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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-09-15 · 18 (15.9.1929) · p. Seite 289

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
18 (15.9.1929)
Article
Inhalt
Date
1929-09-15
Page
Seite 289 (sequence 1)
Language
German
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Bayerische Kachrichtenblatt öer Israelitischen Kultusgemeinöen in München unö Augsburg unü öes Verbanües Hagerlscher Israelitischer Gemeinden Israelitische Gemeinöezeitung Erscheint am 1. unö 15. jeden Monats. — Verlag: S. Heller, München, SezugSprelS für nicht eingewlesene Sezleher: Reichsmark 4.S0 für öaS pllnganserstraße 64, Kernruf 7J664 unö 75 <$<$?, Postscheck München 5987* Aahr. Anzeigenpreis: Sie 4 gespaltene Millimeter-Zelle 40 Reichspfennlg vchriplektuug: Sr. Eugen vchmlöt, Rechtsanwalt ln München, Sarlpraste 6, Kamllienanzelgen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Reichspfennlg 192? München/15. September Nr. IS Inhalt: Die neue deutsche Bibel — Mendelssohnseier in Dessau — Die konstituierende Versammlung der Jewish Agency — Anselm Feuerbach und seine Beziehungen zu Juden — Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Afchaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929 — An die Juden Deutschland — Louis Marshall gestorben — Aus dem Verbände — Lehrerzeitung — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Behebung von Schäden auf den Friedhöfen —> Personalia Die neue deutsche Bibel mit veispielen aus dem „vuch der Könige" Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem „Die Bibel ist unter allen Büchern das, besten Bestimmung es ist, übersetzt zu werden, und daher auch das frühest und meist übersetzte. Was der Sinn alles Übersetzens ist, das Kommen ,jenes Tags', das ist für die Bibel mit ihrem in aller Literatur einzigartigen Miteinander von Erzählung, Forderung, Verheißung geradezu der Reiz, der diese Elemente zusammenhält. So ist der Eintritt eines Volkes in die Weltgeschichte bezeichnet durch den Augenblick, wo es sich die Bibel übersetzend aneignet. Dieser Eintritt fordert stets auch ein Opfer an völkischer Abgeschlossenheit, ein Opfer, das sich spiegelt in der mit einer Bibelübersetzung notwendig verbundenen Umschmelzung der nationalen Sprache. Denn während andere Übersetzungen immer nur einen Teil des Lebens berühren, etwa eine Shakespeare-Übersetzung nur das Theater, greift eine Bibelübersetzung in alle Sphären des Lebens, ein. Eine,religiöse Sphäre' gibt es nicht." Der Leser wird das lange Zitat gerne verzeihen; er wird schon gemerkt haben, daß es befferes über Gesicht und Aufgabe der neuen deutschen Bibelübersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig sagt, als unsereiner sagen könnte: stammt es doch von einem der Hauptbeteiligten, von Franz Rosenzweig selbst, aber nun nicht aus jener Zeit seines Wirkens, in der er das Übersetzungswerk schon begonnen oder auch nur geplant hatte: die Sätze stehen vielmehr in dem „Nachwort" zu den „Hymnen und Gedichten" des Jehuda Halevy, und zwar schon in der ersten Auflage. Aber in diesem Geist ist Buber, mit Unterstützung seines Freundes Rosenzweig, dann auch wirklich an jene großartige Übersetzung herangegangen, von der uns nun, mit den Büchern der Könige, etwa die Hälfte vorliegt? Doch schon hier erhebt sich ein Bedenken, 1 Verlag Lambert-Schneider, Berlin-Dahlem. gerade aus dem Herzen des zitierten Satzes heraus. Wenn der Augenblick der Bibelübersetzung den „Eintritt eines Volkes in die Weltgeschichte" bezeichnet, so ist dieser Augenblick für Deutschland durch Luthers Übersetzungstat längst gewesen. In der Tat erkennt denn auch Rosenzweig, an gleicher Stelle, diesen großen Sinn der Luther-Bibel durchaus an: „Die Reformation ist das erste deutsche Ereignis, das in die Welt hinausgewirkt hat und nicht wieder aus ihr verschwunden ist. Seitdem ist das deutsche Schicksal in das Weltschicksal verwoben. Luthers Übersetzungstat bezeichnet diesen Punkt. Das sogenannte „religiöse Genie" ist als solches allein niemals eine weltgeschichtliche Persönlichkeit — Meister Eckhart war keine - es gehört noch eine andere, eine weltliche Seite dazu. Luthers andere Seite war der Übersetzer. Diese seine „Weltlichkeit" vollendete ihn zur weltgeschichtlichen Person." Wo also ist der Ort für eine zweite deutsche Übersetzung, die nicht nur, wie die von Kautzsch-Weizsacker den großen Inhalt in banaler Form wiedergeben will, sondern die mit dem unverkennbaren Anspruch auftritt, gleich Luther „zu dem Bereich des damaligen Deutsch die neue Provinz des Bibel-Deutsch hinzu zu erobern"? (Rosenzweig, ebenda.) Auf diese Frage gibt eine andere Abhandlung Franz Rosenzweigs die Antwort, die nun freilich nicht vor, sondern mitten im Werke der Bibel-Übersetzung geschrieben worden ist und den ausgesprochenen Zweck hat, ihre Feinde abzuwehren und ihre Freunde gewisser zu machen. Diese «tnundfünfzig Seiten „Die Schrift und Luther"' sind neben dem „Nachwort" zum Jehuda Halevy das Wichtigste, was in unserer - Bei Lambert-Schneider; dort auch die zweite Auflage der Iehuda-Halevy-Übersetzung. Mendelssohn-Gedenkfeier der Kultusgemeinde München Sonntag, den 29. September 1929. Siehe Seite 302

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