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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-09-01 · 17 (1.9.1929) · p. Seite 278

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
17 (1.9.1929)
Article
Mendelssohn in einer Vorlesung Kants
Date
1929-09-01
Page
Seite 278 (sequence 2)
Language
German
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278 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 Schaft zu machen. Nur sein Erscheinen konnte endlich den Lärm beschwichtigen. Sein Vortrag lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit auf andere Dinge, und man ward so hingerissen, so versenkt in das Meer von neuen Ideen, daß man der Erscheinung des Juden längst nicht mehr gedachte, als dieser nach beendigtem Kollegium sich mit einer Heftigkeit, die mit seinem früheren Gleichmut seltsam kontrastierte, durch die Menge drängte, um zum Katheder zu gelangen. Die Studenten bemerkten ihn kaum, als wieder das höhnische Gelächter erschallte, das aber sogleich einer stummen Verwunderung wich, da Kant, nachdem er einen Augenblick den Fremden bedeutend betrachtet, und dieser einige Worte gesagt hatte, ihm mit Herzlichkeit die Hand drückte und dann in seine Arme schloß. Wie ein Lauffeuer ging es durch die Menge: „Moses Mendelssohn; es ist der jüdische Philosoph aus Berlin!" und ehrerbietig bildeten die Schüler eine Gasse, als die beiden Weltweisen Hand in Hand den Hörsaal verließen. Aus den Erinnerungen von August Lewald „Ein Menschenleben^. Band I (1844), Seite 98 ff. Mitgeteilt von Dr. L. F. Aus vrieten Mendelssohns Zusammengeftellt von Dr. Leo B a e r w a l d Die höchste Stufe der Weisheit ist unstreitig Gutes tun. Spekulation ist eine niedrigere Stufe, die zu jener führt. Man muß sie bestiegen haben, um zu jener zu gelangen; aber wer auf dieser stehen bleibt, erfüllt den Endzweck seines Daseins nur halb, und muß mit dem Lose zufrieden sein, auf der Wallfahrt zur Glückseligkeit den Wegweiser oder Meilenzeiger vorzuftellen. Glücklich, wem die Vorsehung den Willen und die Macht beschreden, Sittlichkeit und Bruderliebe unter den Menschenkindern durch Werke und Taten zu verbreiten. (An Baron Faber, 1777.) Meine Vernunft muß nicht spröde tun und mir die unschuldigen Vergnügen dieses Lebens verleiden wollen. Die Philosophie soll mich glücklicher machen, als ich ohne dieselbe sein würde. (An Sophie Berber, 1786.) Ein jeder lebe seines Glaubens und seiner Überzeugung und liebe seinen Nächsten wie sich selbst. Gott anbeten und den Menschen wohltun, dieses ist Zweck und Ziel unseres Hierseins, unsere Bestimmung in diesem, und unsere Hoffnung in jenem Leben. Alles übrige mag dahingestellt bleiben. (An Jung, 1782.) Ich wähle aus den Systemen der Weltweisen immer dasjenige, das mich glücklicher und zugleich besser machen kann. (Das.) O Wahrheit, Wahrheit, die sich in dich verlieben, sind die geplagtesten Geschöpfe. Mit Steinen muß man dir nachwerfen, wenn man vergnügt leben will. (An Abbt, 1765.) Ach! Wenn ich mit einer Rezension fünfzig Iudenkinder zu Handwerksgesellen und dreißig Leibeigene zu Freibauern machen könnte, so würde ich den guten Geschmack um Verzeihung bitten und auf eine halbe Stunde ins Nebenzimmer zu gehen ersuchen. (An Nicolai, 1779.) Nichts preßt unser Herz so zusammen als eine ausschließende Religion. Wenn sie auch nicht zu blutigen Verfolgungen reizt, so erzeugt sie doch einen lieblosen Stolz auf unseren ausschließenden Wert vor Gott, der unseren tugendhaftesten Trieben eine schiefe Richtung gibt. (An Oberreit, 1770.) Aus dem Verbände Nachruf für Carl heumann (hirschmd) Karl Heumann zog am ersten Mobilmachungstage ins Feld und war bis zum letzten Tage, draußen-ohne Verletzung, mit vielen Auszeichnungen und Anerkennungsschreiben kehrte er heim -jedoch den Keim einer unheilbaren Krankheit in sich tragend, die ihn viele Jahre aufs Krankenlager warf und 10 Jahre nach Friedensschluß nun hinraffte. Wer Karl Heumann, den großen starken Mann kannte, hätte nie geglaubt, daß er in der Vollblüte der Jahre hingerafft werden könnte. Er war es, der in der schlimmsten Hitlerzeit den Antisemiten die Stirn bot und vor einer noch so großen Überzahl nicht zurückschreckte. Wo Karl Heumann war, schwiegen die Hitler — er bekämpfte sie nicht mit dem Wort, sondern — mit Recht — mit der Faust. Zum großen Teile haben wir den konfessionellen Frieden, der sehr in unserer Gemeinde im argen lag, ihm mit zu verdanken. Nun ist er gefallen! — Seine Beerdigung gestaltete sich zu einer großen Trauerkundgebung. Hunderte ohne Unterschied des Glaubens umstanden seine Bahre. Militär- und Kriegervereine, jüdische und nichtjüdische Frontkämpfer gaben ihm das Ehrengeleite und unter Böllerschüssen senkte man den toten Kameraden, dem sein Judentum über alles ging, ins kühle Grab. Ruhe sanft! (R. W.) Jur Ergänzung unö Erneuerung: (BflCdtnCtt/ ÄOCfjQttQ Moöerne Stores mit Mllöurchzug von .. AM. fO.fO an ecru - Äetzstor/ aparte Zeichnungen von... RM. 1?.— an eceu-Gittertüll ISO cm breit/ Meter m £.fO Deöruckte Voiles/ in- 6anthren/iio cm br./ von RM. I.85 an Neueste Stoffe f. Abergarüinen/ 130 cm 6r., inöanthr. A von RM. an Größte Auswahl in Vettöecken jeöer Preislage Entzückenöe Spitzenöecken in jeöer Ausführung Marlenplatz z 7XofO MlßUfHt Dheatinerstraße 35

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