Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 14 (15.7.1929)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1929-07-15
- Page
- Seite 221 (sequence 1)
- Language
- German
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Vagerische Israelitische Gememöezeitung KachrichtenblaU üer Israelitischen Kultusgemeinüen in München unü Augsburg unü ües Äerbanües Hagerischer Israelitischer Gemeinöen Erscheint am 1. unü if. jeüen Monats. — Verlag: V. Heller, München, plinganserstraße <$4/ Kernruf 75 66$ unö 7^66‘y, Postscheck München 5987. Hchristleitung: Or. Lugen vchmlüt, Rechtsanwalt ln München, Karlstraste 6. Lezugspreis für nicht eingewiesene Sezkeher: Reichsmark 4.S0 für üas Jahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Jeile 40 Reichspfennlg Kamiltenanzeigen, Stellengesuche unü ähnliche Angebote iS Reichspfennlg München, if. Mi Hc.14 Inhalt: Die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden zu Aschasfenburg, 30. Juni und 1. Juli 1929 — Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Aschasfenburg am 30. Juni und 1 Juli 1929 — Aus dem Reiche — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden — Bekanntmachung über Änderung der Verfassung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden —> Bekanntmachung über Änderung der Schiedsgerichtsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden — Bekanntmachung über Jahresrechnung 1923 und Haushaltplan 1929 — Bekanntmachung über die Einhebung von Kultusumlagen der Lohnsteuerpflichtigen für das Kalenderjahr 1928 — Bekanntmachung über Beihilfen an Gemeinden bei Unterbringung bedürftiger Gemeindeangehöriger in Anstalten — Personalia. vie lagung des Verbandes vayerischer Israelitiscder Semeinden zu ttsckattenburg, 30. Juni und 1. Juli 1929 Während hier und dort in deutschen Landen der Auf- und Ausbau der jüdisch-konfessionellen Landesorganisationen nur unter großen Schwierigkeiten und Hemmnissen vorwärts schreitet, während die Reichsorganisation der deutschen Juden bisher daran scheiterte, daß an dem Zustandekommen beteiligte Faktoren es an der Einsicht in das praktisch Erreichbare fehlen ließen, geht die Arbeit des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden ihren ruhigen, unbeirrbaren Weg. Wenn auch nicht zu verkennen ist, daß die politischen Verhältnisse Entstehung und Entwicklung des Verbandes in Bayern mehr als sonstwo begünstigten, so wäre eö gleichwohl ungerecht, die außerordentliche Arbeitsleistung und zielbewußte Führung außer acht zu lassen, die den Verband auf seine jetzige Höhe geführt hat. Während die Arbeiten der ersten Tagungen der Errichtung des Fundamentes des Verbandes gegolten hatten, der Schaffung seiner verfassungsmäßigen Grundlagen, die die Voraussetzung bilden zu wirksamer Arbeit auf religiösem, sozialem und kulturellem Gebiete, war die diesjährige Tagung des Verbandes am 30. Juni und 1. Juli 1929 zu Aschaffenburg dem Ausbau dieser Arbeiten gewidmet. Die jährlich ftattfindenden Versammlungen des Rates und der Tagung haben neben ihrer Arbeitsaufgabe auch noch eine repräsentative Aufgabe sowohl der jüdischen, wie der nichtjüdischen Öffentlichkeit gegenüber. Der jüdischen Öffentlichkeit gegenüber, indem sie in einer Zeit der heftigsten Angriffe und Anfeindungen dem einzelnen zeigen, daß er im Schutze einer größeren Gesamtheit steht, auf die er sich verlassen kann, der nichtjüdischen Öffentlichkeit gegenüber, inde^n sie dartun, daß wir einen nicht zu umgehenden Faktor des öffentlichen Lebens darftellen und unsere staatsbürgerlichen Rechte in vollem Umfange zu wahren gewillt sind. Niemals kann ein solcher Appell an das öffentliche Gewissen ohne Wirkung sein. Zur Bewillkommnung der Tagung schrieb die „Aschaffenburger Zeitung" vom 29. Juni 1929: „Eine besonders wichtige Tagung für unsere israelitischen Mitbürger wird am morgigen Sonntag und Montag in Aschaffenburg stattfinden. Der Landesverband der Bayerischen Israelitischen Gemeinden hat Aschasfenburg zu seinem Versammlungsort gewählt. Die Aschaffenburger Bürgerschaft, soweit sie den konfessionellen Frieden will und allem abhold ist, was eine verderbliche, volksfeindliche Bresche in die deutsche Volksgemeinschaft legen könnte, wird mit Genugtuung davon Kenntnis nehmen, daß der Landesverband der Bayerischen Israelitischen Gemeinden der Stadt Aschasfenburg und seiner Bevölkerung Vertrauen schenkt und hier tagen und beraten Unvernunft, Unduldsamkeit und fanatischer Haß, der keineswegs immer ehrlicher Überzeugung entspringt, bringen es leider oft zuwege, daß in der deutschen Republik, in der Gewissensfreiheit, Glaubensfreiheit und nicht zuletzt auch der ungestörte Verlaus von Versammlungen und Tagungen garantiert ist, durch vorgeschobene unreife Jugend schwer beeinträchtigt wird. Wenn es sich bei diesen dunklen Machenschaften auch nur um eine vorübergehende Krisenerscheinung handelt, die nach den Stürmen des Krieges in der Nachkriegszeit leichter als sonst möglich ist, so wird jeder vernünftige, anständig denkende Mensch den Terror in dieser Richtung als etwas Beschämendes in einem Kulturstaat bedauern müssen. Wir befinden uns in der Gemeinschaft der besten Vertreter der beiden großen christlichen Konfessionen, von bedeutenden Theologen der katholischen und evangelischen Konfession, wenn wir die Verleumdungen und schweren Beleidigungen, die den israelitischen Bürgern von gewisser Seite zugefügt werden, als verwerflich und sowohl mit den Lehren des Christentums als auch mit den Grundsätzen des Kulturmenschentums nicht vereinbar verurteilen. In Aschasfenburg will der überwiegende Teil der Bürgerschaft von diesen häßlichen Dingen nichts wissen. Die Aschaffenburger Bürgerschaft will vielmehr mit den israelitischen Mitbürgern in Frieden leben." Wie üblich, begann die Tagung mit einer festlichen Eröffnungssitzung (im großen Saal des Bürgervereins Frohsinn) unter dem Vorsitz von Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt. Hiezu waren außer den Mitgliedern von Rat und Tagung erschienen: Ministerialrat Dr. Mezger vom bayerischen Staats-