Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 17 (1.9.1929)
- Article
- Ein Besuch in der Ferienkolonie Krumbach
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 280 (sequence 2)
- Language
- German
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280 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 Reisebüro I Versicherungsbüro Erledigung aller Reiseangelegenheiten. Eisenbahnfahrkarten, I Versicherungen jeder Ärt zu vorteilhaften Prämien und Bedin- Schifiskarten, Flugkarten usw. nach allen Weltteilen I gungen bei ersten Gesellschaften des In- und Auslandes Fernsprecher 101 und 1201 UülC3Uff & GriHlttli AU€JSbUI*C| C 9/10 Drahtanschrift: Nordlloyd litischen Vereins für Ferienkolonien und zur Bekleidung von Schulkindern" gefolgt waren, das Heim in Krumbach zu besichtigen. Ein stimmungsvoller Auftakt zu all dem Schönen und Wertvollen, das unser noch harrte. Unter sachkundiger Führung der Leiterin, Frau Adler, und der unermüdlich wirkenden Oberschwester Laura, die heuer zum zwanzigsten Male die Ferienkolonie betreut, wunderten wir durch die freundlich-hellen Räume des Heims, standen bewundernd in den bildergeschmückten hygienischen Schlasräumen, die augenblicklich 54 Kindern Ruhe und Erholung gewähren wollen vom Lärm und Getriebe, aber auch von den Entbehrungen des Großstadtlebens und -hastens. Und daß dieser Zweck erreicht wird, das bezeugten uns die glückstrahlenden Augen der jugendlichen Schar, die ihre roten Wangen neben der frischen Luft des schönen Schwabenstädtchens, das bekanntlich auch anderen Heilbedürftigen in seinem „Krumbade" Genesung bringt, nicht zum mindesten der vorzüglichen Verpflegung verdankt, die „Mutter Adler" ihnen zuteil werden läßt. Wir können auch davon ein Liedchen singen, denn das „einfache Mahl", das uns geboten wurde, legte Zeugnis ab von dem hervorragenden Können dieser trefflichen Frau. Und mit Recht feierte in gewohnt-gewandter Weise Frau Rabbiner D r. Baerwald mit allen übrigen Rednern die Verdienste der Leiterin und ihrer bewährten Helferinnen und gedachte pietätvoll-dankbar der beiden Verstorbenen, deren Name und Wirken mit der Geschichte und dem Aufstieg des Ferienheims unlösbar verbunden bleiben werden: Rosa Werner und Albert Landauer, der aus seinem Bilde glücklich lächelnd herniederschaute auf die festliche Schar der Erwachsenen und Kleinen. Und als nun nach dem Mahle aus Kindermund das Tischgebet in vollendeter Weise erscholl, als man hörte, wie fröhlich die ganze Schar von groß und klein in die Chöre einstimmte, da merkte man, daß neben dem Leib auch nicht der Geist, vor allem der religiöse, vernachlässigt wird. (Wie mir nachher berichtet wurde, versammelte an jedem Schabbosnachmittag der Vorsteher der Gemeinde, Herr W e i h k o p f, die Jugend, um ihr vom Wochenabschnitt und seinen Lehren zu erzählen.) Und nun noch eine Überraschung: im Nebensaale wurden die Stühle zusammengerückt, man nahm Platz und lauschte erstaunt den auf seltener Höhe stehenden künstlerischen Darbietungen der Kinder, die sich als Sänger, Tänzer und Schauspieler von erstaunlich-natürlicher Begabung zeigten und Zeugnis davon ablegten, daß die „Tanten" des Heims es meisterlich verstehen, Jugendlust und -freude zu erwecken. Unwillkürlich fiel mir Jean Pauls Wort ein: „Heiterkeit ist der Himmel, unter dem alles gedeiht, Gift ausgenommen!" Allzuschnell verflossen die Stunden, und schweren Herzens nahm man Abschied mit innigem Dank für Herrn und Frau Louis Selinger, die in so