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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-06-28 · 13 (28.6.1929) · p. Seite 212

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
13 (28.6.1929)
Article
Agudas Jisroel-Jugendgruppe Nürnberg
Date
1929-06-28
Page
Seite 212 (sequence 2)
Language
German
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212 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 Uriel Birnbaums, der Montag, den 3. Juni, im Saal des „Deutschen Hof" stattfand, wurde von den Agudas Jißroel-Orts- und Jugendgruppen Nürnberg und Fürth, sowie dem Frauenverein „Esras Noschim" Nürnberg veranstaltet. Namens der beteiligten Vereine begrüßte Dr. Heinrich Klein den Künstler und wies aus die Bedeutung des Namens Birnbaum und auf die besondere Stellung der Kunst Uriel Birnbaums hin, die aufgeschlossene Zugewandtheit von uns beanspruchen könne. Der Dichter las aus seinen Werken und erzielte einen ungewöhnlich starken Erfolg. Seine Vortragsweise ist schlicht, eindringlich und tiefst überzeugend. So standen die Zuhörer, unter denen die Tagespresse vertreten war, von Anfang an im Bann der Lyrik, die der Dichter brachte. Eine Anzahl der Sonette aus „G"ttes Krieg" (Löwit, Berlin-Wien 1921) waren der Auftakt. Der Krieg ist für Birnbaum schrecklich, er bringt den Menschen zur tiefsten Verzweiflung, der Dichter verliert beide Füße, „der Weg zum Leben ist unsäglich bitter". Doch der Krieg bleibt ihm G'ttes Werk, zermalmendes Schicksal, das immer wieder die Seele G'tt nähert. Die Sprache, in der sich des Dichters Erleben kündet, ist von derartiger Gewalt des Aufbaus und des Ausdrucks,, daß — suo jure — die Kritik der Tagespreffe von der Sprache eines „Psalmiften", „alttestamentarischer" und „biblischer" Stärke spricht. Die Innigkeit des Empfindens geht — hier das wirklich Wundersame — bei aller Überlebensgröße des Vorwurfs nicht verloren, sie teilt sich dem Zuhörer restws mit. Der Dichter las sodann sehr zarte und sprachlich edle Liebesgedichte aus einer unveröffentlichten Reihe „Leben und Liebe". Die religiöse Bindung allen Lebens durchwebt auch hier jedes Gefühl und führt in ihrer bei Birnbaum gegebenen Ursprünglichkeit zu der höchsten Steigerung des Erlebens. — In weiterer Folge brachte Birnbaum „Biblische Gedichte in Sonetten" und „Gebete in Sonettform" — ebenfalls noch unveröffentlicht. Den Abschluß bildeten „Gedichte in neuer Form", auch überwiegend religiösen Themas, die wie die vorgenannten noch der Veröffentlichung harren. — Der Beifall war derart herzlich, daß sich der Dichter zu einer Zugabe entschließen mußte. Im Anschluß an die öffentliche Veranstaltung fand noch ein geselliges Beisammensein im engeren Kreis statt, das zu interessanten Erörterungen über die Anschauungen des Dichters führte. Der aufiichtige Wunsch, den Dichter bald wieder in Nürnberg zu sehen, wird vielleicht schon im Winter verwirklicht werden. — Dr. H. K. Aus dem Jahresbericht des Vereins Israelitisches Kurhospiz Bad Kissingen e. V. für das Jahr 1928 Mit diesem geben wir die alljährliche Rechnungsablage und den Bericht über den Betrieb des Hospizes im zweiten Jahre seines Bestehens. Veranlaßt durch die große Anzahl von Gesuchen um Aufnahme, die wir im Sommer 1927 nicht berücksichtigen konnten, haben wir in diesem Jahre 10 neue Belegstellen eingerichtet. Dadurch war es uns möglich, während der Saison statt 140 Personen 190 Kranken die Wohltaten unseres Hospizes zuteil werden zu lassen. Von den Insassen stammten 63 Personen aus Bayern, 124 Personen aus dem übrigen deutschen Reich und 3 Personen aus' dem Auslande. Die Einzahlung für einen vierwöchentlichen Aufenthalt betrug RM. 140.—, doch gewährten wir in ganz besonders dringenden Fällen auch freie Aufnahme oder Ermäßigung des Satzes. Dank dem Entgegenkommen des staatlichen Badkommissariats haben wir für fast alle unsere Patienten die zweitgrößte Ermäßigung der Kurtaxe erwirkt. Durch die wohlwollende Förderung unseres Vereins seitens des Verbands Bayer. Israel. Gemeinden in München, verschiedener Gemeinden, Logen und Privatpersonen, welchen wir allen herzlichst danken, war es uns möglich. den Einzahlungssatz nicht zu erhöhen, obwohl wir zu den Kosten des Betriebs RM. 2678.— zulegen mußten, für Zinsen RM. 6396.— und für Neuanschaffungen RM. 461.— aufzubringen hatten. Es verblieb noch eine Bankschuld von RM. 869.—, doch konnten wir anderseits das Vereinsvermögerü durch die für den Fonds bestimmten Summen einer Bettstiftung und drei immerwährenden Mitgliedschaften um RM. 3600— erhöhen. Wir hoffen auf weitere wohlwollende Unterstützung, auch im kommenden Jahre neue Gönner und Freunde zu finden, damit im Interesse der im Heim Aufnahme Suchenden der Einzahlungssatz auch fernerhin nicht erhöht werden muß. 1 Das Vereinsvermögen besteht zur Zeit aus unferm Anwesen am Altenberg 2, aus unferm Grundstück Salinenstraße 36 (das wir zu einer günstigen Zeit verkaufen wollen) und aus Wertpapieren im Werte von RM. 20 671.—. 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