König Maximilian Joseph von Bayern in den erblichen Adelsstand des Königreichs erhoben wurde. Trotzdem darf eine noch so kurze Darstellung der Geschichte des von Hirschschen Hauses und namentlich die seiner Entstehung nicht an dem Vater des Jacob von Hirsch, Moses Hirsch, vorübergehen, dessen Verdienste um die spätere Entfaltung und die Weltgeltung seiner adeligen Nachkommenschaft dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen können. Er hat nicht nur den Grund für die günstige Entwicklung der Vermögensverhältniffe seiner Kinder und Enkel gelegt, sondern auch durch seine Persönlichkeit der Familie das Ansehen bei ihren Zeitgenossen verschafft, das neben ausreichenden materiellen Besitztümern die selbstverständliche Voraussetzung der Nobilitierung bildete. Moses Hirsch! war zunächst in Königshofen bei Ochsenfurt (auch Gaukönigshofen genannt), wo auch sein Sohn Jacob am 22. September 1765 geboren wurde, ansässig. Woher die großen Mittel stammten, über die er verfügte, ist nicht bekannt. Wenn man aber auch hierbei an die in unruhigen Zeiten häufigen Zufälle denken mag, die große Vermögen in einer Hand vereinigen: die Art, wie Moses Hirsch sein Vermögen verwaltete, verrät den tüchtigen und weitblickenden Kaufmann. Es war die Zeit der Säkularisationen, durch die der Staat in den Besitz großer, bis dahin der geistlichen Macht gehöriger Besitzungen kam, für die er selbst keine Verwendung hatte. Solche Besitztümer wurden zugunsten des Fiskus veräußert und zwar in der Regel im Wege der öffentlichen Versteigerung. Auch der säkularisierte, ehemals dem Zisterzienser-Kloster Ebrach gehörige sogenannte EbracherHof in Würzburg (heute Ebrachergasse Nr. 6, siehe Abbildung Nr. 2), der bis dahin den Ebracher Mönchen als Absteigequartier gedient hatte, sollte versteigert werden. Im „Würzburger Intelligenzblatt" Nr. 38 vom 27. Mai 1803 erschien daher folgende „Gerichtliche Anzeige": Der Ebrachische Hof dahier soll mit Vorbehalt höchster Genehmigung und unter nachgesetzten Bedingnissen an den Meistbietenden ohne Unterschied, zu welcher der drei christlichen Religionen er sich bekenne, öffentlich versteigert werden. (Folgen die Einzelheiten.) Churf. LandeS-Direction und resp. Separat in Administrationssachen der Stifte und Klöster. Die Beschränkung der zum Kaufe Zugelassenen auf christliche Untertanen hatte, wie wir sehen werden, ihren gesetzlichen Grund. Und seltsam — trotzdem kam das Anwesen nicht nur in jüdische Hände, es wurde sogar das Stammhaus der adeligen Familie Hirsch. Bei den ersten beiden Versteigerungsterminen am 10. und 25. Juni 1803, an denen nur fünf Gebote, das höchste zu 8400 Gulden, abgegeben wurden, begegnet uns der Name Hirsch unter den vier Kauflustigen noch nicht. Erft im dritten und letzten Termin vom 13. Juli 1803 taucht der Name: „Iud Jacob Hirsch von Gaukönigshofen" — also der Sohn des Moses — mit einem Angebot von 9200 Gulden auf. Nach langem Hin und Her — es wurden 168 Gebote abgegeben, darunter solche mit nur 5 Gulden Steigerung, — blieb „Iud Hirsch und Söhne von Gaukönigshofen" — also Moses Hirsch — mit 15 620

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.