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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-08-15 · 16 (15.8.1929) · p. Seite 253

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
16 (15.8.1929)
Article
Inhalt
Date
1929-08-15
Page
Seite 253 (sequence 1)
Language
German
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Nachrichtenblatt öer Israelitischen Kultusgemeinöen in München unö Augsburg unö öes VerbanüeS Hagerischer Israelitischer Gemetnöen r j/ erscheint am r. unö 1$. jeüen Monats. — verlas: S. Heller/ München/ plinganserstraße 6\, Kernruf 73664 unö 73663, Postscheck München 3987* Schristlektung: Vr. Lugen Schmlöt, Rechtsanwalt ln München/ Karlstraße 6. Sezugsprels für nicht elngewlesene Sezkeher: Reichsmark 4.S0 für öas Jahr. Anzeigen preis: Sle 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Reichspsennlg Kamlllenanzelgen, Stellengesuche unö ahnllche Angebote if Reichspsennlg 1929 München/ 75. August Bz.16 Inhalt: Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929 — Jüdische Geschichte und jüdisches Leben — Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde München — Personalia — Protokoll der Verhandlungen der siebenten lagung des Verbandes vaperischer Israelitischer Semelnden in flschattenburg am 30. luni und 1. Juli 1929 (Fortsetzung aus Nr. 15 der Zeitung) Justizrat Dr. Straus fortfahrend: Ich habe Ihnen über einige wesentliche Posten, die Sie in der Einzelaufstellung zum Wohlfahrtsetat finden, einige Ausführungen gemacht. Das, worüber ich zum Schluß sprechen möchte, findet sich in der Etataufstellung nicht. Es handelt sich um eine Position, für die ich im Einvernehmen mit dem Rat nachträglich eine Einsetzung in den Etat beantragen muß, nämlich um einen Zuschuß zu den Kosten der Errichtung der neuen Fürsorgeerziehungsanstalt des Deutsch-Israelitischen Gemeindebrmdes in Wolzig. Die Frage der Reform der Fürsorgeerziehung ist heute in aller Munde. Das auf allen Großstadttheatern aufgeführte Tendenzstück „Revolte im Erziehungshaus" hat die Blicke weiter Kreise der Bevölkerung auf die hier bestehenden Mißstände gelenkt. Wir müssen leider gestehen, daß auch die jüdische Fürsorgeerziehung nicht von schweren Mängeln frei ist. Es ist daher besonders zu begrüßen, daß der D.J.G.B., der die Fürsorgeerziehungsanstalten seit Jahrzehnten betreut und unterhält, sich entschlossen hat, an Stelle der veralteten, in einem ganz einsamen Nest in Pommern gelegenen Erziehungsanstalt für Knaben in Repzin ein neues Heim zu errichten, das nach seiner Lage, seiner inneren Ausgestaltung und vor allem durch die neue dem heutigen Geist entsprechende Leitung, die hierfür in Aussicht genommen ist, Gewähr bietet dafür, daß die alten Mißstände behoben werden und eine den Bedürfnissen und sozialen Gedanken der Zeit entsprechende Erziehungsstätte geschaffen wird. Der D.J.G.B. ist an die Landesverbände herangetreten mit dem Ersuchen, zu den Kosten des Anstaltsbaus beizutragen: er hat von dem bayerischen Landesverband einen Beitrag von 7500 RM. für diesen Zweck erbeten. Ich schlage vor, daß dieser Betrag bewilligt wird, daß wir jedoch im Hinblick auf unsere gespannte Finanzlage die Beitragsleistung auf drei Jahre verteilen und in den vorliegenden Etat einen Betrag von 2500 RM. einsetzen. Wir haben in die Fürsorgeerziehungsanstalten des D.J.G.B. in ftüheren Jahren mehrfach bayerische Zöglinge entsandt. In letzter Zeit haben wir mit Rücksicht auf ungünstige Erfahrungen davon abgesehen, werden aber, sobald