Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 14 (15.7.1929)
- Article
- Altenstadt i. Schwaben
- Date
- 1929-07-15
- Page
- Seite 229 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 229 Reisebüro Versicherungsbüro Erledigung aller Reiseangelegenheiten. Eisenbahnlahrkarten, Schilfskarten, Flugkarten usw. nach allen Weltteilen Versicherungen jeder Art zu vorteilhaften Prämien und Bedingungen bei ersten Gesellschaften des In- und Auslandes Fernsprecher 101 und 1201 UlllCällf & GriltllWj AllCJSbtirCg C 9/10 Drahtanschrift: Nordlloyd treuer Jsraelite, der dem Judentum mit ganzem Herzen zugetan war, ein hochgeschätzter Mitbürger und äußerst reeller Geschäftsmann, dem allseitig das höchste Vertrauen entgegengebracht wurde, aus unserer Mitte geschieden. Für unsere Gemeinde bedeutet sein früher Tod einen unersetzlichen Verlust. In zwei langen Perioden verwaltete er das Amt eines Kultusvorstandes, viele Jahre war er Vorstand der Chewrakadischah. Was er aber als selbstloser, unbezahlter Hilfskantor in so langer Zeit geleistet hat, indem er das traditionelle Chasonus mit seiner wohlklingenden Stimme in mustergültiger Weise zum Vortrag brachte, das setzt seinem öffentlich-jüdischen Wirken die Krone auf. Ein weiteres bedeutsames Werk bleibt auf immer mit seinem Namen verbunden. Seiner rastlosen Energie ist es zu danken, daß unser seit 1719 bestehender Friedhof vor etwa eineinhalb Jahren mit einer massiven Mauer umgeben wurde. Die Beerdigung gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung, an der sich die hiesige und auswärtige Geistlichkeit beteiligte. Der hiesige Gesangverein eröffnete den Leichenzug in corpore mit der Fahne und ehrte den Entschlafenen durch einen erhebenden Grabgesang. Auf seinem Grabe aber prangt die unsichtbare Inschrift: Kol ha auschim hazibbur. Rose, Hptl. Rördlingen. Zwei Tage vor Eingang des Schewuosfestes wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, dessen Heimgang in hiesiger Gemeinde eine merkliche Lücke hinterlassen hat. Herr Gabriel Schweish e i m e r, der zweite Vorsitzende der Kultusgemeinde, ist im 73. Lebensjahre einem tückischen Leiden erlegen. Seit 1894 der Kultusgemeinde angehörend, übernahm er 1909 das Amt des zweiten Vorstandes, 35 Jahre, also die Hälfte seiner Lebenszeit, stand er im Dienste der Allgemeinheit des Judentums. Mehr als sein Eigenes lagen ihm die Gemeindeangelegenheiten am Herzen; er hat in der langen Zeit seines Wirkens kaum eine Sitzung versäumt. Ehre seinem Andenken! Mönchsroth. Das am 4. Juli niedergegangene Unwetter hat auch die altehrwürdige Kultusgemeinde schwer betroffen. Die eiergroßen Hagelkörner zertrümmerten an der im Jahre 1760 erbauten Synagoge und an dem Schulhaus sämtliche Fenster der Westfront und eine Menge Ziegel, sodaß die Dächer umgedeckt werden müssen. Die Feld- und Gartengewächse wurden vernichtet. Bus der Semeinde München Oberin Melitta Feuchtwang Am 20. Juni 1929 wurde die Oberin Melitta Feuchtwang zur letzten Ruhe bestattet. Ein reiches gesegnetes Leben war zu Ende gegangen; mitten aus der Arbeit hatte der Tod die Nimmermüde weggerufen, der oft geäußerte innige Wunsch: „Nur nicht hinsiechen müssen, nur rasch sterben dürfen", war ihr gnädig erfüllt worden. In der Vollkraft ihres Schaffens, aus der Höhe ihres Erfolges hatte der Tod sie ereilt, hatte man sie fortgetragen aus dem Hause, das ihre Welt gewesen — eine Welt, die sie sich selber miterschaffen hatte, der ihre ganze Liebe und Sorge gehörte, in der alle Kräfte ihrer reichen und vielseitigen Begabung wirksam werden konnten. Im Jahre 1900 hatte die München-Loge Melitta Feuchtwang mit drei anderen Berliner Schwestern nach München gerufen, um von dem israelitischen Schwesternheim aus häusliche Krankenpflege treiben zu lassen. Aus diesen bescheidenen Anfängen war das Schwestern- und Krankenheim an der Hermann-Schmid-Straße hervorgegangen, das man sich heute nicht mehr wegdenken kann aus dem Rahmen der Münchener Gemeinde. In hohen Ehren steht dieses Haus. Melitta Feuchtwang hat es erfüllt mit ihrem Geiste, der ein Geist der Lauterkeit und der Vornehmheit war, sie hat es erfüllt mit der sorgenden, verstehenden Liebe, mit der tiefen Mütterlichkeit, die einen Grundzug ihres ernsten, gehaltenen Wesens bildete. Mit eiserner Pflichttreue stand sie auf ihrem schweren, verantwortungsvollen Posten Tag für Tag, ein Menschenatter hindurch. Sie, die hochbegabte, feingebildete Frau, die organisatorisch hervorragende Leiterin, die unvergleichlich gute Krankenschwester war gleichzeitig die beste Hausfrau, deren scharfem Blick nicht das Geringste entging, die es verstand, Behagen im Hause zu verbreiten. Mit einer bewunderungswürdigen Selbstverständlichkeit stellte sie die eigene Person zurück hinter die Sache, der sie diente; sie war streng gegen sich selber, liebevoll und mütterlich gegen die Schwestern, denen sie ein leuchtendes Vorbild war, eine Lehrerin, die der Worte nicht bedurfte, weil ihre Taten für sie sprachen, von tiefer wohltuender Anteilnahme erfüllt für jeden Kranken, der Trost und Hilfe von ihr erhoffte. Melitta Feuchtwang hat nur selten das Haus verlassen, das ihr reiches gesegnetes Wirken umschloß, aber ihr Ruf ist hinausgedrungen über die Mauern dieses Hauses: die würdige Frau im schlichten Schwesternkleid war eine der verehrtesten Gestalten in Münchens jüdischer Gemeinde. Möge ihr Andenken gesegnet sein an ihrem Werk! Clara Oppenheimer, Wolfratshausen. Bus der Semeinde Bugsburg Zum Abschied des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Richard Grünfeld von Augsburg Herr Rabbiner Dr. Richard Grünfeld war vom Jahre 1910 bis heute der religiöse Führer der jüdischen Gemeinde in Augsburg. Die Geschichte dieser Tätigkeit ist zum großen Teil auch die Geschichte der jüdischen Gemeinde selbst, besonders dann, wenn die Persönlichkeit des Führers für das religiöse Leben der Gemeinde geradezu bestimmend war. Seine Tätigkeit begann in der Epoche des alten Liberalismus, in der die Strömungen und Bewegungen des heutigen Judentums noch kaum bekannt waren. Rabbiner Dr. Grünfeld war damals schon der moderne Führer, der seine Gemeinde mit dem stets sich entwik- STOUsWERCK [ SCHOKOLADE-PRALINEN BJ