mustergültiger Weise die Vorbereitungen der Besichtigungsfahrt durchgeführt und die uns auch im Laufe des Vormittags mit berechtigtem Stolz freudestrahlend die Sehenswürdigkeiten „ihres" Krumbachs gezeigt hatten. Man schied mit dem Bewußtsein: Im Ferienheim Krumbach wird unter bewährer Leitung Vorbildliches geleistet zum Segen einer erholungsbedürftigen Jugend. Und ich bin sicher: Alle Kinder, die jemals das Glück hatten, in der Ferienkolonie Krumbach weilen zu dürfen, scheiden aus dem Heime mit dem Bedauern, daß diese schöne Zeit vorbei ist, und mit der Hoffn u n g, daß sie im kommenden Jahre wieder nach Krumbach dürfen. Tun wir das Unsrige, ihnen diese Sehnsucht zu verwirklichen! Dr. S. Keßler. „Schochtim-Verband Bayerns" Die Herren Kollegen werden höfl. gebeten, die fälligen Mitgliedsbeiträge für das 2. Halbjahr 1929 auf Postscheckkonto Nr. 36559, Amt Nürnberg (unter I. Lubinski) einzuzahlen. LubiNski, Kassier. Kus der öemeinde München Dr. Wilhelm Silberschmidt Unioersitätsprofessor Dr. Wilhelm Silberschmidt, Rat am Obersten Landesgericht, wurde auf sein Ansuchen ab 1. November 1929 in den dauernden Ruhestand versetzt. In Anerkennung seiner vorzüglichen Verdienste wurde ihm der Titel eines Geheimen Rates verliehen. Wir beglückwünschen Prof. Dr. Silberschmidt zu dieser Ehrung und hoffen, daß er noch viele Jahre seine wertvollen Kräfte der jüdischen Gemeinschaft zur Verfügung stellen wird. Hebräische Sprachkurse München Der Bericht über das Sommersemester 1928 umfaßt die Zeit vom 23. April bis 15. November 1928. Das Wintersemester begann am 16. November 1928 und erstreckte sich bis zum 15. April 1929. Es bestanden während der beiden Semester fünf Grundkurse. Anfang des Sommersemesters 1928 gelang es, einen Kinderkurs zu gründen und Mitte des Semesters einen zweiten Kinderkurs. Den Schülern aller Kurse wurde durch Konversationsstunden Gelegenheit geboten, das praktische Sprechen zu erlernen. Das Hauptgewicht wurde gelegt aus Aneignung der Grammatik durch mündliche und schriftliche Übungen sowie auf die Einführung in die alt- und neuhebräische Literatur. Die Schüler lasen teils hebräische Schriftsteller im Original, teils Abhandlugen in Form von.Biographien, sowie Literaturgeschichte nach dem Buch „Scheurim betoldot hasifrut haiwrit" von Urinowski. Das lebendig gesprochene Hebräisch Palästinas wurde an Hand der hebräischen Tageszeitung „Haarez" vor Augen geführt. Außerdem wurden Übersetzungen (aus dem Deutschen) ins Hebräische auf Grund von verschiedenem Material gemacht. Aus der allgemeinen Besuchsstatistik des Sommersemesters geht hervor, daß 15% Wochenstunden erteilt wurden, die von insgesamt 53 Schülern besucht wurden. Davon waren 32 Neueintretende, die übrigen 38 waren aus dem vorigen Semester. Während des Sommersemesters wurden insgesamt 287 Unterrichtsstunden abgehalten. Während des Wintersemesters bestanden sechs Grundkurse sowie zwei Kinderkurse. Aus der allgemeinen Besuchsstatistik geht hervor, daß 13% Wochenstunden erteilt wurden, die von insgesamt 55 Schülern besucht wurden. Davon waren 17 Neueintrtende, die übrigen 38 waren aus dem vorigen Semester. Während des Wintersemesters wurden insgesamt 254 Unterrichtsstunden abgehalten. Die Finanzierung der Schule erfolgte aus den Eingängen dev Schulgelder und der Subvention der Israelitischen Kultusgemeinde. ^tüton&ierüi? Electrola COlUfTlDlfl Odeon GrömmopHon Psrlopboü osw. [München Rosenstraße 5 Sfßinwoy & Sons Ibach Femen TOOrmer Schiedmayer usw.