die neue Anstalt eröffnet wird und entsprechende Fürsorgefälle vorliegen, wiederum von den Anstalten des D.J.G.B. Gebrauch machen. Abgesehen von dieser Zusatzbewilligung, die ich hiermit beantrage, werden Ihnen im Laufe der Verhandlung weitere Anträge unterbreitet werden, die gleichfalls eine Erhöhung unserer Ausgaben im Wohlfahrtsetat mit sich bringen. So beantragt der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten einen Betrag von 20 000 RM. für Siedlungszwecke. Es liegen ferner Anträge vor auf Beitragsleistung zum Centralverein und für den Keren Hajessod. Es wird sonach eine nicht unbeträchtliche Erhöhung der Gesamtsumme des Wohlfahrtsetats von jetzt 256 000 RM. erforderlich sein. Da wir mit einem um 10 OM RM. erhöhten Staatszuschuß, der bisher nicht im Etat eingesetzt ist, zu rechnen haben, wird es trotzdem möglich sein, unseren Etat zu balancieren. KommerzienratBraunschweiger: Zur Frage der Erweiterung des Landesheims: Es hat sich gezeigt, daß das Landesheim zu klein ist. Bevor ich auf die Frage selbst eingehe, möchte ich dringend bitten, daß Sie doch heute oder morgen zu einem Beschluß in dieser Angelegenheit kommen, und zwar aus dem Grunde, daß unsere Petenten nicht mehr allzulange auf Unterbringung warten müssen, aber auch nicht zuletzt aus dem Grunde, daß die Mitglieder der Kommission nicht immer und immer wieder die Anstalten besichtigen müssen und immer wieder Gutachten abgeben sollen. Ich möchte kurz wiederholen, wie der jetzige Stand ist. Das Landessiechenheim befindet sich gegenwärtig in Würzburg in einer besonderen Abteilung des Israelitischen Kranken- und Pfründnerhauses. Es sind dort 16 männliche und weibliche Insassen untergebracht. Außerdem sind sechs weitere in dem Hauptgebäude, also getrennt von dem eigentlichen Siechenheim. Gerade im letzten Jahre sind ziemlich viele Gesuche eingelaufen. Von München wird berichtet, daß 21 unerledigte Gesuche vorliegen, und zwar fünf von Männern und 16 von Frauen. Zwei weitere Gesuche befinden sich noch in Behandlung. Auch diese Personen werden untergebracht werden müssen. Es liegen nun verschiedene Projekte für die Erweiterung des Heims vor. Projekt 1 ist das Haus Löwinsky in Bad Kissingen. Es liegt jenseits der Saale am Marbach und zeichnet sich durch freie sonnige Lage an einem gegen Süden geneigten Abhang aus. Gartenanlagen und schöner Baumbestand innerhalb des Anwesens und rings in der Nachbarschaft sowie reichliche Gelegenheit, sich in unmittelbarer Nähe des Hauses im Freien zu ergehen, bzw. auf sonnigen Ruhebänken zu verweilen, geben dem Hause Löwinsky das Gepräge des sommerlichen Kurhauses. Der Eindruß des auf die gute Jahreszeit und auf unterhaltsames Kurleben eingestellten Hauses wird verstärkt durch eine geräumige Glasveranda, durch einen größeren und einen kleineren Saalbau, sowie durch die lockere, gleichsam unorganische Aneinanderreihung mehrerer vermutlich aus verschiedenen Zeiten stammender Anbauten. In der südwestlichen Ecke des Grundstücks befindet sich das Wirtschaftsgebäude mit Wäscherei und Remise, auch der Aufnahme der Hotelbediensteten dienend. Die maschinelle Einrichtung der Wäschereianlage macht einen guten Eindruck. Der geräumige nördliche Teil des Grundstücks ist zum Teil an Gärtnereien verpachtet und weist auch ein festes Treibhaus auf. Da der oberen Grundstücksgrenze entlang eine neue Straße projektiert ist, stellt die nördliche obere Gartenfläche zweifellos zukunfts-

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