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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-09-15 · 18 (15.9.1929) · p. Seite 303

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
18 (15.9.1929)
Article
Palästinakundgebung
Date
1929-09-15
Page
Seite 303 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 303 VORANZEIGE 11.—17. November im Schauspielhaus Gastspiel des Moskauer hebr. Künsflertheaters HABIMAH an, gedachte der viel versprechenden Gründung der Jewish Agency und gab seiner tiefen Trauer darüber Ausdruck, wie nun auf diese Blüten der Hoffnung der Reis jener unseligen Vorgänge gefallen sei. Es sprach dann Justizrat Dr. Elias Straus, um über die Vorgänge in Palästina zu berichten. Er erinnerte an die mannigfachen Verfolgungen, denen die Juden auch in diesem Jahrhundert ausgesetzt gewesen sind. Doch sei in allen diesen Verfolgungen ein Lichtblick gewesen: Der Aufbau von Erez Israel. Der Redner entwarf ein eindruckvolles Bild von den einzelnen Etappen des palästinensischen Ausbaus bis in unsere Zeit. Der Hauptsortschritt sei in der Nachkriegszeit gemacht worden, und zwar hauptsächlich in dem Gefühl einer unbedingten Rechtssicherheit, wie sie die Balsourdeklaration, die Friedensverträge und der Völkerbundsakt gegeben hätten. Die Opposition der Araber habe allerdings schon bald nach der Balsourdeklaration eingesetzt. Man könne das Araberproblem nicht so leicht abtun. Natürlicherweise seien die Schwierigkeiten des Zusammenlebens verschiedener Völker im selben Lande große. Die verantwortliche Leitung sei immer bemüht gewesen, eine freundschaftliche Verständigung mit den Arabern zu fördern. Die Vorfälle in der letzten Zeit seien von den verwickelten Eigentumsverhältnissen an der Klagemauer ausgegangen. Man habe in England die Dinge zu wenig ernst und alle zu sehr vom juristischen Standpunkt aus gewürdigt. Die Folge seien Hunderte von Blutopfern. Wir hätten uns zu fragen, ob nicht unser Verhalten selbst an diesem Blute schuld sei. Diese Frage könnten wir verneinen. Wir hätten das Vertrauen haben dürfen, die in Palästina vorhandenen Schwierigkeiten zu meistern. Aus einer inneren Notwendigkeit sei der Ausbau in Palästina geschehen. Trotz aller Schwierigkeiten gäbe es für uns keinen anderen Weg. Man müsse hoffen, daß alle Teile aus den Vorfällen gelernt haben, auch England als Mandatarmacht, auch die Araber. Es sei unsere Aufgabe, nunmehr mit erhöhter Kraftanstrengung jenen zu helfen, die in Palästina so Schweres durchzumachen hatten. ' Anschließend sprach Frau Helene Hanna Thon aus Jerusalem, mit dem tiefen Schmerz der an dem Unglück in Palästina unmittelbar beteiligten Frau. Sie habe im Namen ihrer palästinensischen Freunde das unverrückbare Gelöbnis der Weiterarbeit abzulegen, denn Palästina sei der letzte Versuch einer Befreiung des Judentums. Allerdings seien auch aus zionistischer Seite Fehler gemacht worden, es habe Zeiten gegeben, in denen manche mit dem arabischen Volke wenig oder gar nicht gerechnet haben. Es sei ein Irrtum gewesen, sich aus den Schutz der englischen Waffen zu verlassen. Es sei unmöglich eine neue Gesellschaftsordnung zu schaffen, wenn man nicht in einem Lande, das zwei Völker beherbergt, versuche, mit dem anderen Volke zur Brüderlichkeit und zur engsten Interessengemeinschaft zu kommen. Vielleicht seien die Juden dazu berufen, die Brücke zwischen Orient und Okzient zu schaffen, aus Grund ihrer zweitausendjährigen westlichen Erfahrung. Es sei jchwer in der jüdischen Jugend angesichts der letzten Vorfälle den Gedanken der Rache auszurotten. Ader dies fei gerade die Aufgabe der jüdischen Mütter. Es sei unmöglich Palästina aufzugeben. Dies hieße Tausenden von jungen jüdischen Menschen ihren Lebensinhalt rauben. Anschließend sprach Dr. Kannowitz (Berlin), der dem Gedanken Ausdruck gab, daß durch das Leid der Bund zum Aufbau Palästinas nur gestärkt werde. Palästina habe Raum für beide Völker, für das jüdische, wie für das arabische Volk. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer schloß die Versammlung mit dem Worte Mendelssohns: „Nur die Sache ist verloren, die man aufgibt!" Von der Versammlung wurde nachstehende Resolution einstimmig angenommen: „Die am 10. September versammelten Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde München beklagen tief, was sich in den letzten Wochen in Palästina zugetragen hat. Sie beklagen die Opfer an Menschenleben und die Zerstörung von Werten, die in langjähriger friedlicher Arbeit geschaffen wurden. Sie sind empört, daß vom mühevollen Werk von Jahrzehnten vieles durch Totschlag und Raub vernichtet wurde. Sie erwarten, daß es der Mandatarmacht gelingen wird, unverzüglich für die Wiederkehr geordneter Verhältnisse im Lande Sorge! zu tragen und daß es dann im friedlichen Zusammenarbeiten mit der gesamten Bevölkerung des Landes erreicht wird, das Zerstörte wieder herzustellen und das jüdische Aufbauwerk zu vollenden. Hieran nach besten Kräften mitzuwirken ist unser aller heilige Pflicht." Aus der Gemeinde Flugsburg Einführung des Rabbiners Dr. Ernst Jacob Am 1. September, vormittag, fand hier die feierliche Einführung des Herrn Rabbiners Dr. Ernst Jacob statt, der als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Herrn Dr. Richard Grünfeld zum Vezirksrabbiner gewählt worden war. Nach einer Festsitzung der Gemeindekörperschaften, in der ein feierliches Protokoll ausgenommen wurde, wurde der neue Rabbiner den im Trausaal versammelten Gästen vorgestellt: dem Herrn Oberbürgermeister und mehreren Stadträten, dem Vertreter der Regierung von Schwaben und Neuburg, den Vertretern der evangelischen und katholischen Geistlichkeit, den Direktoren der höheren Schulen, dem Präsidenten der Bayerischen israelitischen Gemeinden, Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer (München), den Vertretern der Bezirksgemeinden und anderen Behörden und Körperschaften. Unter den Festgästen befand sich auch Herr Rabbiner Dr. Baerwald (München) und der Vater des neuen Rabbiners, Herr Rabbiner Dr. B. Jacob aus Dortmund. STOUsWERCK SCHOKOLADE-PRALINEN 1

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